Before Betty there was Patti – Skateboarderinnen in den 70er Jahren

Ellen O'NeilLaut einer amerikanischen Studie waren im Jahr 2002 lediglich 26 Prozent der Skateboarder weiblich. Zu diesem Ergebnis kam man in den Staaten – über die Zahlen in Deutschland wollen wir besser gar nicht erst reden…

In meiner Jugend, Anfang der 90er, wurden Frauen mit Board eher belächelt. Ich selbst skatete nicht gut aber gerne. Vielleicht hätte ich nie damit angefangen, wenn meine Freunde nicht alle Skater gewesen wären. Mir wurde es irgendwann zu dumm einfach nur doof in der Ecke rumzusitzen und ihnen beim Fahren zuzugucken, ich wollte selbst Tricks ausprobieren.Ich borgte mir die Boards meiner Freunde, wenn sie pausierten und legte los – was in meinem Fall bedeutete, ich versuchte mich vorwärts zu bewegen ohne mich ernsthaft zu verletzen.

Als ich mir von meinen Eltern ein eigenes Skateboard wünschte, überraschten sie mich gleich am folgenden Tag mit einem neon-grünen Komplettboard aus des real-Supermarkt. Meine Freude darüber hielt sich in Grenzen. Wäre das Ding nicht eh schon hässlich wie die Nacht gewesen mit diesem geschmacklosen, neon-grünen  Neptun-Grip, hätte man mich spätestens wegen des neon-grünen Stoppers am Tail aufgezogen. Ein Skateboard mit Bremse. Geil. Nicht! Meine Freunde liebten mich wie eine Schwester, aber skatende Mädchen mit neon-grünen Decks und Bremse hätte unsere Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Ich verstaute das Geschenk meiner Eltern deshalb unter den Sonnenstuhl-Auflagen in der Garage, in der Hoffnung das es dort niemals jemand finden würde. Das Gegenteil von gut ist ja oft auch gut gemeint, und meine Eltern hatten es sicherlich nur gut gemeint.

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Oft nahmen mich ‚meine Jungs‘ mit auf den Parkplatz des Einkaufszentrums wo sie die neusten Tricks übten während ich mich mit den Basics beschäftigte. Irgendwann stand ich meinen ersten Olli, dass da ‚keine BILD-Zeitung‘ war mir egal. Ich fand’mich toll! „Jessicaaaaa, du musst die Tricks auch im fahren können. Sonst bringt das doch alles nicht!“ Gut, im Nachhinein muss ich zugeben das ich vielleicht nicht ganz so geil  war, wie ich mich damals selbst fand. Ich würd’mich nicht als talentfrei bezeichnen, aber die ungeschönte Kritik meiner homies trug nicht zu meinen Lernfortschritten bei: „Boa Jessie… nix gegen dich, aber wenn Mädchen Skateboard fahren dann sieht das irgendwie immer so… scheisse aus…“. Ja, damals war Skateboarding eher was für Jungs. Leichte Achsen und mädchenfreundliche Decks gab es ebenso wenig wie Skatewear für Frauen.Doch irgendwie überlebte ich diese Zeit in meinem viel zu großen Dosse-Posse Hodie und meiner Carhartt-Baggie Pans. Erst als aus den Jungs mehr als Freunde wurden und mir mein damaliger Freund gestand, dass ich schon schön, aber meine blutigen Knie weniger sexy waren, hatte ich die Schnauze voll und nagelte mein Board an die Wand.

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Doch seit einiger Zeit kehren die Ladys auf das Brett zurück. Ich beobachte das mit großer Freude, denn wer behauptet, dass Skateboarding nur was für Jungs is‘, hat einfach keinen Plan! In den frühen Jahren des Sports waren weibliche Skater weit verbreitet.

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Weshalb ich die Damen aus den 70ern wieder rauskrame? Damit wir sie nicht vergessen und junge Mädchen etwas weniger (Lady Gaga) und dafür etwas mehr wie Ellen O’Neill werden. Who run the world? Girls!

 

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