Meine Gedanken sind bei den Verletzten, ihren Angehörigen und allen, die den Angriff miterleben mussten.
Queeres Leben muss sichtbar, frei und sicher sein. Den Betroffenen wünsche ich Kraft und Solidarität. Ihr seid nicht allein.
Nach dem Angriff auf den Berliner CSD bleibt zunächst vor allem eines: Fassungslosigkeit.
Menschen wollten gemeinsam feiern, demonstrieren, sichtbar sein – und plötzlich wurde aus einem Ort der Freiheit ein Ort der Angst. Das ist schwer zu greifen und es wird viele noch lange beschäftigen.
Dennoch sollte diese Tat nicht bestimmen, was vom CSD übrig bleibt.
Denn der Christopher Street Day steht nicht für Angst. Er steht für das Gegenteil: dafür: sich nicht zu verstecken. Die Parade ist ein Synonym dafür, laut, bunt und unbequem zu sein. Dafür, das eigene Leben nicht kleiner zu machen, nur weil andere Menschen mit Freiheit und Vielfalt nicht klarkommen.
Der CSD ist aus Widerstand entstanden. Er war nie nur eine Parade mit Musik, Glitzer und beeindruckenden Outfits. All das gehört dazu – und das macht ihn so wundervoll. Aber darunter liegt schon immer etwas viel Ernsteres: das Recht, frei und gleichberechtigt zu leben.
Und genau daran sollten wir uns jetzt erinnern.
Für queere Menschen trifft ein solcher Angriff besonders tief. Ein Ort, an dem Sichtbarkeit, Schutz und Gemeinschaft erlebt werden sollen, wird plötzlich verletzlich. Das macht Angst und kann dazu führen, dass Menschen sich fragen, ob sie beim nächsten Mal noch hingehen, ob sie noch offen zeigen wollen, wen sie lieben oder wer sie sind.
Aber der CSD ist mehr als ein einzelner Tag und mehr als eine einzelne Veranstaltung. Er ist eine Haltung.
Eine Haltung, die sagt: Wir lassen uns nicht zurück in die Unsichtbarkeit drängen.
Und diese Haltung betrifft nicht nur die queere Community. Der CSD wird aus ihr heraus getragen, aber er ist ein Fest für alle Menschen, die an Freiheit, Gleichheit und ein selbstbestimmtes Leben glauben. Für alle, die finden, dass niemand Angst haben sollte, nur weil er anders liebt, anders lebt oder nicht in enge gesellschaftliche Vorstellungen passt.
Vielleicht ist genau das jetzt die wichtigste Antwort: zusammenstehen, ohne die Tat für neue Feindbilder zu benutzen. Den Ermittlungsbehörden die Aufklärung überlassen. Ein mögliches Motiv klar benennen, sobald es gesichert ist – aber nicht ganze Gruppen unter Verdacht stellen. Und dabei nicht vergessen, wofür der CSD steht: Für Solidarität, Sichtbarkeit, Lebensfreude – ein Pendant zum kleingeistigen heteronormativen Weltbild.
Ein Angriff kann eine Veranstaltung beenden, aber er kann nicht das beenden, wofür der CSD steht: Das Recht, den eigenen Lebensentwurf selbst wählen und leben zu dürfen – frei, sichtbar und ohne ihn rechtfertigen zu müssen.

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