Ry X über Musik, Liebe und Selbstfindung

Ry Cuming alias Ry X wächst im Natur- und Surferparadies um Byron Bay an der Ostküste Australiens auf. Sein Heimatort ist vielleicht eine Erklärung für seine Hippie-Attitüde und die Spiritualität, die er verkörpert. Mit seiner Präsenz hat mich der gebürtige Australier bereits bei seinen Konzerten beeindruckt und auch jetzt wirkt er geerdet und ganz bei sich.

Wer oder was beeinfluss dich bei der Produktion eines Albums?
Die Albumproduktion ist eine Mischung aus meinem Schaffen als Künstler und den Einflüssen, die ich im musikalischen Bereich finde. Das alles kombiniert mit persönlichen Erfahrungen aus meinem Privatleben: Liebe, Lust, Leidenschaft, Hoffnung, Trauer, Wunder…. Ich arbeite mit diesen Themen aus meinem Leben und verarbeite sie in meiner Musik.

Wie lange dauert die Arbeit an einem Album?
Wenn man eine qualitativ hochwertige Arbeit liefern möchte, dann braucht das immer Zeit und viel Energie –
und Liebe. Es gibt für mich da auch keine Abkürzungen. Es dauert eben so lange wie es dauert. Das ist immer unterschiedlich. An meinem letzten Album habe ich ein knappes Jahr fast Vollzeit gearbeitet und als die Basis stand hat es ein weiteres Jahr oder noch länger in Anspruch genommen, bis es für mich wirklich abgeschlossen war.

Ich habe gehört, dass es für dich wichtig ist mit der richtigen Stimmung ins Studio zu gehen. Was ist denn für dich die ‚richtige Studio-Stimmung‘?
Als RY X geht es mir um Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Meine Musik ist ungemein intim und man kann keine Intimität schaffen ohne eine Verbundenheit mit sich selbst. Die Verbindung mit dem eigenen Sein ist der erste Schritt für Ehrlichkeit und damit auch der erste Schritt für meine Arbeit im Studio.

Aber es gibt ja immer Tage, an denen man nicht in der „richtigen Stimmung“ ist. Wie bringst du dich dann in Stimmung oder stellst Verbindung zu dir her?
Der Ozean oder überhaupt Zeit in der Natur sind für mich eine große Hilfe um wieder zu mir zu finden. Gutes Essen oder gute Gespräche können mich ebenfalls in die richtige Stimmung bringen. Ich kümmere mich dann einfach gut um sich selbst. Manchmal hilft das aber alles nichts und dann braucht es Disziplin und Konsequenz um sich trotzdem aufzuraffen.

Du bist auch ein Yogi und wie ich hörte trotzdem Perfektionist. Wie bringst du das denn zusammen? Mein Yogalehrer sagt immer, ich solle „loslassen“ und aufhören nach Perfektion zu streben. Er sagt, ich muss nicht versuchen perfekt zu sein, weil ich es schon bin.

(Lacht) Sehr gut! Das ist tatsächlich alles nicht so einfach. Wir sind perfekt so wie wir sind, das ist die Wahrheit! Ganz und absolut. Wir sind aber auch in ständigem Wachstum. Ich suche immer Kreativität – in mir und in meiner Arbeit – aber auch in allem was mich umgibt. Ganz besonders dann, wenn ich Kunst schaffe.
Meine Entscheidungen sind am Ende ein Mix aus meiner Erfahrung in meiner Intuition. Sobald ich das Gefühl habe, dass etwas ‚fertig‘ ist, lasse ich es los…. dann will ich es mit anderen teilen. Danach fange ich aber sehr bald wieder damit an, etwas zu erschaffen.

Yoga, Liebe, Selbstfindung sind wichtige Themen für dich und deine Musik. Es gibt so viele Definitionen von Liebe, magst du mir deine verraten? 
Die Liebe ist in allem verwurzelt. Die Liebe ist eine tief persönliche Erfahrung für jeden von uns, aber von Natur aus universell. Liebe ist so viel: Mitgefühl, Freude, Staunen, Zufriedenheit, Selbstlosigkeit, Bedingungslosigkeit….  Zu lieben bedeutet für mich zu berühren, zu halten, aber auch lernen loszulassen und dabei zu wissen, dass die Liebe nicht stirbt. Sie ist immer da, nur in verschiedenen Formen. Für mich ist Liede das wofür ich atme.

Ich habe gelesen, dass du grade eine Afro-Jazz-Phase hast. Ist das noch relevant oder welche Musik magst du momentan?
Unbedingt! Ich liebe afrikanische Musik und Afro-Jazz und alles, was sich davon ableitet. Ich integriere immer Einflüsse davon in DJ-Sets und Vinyl-Spinnings bei Veranstaltungen oder Dinner von Freunden. Diese Rhythmen bewegen den Körper wie nichts anderes. Ich höre aber auch viele Minimal-Kompositionen, einige Ambient-Arbeiten und lange Musikstücke. Ich mag Musik aus der ganzen Welt, wie Ragas aus Indien und so.

Du bist viel herumgekommen und hast auch eine Zeit in Berlin gewohnt. Wo ist derzeit für dich dein Zuhause? 
In den Bergen Kaliforniens und trotzdem in der Nähe des Meeres. Da wo ich zum Meer laufen und das Salz auf meiner Haut lassen kann.

Wofür bist du dankbar?
Ich bin wirklich und ehrlich dankbar für die Bühnen auf denen ich weltweit stehen darf – Europa, USA, Kanada und Mexiko…. Ich freue mich wirklich auf jeden Abend an dem ich auftreten kann. Da bin ich ganz demütig. Aber auch für die ruhigen Zeiten am Meer bin ich sehr dankbar. Das Surfen. Mein Herz gehört dem Meeres…. Ich bin dankbar Musik erschaffen zu können und sie mit den Menschen zu teilen und dafür so viel Gutes zurück zu bekommen.

 

 

 

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