Sounds von der East Side Gallery

Erst errichtet man eine Mauer ohne die Einverständnis des Volkes, dann will man sie wieder abbauen – ohne die Einverständnis des Volkes. Berlin ist arm und anscheinend gibt es nichts, was man hier für Geld nicht kaufen kann. Die Gedenkstätte der Berliner Mauer bildet da offensichtlich keine Ausnahme. Wenn nur ein finanzstarker Investor kommt, klappt es offensichtlich auch mit der Baugenehmigung.

EastHeute haben über 500 Menschen an der East Side Gallery gegen die Bebauung demonstriert und ich war eine von ihnen. Die Erklärung einer Polizisten, dass die Stücke ‚ja erhalten bleiben und eben nur woanders wieder aufgebaut werden‘, tröstet mich nur bedingt. In meinen Augen ist dieses ‚Stück‘ ein wertvolles Relikt unserer Geschichte und sollte nicht verändert werden. Ich laufe auch nicht in den Louvre hänge die Mona-Lisa um, weil sie woanders das Feng-Shui des Raums positiver beeinflusst, und verpasse ihr zum Abschied noch ein Charlie Chaplin-Bärtchen (muss sich ja keiner drüber aufregen. Unter dem Edding-Streifen ist doch alles noch genau so, wie zuvor).East

Ich vermute, man schafft mit dieser Baugenehmigung einen so ungünstigen Präzedenzfall, dass da unter Umständen bald gar keine Stücke mehr stehen. Jetzt reden wir vielleicht noch von einem Teil, doch dann kommt der nächste Bauherr und wenn sein Vorgänger die Mauer verschieben durfte, warum sollte für ihn ein anderes Recht gelten?

Das Spreeufer zu bebauen ist schon scheiße genug, und meiner Meinung auch sehr unklug. Grundstücke werden einmalig verkauft, doch der Tourismus stärkt die Einnahmen der Stadt langfristig und nachhaltig. Und wohin laufen die Touris, wenn sie mit dem Brandenburger Tor und dem Alex fertig sind? Richtig: An die East Side Gallery. Die hat aber bald nur noch wenig Schönes! Sollte man sich bei der Planung daher nicht bemühen,wenigstens die Mauer unverändert zu lassen?

Mieter dieser Immobilie, dürften in dieser Stadt so willkommen sein, wie der aktuelle Bürgermeister. Nach dem BER-Fauxpas wollte der vielleicht ganz sicher gehen, dass er wirklich nicht wieder gewählt wird.

Zoltan Dominic Grasshoff hat gefilmt, wie ein nachgebildetes Stück der Berliner Mauer gebracht wurde, um das bereits entfernte Originalstück zu ersetzen:

Der Versuch den vorhandenen Schaden in der Gedenkstätte zu beheben, kam bei der Polizei leider nicht gut an.

Meinungen zum Baustopp:

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