Über die hohe Kunst der Verzweifelungskomik

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Im Leben hat man immer eine Wahl – selbst, wenn die Dinge komplett scheisse laufen. Am Ende bleiben mindestens die beiden Möglichkeiten: lachen oder weinen.

Der deutsche Stereotyp verfügt jedoch im Allgemeinen,  über eine Komik, die zu seiner Freundlichkeit passt. Zugegeben erfordert Humor, ganz besonders Selbstironie, schon ein bisschen intellektuelle Kreativität, und daran scheitern dann auch schon die Ersten … der Rest fällt raus, wenn es darum geht, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Trotzdem sollte man meiner Meinung nach das Lachen schnell wieder lernen, denn astrologisch gesehen wird 2013 ja das ‚Jahr der puren Lustigkeit’… okay, ich gebe zu, das habe ich mir grade ausgedacht. Ich persönlich war nie ein Freund der alernsten Lebenseinstellung, und habe dafür auch gute Gründe:

Lachen ist gesund! Freud, aber auch schon andere kluge Philosophen und Wissenschaftlern vor ihm, erkannte im Humor einen psychischen Abwehrmechanismus. Überhaupt haben viele kluge Menschen im Humor eine elegante Lösung gesehen, um mit den menschlichen Schwächen und Realitäten umzugehen. Vernunft und Ernst bindet uns überhaupt erst an dieses stressige, unnötige und normative Realitätsprinzip. Die meisten Menschen versuchen daher verkrampft zu erfüllen, was gesellschaftlich von ihnen erwartet wird (oder besser: Was sie meinen, was von ihnen erwartet wird). Viele beschäftigen sich so sehr damit, was ihre Mitmenschen über ihr Verhalten sagen oder denken könnten, dass ihnen das Lachen völlig vergangen ist.

Mein Theaterlehrer hat mich in der 5.Klasse vor meinen Mitschülern auf den Stuhl gestellt und mich Dinge tun lassen, die man nicht tun sollte, wenn man nicht zum Gespött der ganzen Klasse werden will. Da ich meinen Ruf als cooler Teenager nur unnötig gefährden wollte habe ich ihn gefragt habe, ob er mich veraschen will. Er hat mir daraufhin erklärt, dass das am Theater eine Übung gegen ‚Lampenfieber‘ sei, und meinte:“Wenn einem im Leben nichts peinlich ist, bedeutet das große Freiheit“. Klang für mich nach: „ist der Ruf erst ruiniert…“, und machte für mich sofort Sinn. Als der engagierte Schüler der ich war, habe ich natürlich auch gleich angefangen auszutesten, was man mir gelernt hatte. Was passiert denn eigentlich wenn der Ruf ruiniert ist? Oder die Nachbarin schlecht über mich denkt? Oder meine Lehrer meinen ich sei der schlimmste Schüler der Schule? Oder meine Mitschüler mich nicht für so toll halten, wie ich es tat? … es passierte nichts. Absolut überhaupt nichts! Nichts wird so heiss gegessen, wie’s gekocht wird und am Ende geht das Leben einfach weiter, als wäre nie etwas passiert.

…allerdings sollte ich auch darauf hinweisen, dass ein Übermaß an Humor, Ironie und Sarkasmus schnell dazu führen kann, von den Mitmenschen als vollkommen schwachsinnig eingestuft zu werden. Doch mir gefiel  schwachsinnig besser als unlustig,denn ich erkannte schnell das mein Theaterlehrer tatsächlich recht hatte. Wenn man sich nur lange genug daneben benimmt, gewöhnen sich die Menschen an das neue Verhalten und finden sich damit ab. Ich galt zwar im Lehrerzimmer als schwieriges Kind, und auch meine Eltern waren der Meinung sie hätten es nicht so ganz einfach mit mir, aber im Prinzip hatte ich vollkommene ‚Narrenfreiheit‘.

Humor ist die Kunst, sich selbst oder die Situation lustig aufzunehmen. Das hilft ungemein dabei, nicht immer alles so verbissen zu sehen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht fällt es einem plötzlich viel leichter, sein eigenes Denken und Handeln zu reflektiert und einen Irrtum ggf. auch mal zugeben zu können. Über die eigenen menschlichen Schwächen kann so plötzlich locker gelacht werden. Mit Hilfe von Humor kann man außerdem ganz charmant unangenehme Dinge ansprechen. Es ist eine nettere Art des Zurechtrückens – so frei von Vorwürfen. Ohne die nötige Portion Humor wird das Leben jedoch schnell zu einer ziemlich unlustige Geschichte.

Bei Humor geht es darum, die Regeln auf den Kopf zu stellen, weshalb es im 16. Jahrhundert für eine so wichtige Aufgabe ein ganzes Berufsfeld gab: der Narr. Der war Polit- und Gesellschaftskritiker und hatte die Gabe, die Wahrheit lustig zu verpacken, und konnte so über Themen reden, über die niemand zu reden wagte.

Doch grundsätzlich gilt: Wer austeilt, muss auch einstecken können! Als ich meine neue Lustigkeit entdeckte, gab’s so ziemlich nichts und niemanden den ich nicht durch den Kakao ziehen konnte. Witze auf meine Kosten fand’ich anfangs allerdings nur so semi-amüsant. Erst mit dem Ende der Pubertät kam die Erkenntnis, dass ich vielleicht doch nicht der Mittelpunkt der Welt bin. Das war hart, aber irgendwie auch sehr befreiend, denn ich konnte nun damit aufhören mich selbst so wichtig zu nehmen. Mittelpunkt der Welt wäre ja auch eine sehr verantwortungsvolle und wichtige Rolle gewesen. So was ist ja auch kein Spass, sondern eine Verantwortung bei der einem Teenanger schon mal das Lachen vergehen kann! Nur egal wie sehr mir das Lachen im Leben auch vergangen ist, die Situation wurde davon leider nicht besser, weshalb ich lernte, in jeder noch so beschissenen Lage den komischen Aspekt zu finden. Ich kann das jedem nur empfehlen!

Und weil Selbstkritik und Selbstmitleid nicht nur auf die eigene Stimmung schlägt, sondern sich langfristig auch negativ auf die Umgebung auswirkt, möchte ich zum Schluss noch das dumme, lustige Glückshäschen für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen! Auf seiner außerordentlichen Leistungen in der Wut- und Aggressionsbewältigung baut die innenpolitische Stabilität dieses Landes maßgeblich auf, und dies anzuerkennen ist ein demokratisches Mindestmaß das ich hier einfordere!