Undiscovered Genius and Part-time Cultural Terrorist. True to the Game.
All my morals and values primarily come from Al Pacino movies. I’ve just enough beauty to make people wonder why I’m single and just enough of a mouth to make it easy for them to figure it out on their own.
Stell dir einen Club wie eine WG vor: Die Miete steigt schneller als neue Mitbewohnerinnen kommen, die Nachbarn beschweren sich über Lärm, und junge Menschen (Gen Z) ziehen erst gar nicht ein. Der Vermieter erhöht derweil mit schöner Regelmäßigkeit die Miete der ohnehin prekären Kurzzeitverträge. Ergebnis: Die WG weiß nicht, ob oder in welcher Zusammensetzung sie in zwei Jahren noch besteht und kann deshalb auch nicht wirklich zukunftsfähig planen.
Clubkultur – eine Branche im Dauer-Prekariat, die trotzdem jedes Wochenende weitermacht wie bisher.
Die gute Nachricht: Die Leute haben nicht aufgehört zu feiern. Sie feiern womöglich nur anders – seltener, selektiver und mit höheren Erwartungen an das einzelnen Erlebnis. Vielleicht geben sie insgesamt nicht weniger Geld für Freizeit aus, sondern konzentrieren es stärker auf besondere Momente. Die zentrale Aufgabe lautet deshalb nicht: Wie bekommen wir wieder mehr vom Gleichen? Sondern: Wie schaffen wir neue Zugänge zu einem Ritual, das sich verändert hat? Scheinbar investieren Besuchende nur noch in ein Erlebnis, bei dem dann alles stimmen muss – Line-up, Location, Outfit, Experience und idealerweise auch das Wetter. Ob das wirklich die ganze Wahrheit ist, weiß ich nicht. Belastbare Zahlen fehlen dafür. Sicher ist aber: Viele Clubs kämpfen gleichzeitig mit steigenden Kosten bei sinkenden Einnahmen, unsicheren Mietverhältnissen und rückläufigen oder schwerer kalkulierbaren Besucherzahlen. Wer nicht weiß, ob er in zwei Jahren noch am selben Ort existiert, investiert vorsichtiger. Wer vorsichtiger investiert, kann weniger ausprobieren. Und wer weniger ausprobiert, kann bestehende Herausforderungen nicht lösen.
Einige Berliner Clubs beginnen bereits, darauf sehr unterschiedliche Antworten zu geben.
Die ELSE kommt mit einem Saisonpass um die Ecke. Der Kater bietet unter dem Motto „next gen“ vergünstigte 15-Euro-Tickets für Menschen zwischen 18 und 24 Jahren an und formuliert damit ziemlich klar: Die junge Generation soll nicht nur irgendwann die Zukunft der Clubkultur sein, sondern schon heute an ihr teilnehmen können. Das Sisyphos dreht mit „generationS“ die Blickrichtung um: Statt nur zu fragen, wie man die Jüngeren zurück auf die Tanzfläche bekommt, dürfen plötzlich auch die Eltern mit in die Hammerhalle. Die Kinderdisco im ://about blank hat längst Tradition. Und das Cassiopeia öffnet seine Räume tagsüber für „Rising Spaces“, eine immersive Ausstellung aus Licht, Sound und Installationen. Damit wird der Club am Tag zum Kunstraum, während die Arbeiten am Wochenende Teil des Nachtbetriebs bleiben.
Meine erste Reaktion darauf lautet: Big yes zu allem. Meine zweite Überlegung ist komplizierter.
Denn „Big yes zu allem“ ist eine Meinung und keine Strategie. Nicht jedes neue Format passt automatisch zu jedem Club. Wenn Kinderdisco, Generationenparty, Sozialticket, Kunstausstellung, Firmenveranstaltung und Sponsoring gleichzeitig dasselbe Haus retten sollen, braucht es einen.
Gerade Häuser wie das Sisyphos oder der Kater funktionieren nicht nur wegen ihres Programms. Sie funktionieren, weil sie eine eigene Welt erschaffen. Diese Welt lässt sich erweitern, aber nicht unbegrenzt mit neuen Zielgruppen, Marken und Erlösmodellen vollstellen, ohne ihren Charakter zu verändern.
Diese Lösungsansätze sollte man allerdings sauber einordnen.
Es gibt ein Nachfrageproblem: weniger Besuchende, veränderte Ausgehgewohnheiten, höhere Preissensibilität und andere Erwartungen an eine Clubnacht. Darauf können Clubs mit neuen Ticketmodellen, generationenübergreifenden Formaten, Tagesnutzungen und einer gezielteren Ansprache reagieren.
Und es gibt aber auch ein Angebotsproblem: steigende Mieten, unsichere Verträge, fehlender Kündigungsschutz und kaum Planungssicherheit. Dieses Problem lässt sich nicht mit einem Saisonpass, einem Sozialticket oder einer Kunstausstellung lösen. Dafür braucht es Standortsicherung, politische Entscheidungen und eine Immobilienstrategie, die Clubs nicht wie beliebig austauschbare Gewerbemieter behandelt.
Die neuen Ticket- und Formatideen sind deshalb vor allem Umsatz- und Publikumsstrategien. Sie können Clubs helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und bestehende Flächen besser auszulasten. Eine Antwort auf die Miet- und Verdrängungskrise sind sie nicht.
Auch die häufig erzählte Geld-These greift mir ebenfalls zu kurz. Natürlich sind hohe Eintrittspreise, Getränke, Fahrtkosten und allgemein gestiegene Lebenshaltungskosten für junge Menschen ein reales Hindernis. Das „next gen“-Ticket setzt deshalb an einem nachvollziehbaren Pain Point an.
Aber Geld ist eine Erklärung – nicht automatisch die Erklärung.
Mindestens drei weitere Hypothesen sind ebenso plausibel: Junge Menschen konsumieren teilweise anders oder bewusster; nüchternes Feiern und veränderte Einstellungen zu Alkohol und anderen Substanzen könnten klassische Clubnächte weniger attraktiv erscheinen lassen. Social Media und Dating-Apps übernehmen außerdem Funktionen, die früher stärker beim Ausgehen lagen: Menschen kennenlernen, gesehen werden, Zugehörigkeit herstellen. Und möglicherweise handelt es sich gar nicht primär um ein Nachfrageproblem, sondern um ein Angebotsproblem. Clubs werden durch Stadtentwicklung, Mietsteigerungen, kurze Verträge und Lärmkonflikte verdrängt oder wirtschaftlich so stark unter Druck gesetzt, dass sie kaum noch langfristig experimentieren können.
Dann wäre die entscheidende Frage nicht: Warum kommt die Jugend nicht mehr?
Sondern: Welche Räume und Angebote haben wir ihr überhaupt übrig gelassen?
Vergünstigte Tickets, Saisonpässe und neue Tagesnutzungen können Zugänge schaffen und wirtschaftlichen Druck abfedern. Sie ersetzen aber keine langfristigen Mietverträge, keinen wirksamen Lärmschutz und keine Stadtentwicklung, die Kulturorte als Infrastruktur behandelt. Ticketinnovationen können Symptome lindern. Die strukturellen Ursachen lösen sie nicht.
Besonders heikel wird es beim Thema Corporate Events und Sponsoring. Natürlich liegt darin Geld. Und natürlich können zusätzliche Einnahmen kulturelle Programme querfinanzieren. Aber Subkultur lebt auch von Distanz, Eigenständigkeit und einem tief sitzenden Misstrauen gegenüber kommerzieller Vereinnahmung. Ein schlecht gemachtes Sponsoring – Logo auf dem Dancefloor, Markenaktivierung neben der Nebelmaschine, Produktprobe vor dem Darkroom – kommt peinlich und finanziert im schlimmsten Fall den Downfall.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Clubs sich verändern dürfen. Sie müssen es, denn nichts ist so stetig wie der Wandel. Die alten Zeiten werden nicht zurückkommen. Je eher die Clubkultur aufhört in erinnerungen zu schwelgen, desto eher kann sie sich auf ihre Möglichkeiten konzentrieren.
Nicht jedes Experiment wird funktionieren. Manche Ideen werden Zielgruppen erreichen, andere vor allem Pressemitteilungen produzieren. Trotzdem ist Ausprobieren gerade wahrscheinlich die vernünftigere Strategie als Nostalgie.
Deshalb: Big yes zu Saisonpässen, Generationentickets, Kinderdiscos, Kunstausstellungen und Eltern in der Hammerhalle. Aber bitte nicht wahllos.
Ein Kochbuch für alle, die ihren Club zukunftsfähig aufstellen wollen, habe ich auf meinem Petreon veröffentlich. Für meine Patreon-Mitglieder gibt es das Playbook kostenlos. Noch kein Mitglied? Ihr könnt das Playbook auch einzeln erwerben – hier. geht’s zum Kauf.
Nach ein paar Jahren Funkstille hier: Es gibt Neuigkeiten. Und zwar in Buchform.
Don’t Be That Person ist mein erstes Buch — ein kleines Feierworkbook über Clubkultur, Awareness und respektvollen Kontrollverlust. Acht Kapitel, ein Selbsttest mit garantiert unbequemer Auswertung, und ein wiederkehrendes „Nach der Nacht“-Journal für alle, die nach dem Feiern kurz ehrlich mit sich sein wollen.
Erscheint in Kürze. Alles Weitere gibt’s auf der Veröffentlichungen-Seite — und wer mich regelmäßig lesen will, findet mich auf Patreon.
Ry Cuming alias Ry X wächst im Natur- und Surferparadies um Byron Bay an der Ostküste Australiens auf. Sein Heimatort ist vielleicht eine Erklärung für seine Hippie-Attitüde und die Spiritualität, die er verkörpert. Mit seiner Präsenz hat mich der gebürtige Australier bereits bei seinen Konzerten beeindruckt und auch jetzt wirkt er geerdet und ganz bei sich.
Wer oder was beeinfluss dich bei der Produktion eines Albums?
Die Albumproduktion ist eine Mischung aus meinem Schaffen als Künstler und den Einflüssen, die ich im musikalischen Bereich finde. Das alles kombiniert mit persönlichen Erfahrungen aus meinem Privatleben: Liebe, Lust, Leidenschaft, Hoffnung, Trauer, Wunder…. Ich arbeite mit diesen Themen aus meinem Leben und verarbeite sie in meiner Musik.
Wie lange dauert die Arbeit an einem Album?
Wenn man eine qualitativ hochwertige Arbeit liefern möchte, dann braucht das immer Zeit und viel Energie –
und Liebe. Es gibt für mich da auch keine Abkürzungen. Es dauert eben so lange wie es dauert. Das ist immer unterschiedlich. An meinem letzten Album habe ich ein knappes Jahr fast Vollzeit gearbeitet und als die Basis stand hat es ein weiteres Jahr oder noch länger in Anspruch genommen, bis es für mich wirklich abgeschlossen war.
Ich habe gehört, dass es für dich wichtig ist mit der richtigen Stimmung ins Studio zu gehen. Was ist denn für dich die ‚richtige Studio-Stimmung‘?
Als RY X geht es mir um Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Meine Musik ist ungemein intim und man kann keine Intimität schaffen ohne eine Verbundenheit mit sich selbst. Die Verbindung mit dem eigenen Sein ist der erste Schritt für Ehrlichkeit und damit auch der erste Schritt für meine Arbeit im Studio.
Aber es gibt ja immer Tage, an denen man nicht in der „richtigen Stimmung“ ist. Wie bringst du dich dann in Stimmung oder stellst Verbindung zu dir her?
Der Ozean oder überhaupt Zeit in der Natur sind für mich eine große Hilfe um wieder zu mir zu finden. Gutes Essen oder gute Gespräche können mich ebenfalls in die richtige Stimmung bringen. Ich kümmere mich dann einfach gut um sich selbst. Manchmal hilft das aber alles nichts und dann braucht es Disziplin und Konsequenz um sich trotzdem aufzuraffen.
Du bist auch ein Yogi und wie ich hörte trotzdem Perfektionist. Wie bringst du das denn zusammen? Mein Yogalehrer sagt immer, ich solle „loslassen“ und aufhören nach Perfektion zu streben. Er sagt, ich muss nicht versuchen perfekt zu sein, weil ich es schon bin.
(Lacht) Sehr gut! Das ist tatsächlich alles nicht so einfach. Wir sind perfekt so wie wir sind, das ist die Wahrheit! Ganz und absolut. Wir sind aber auch in ständigem Wachstum. Ich suche immer Kreativität – in mir und in meiner Arbeit – aber auch in allem was mich umgibt. Ganz besonders dann, wenn ich Kunst schaffe.
Meine Entscheidungen sind am Ende ein Mix aus meiner Erfahrung in meiner Intuition. Sobald ich das Gefühl habe, dass etwas ‚fertig‘ ist, lasse ich es los…. dann will ich es mit anderen teilen. Danach fange ich aber sehr bald wieder damit an, etwas zu erschaffen.
Yoga, Liebe, Selbstfindung sind wichtige Themen für dich und deine Musik. Es gibt so vieleDefinitionen von Liebe, magst du mir deine verraten?
Die Liebe ist in allem verwurzelt. Die Liebe ist eine tief persönliche Erfahrung für jeden von uns, aber von Natur aus universell. Liebe ist so viel: Mitgefühl, Freude, Staunen, Zufriedenheit, Selbstlosigkeit, Bedingungslosigkeit…. Zu lieben bedeutet für mich zu berühren, zu halten, aber auch lernen loszulassen und dabei zu wissen, dass die Liebe nicht stirbt. Sie ist immer da, nur in verschiedenen Formen. Für mich ist Liede das wofür ich atme.
Ich habe gelesen, dass du grade eine Afro-Jazz-Phase hast. Ist das noch relevant oder welche Musik magst du momentan?
Unbedingt! Ich liebe afrikanische Musik und Afro-Jazz und alles, was sich davon ableitet. Ich integriere immer Einflüsse davon in DJ-Sets und Vinyl-Spinnings bei Veranstaltungen oder Dinner von Freunden. Diese Rhythmen bewegen den Körper wie nichts anderes. Ich höre aber auch viele Minimal-Kompositionen, einige Ambient-Arbeiten und lange Musikstücke. Ich mag Musik aus der ganzen Welt, wie Ragas aus Indien und so.
Du bist viel herumgekommen und hast auch eine Zeit in Berlin gewohnt. Wo ist derzeit für dich dein Zuhause?
In den Bergen Kaliforniens und trotzdem in der Nähe des Meeres. Da wo ich zum Meer laufen und das Salz auf meiner Haut lassen kann.
Wofür bist du dankbar?
Ich bin wirklich und ehrlich dankbar für die Bühnen auf denen ich weltweit stehen darf – Europa, USA, Kanada und Mexiko…. Ich freue mich wirklich auf jeden Abend an dem ich auftreten kann. Da bin ich ganz demütig. Aber auch für die ruhigen Zeiten am Meer bin ich sehr dankbar. Das Surfen. Mein Herz gehört dem Meeres…. Ich bin dankbar Musik erschaffen zu können und sie mit den Menschen zu teilen und dafür so viel Gutes zurück zu bekommen.
„Es heißt ja, wir lebten neuerdings in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen ihren Gefühlen.“ Kanzlerin Angela Merkel war eine der ersten, die das Wort benutzte. Das war im September 2016. Zu diesem Zeitpunkt wusste kaum jemand, was dieses Wort bedeutet. Wenig später wurde es von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2016 gekürt.
Postfaktischnennt man einen gesellschaftlichen Zustand, in dem die Fakten keine Rolle mehr spielen – nicht nur bei politischen Auseinandersetzungen. Scheinbar beharren zunehmend mehr Menschen darauf, dass ihre gefühlte Wahrheit der Realität mehr entspricht als bereits bestätigte Fakten. Tatsächlich ist dieses menschliche Verhalten jedoch kein neues Phänomen, sondern ein steinzeitlicher Instinkt. Kognitionsforscher haben herausgefunden, dass Daten, Zahlen und Fakten nur sehr beschränkt in der Lage sind eine bereits bestehende Meinung zu verändern. Nicht, weil wir als Menschen besonders dumm oder stur wären, sondern weil unser Gehirn nicht in der Lage ist, Informationen wirklich objektiv auszuwerten. Wir setzten neue Informationen automatisch in den Kontext dessen, was wir glauben zu wissen. Zudem lassen wir unterbewusst unsere Ängste, Hoffnungen und Wünsche in unsere Bewertung mit einfließen. Dies ist der Grund, weshalb selbst wissenschaftliche Beweise an unseren Überzeugungen nicht rütteln, wenn sie sich ‚falsch anfühlen‘.
Aus evolutionsbiologischen Gründen tendieren wir in der Regel dazu, alle Fakten bereitwillig zu akzeptieren, solange sie unserem Weltbild entsprechen. Widersprüchliche Meinungen bewerten wir dagegen kritisch. Versucht jemand, unsere Meinung mit Argumenten zu ändern, fühlen wir uns sofort angegriffen und gehen in Verteidigung. Wir liefern Gegenargumente, die den anderen Standpunkt entkräftet und suchen gleichzeitig nach Bestätigung um unsere eigene Ansicht aufrechtzuerhalten oder zu bestärken. Paradoxerweise findet unser Verstand immer Argumente, um unsere Ansichten zu bestätigen. Selbst das Internet ist keine Hilfe, denn google hat für jede Meinung Treffer parat, die uns bestätigen und in unserer ‚Bubble‘ sind wir umgeben von Leuten mit denen wir ein Weltbild teilen. Nach Daten zu suchen und diese auf eine Weise zu interpretieren die die eigene Meinung stärken, wird in der Psychologie ‚Bestätigungsfehler‘ genannt. Intelligente Menschen, ohne Bewusstsein für dieses Art der Befangenheit, neigen sogar vermehrt zu Bestätigungsfehlern. Je höher die kognitiven Fähigkeiten, desto ausgeprägter ist auch die Fähigkeit, Informationen nach belieben zu interpretieren und so auszulegen oder zu drehen, wie man es eben braucht.
Was können wir aus diesen Erkenntnissen lernen?
Glaubenssätze, Überzeugungen und Meinung, die an Emotionen gekoppelt ist, sind nicht verhandelbar. Zu versuchen, diese mit Hilfe von Zahlen, Daten und Fakten zu ändern macht deshalb keinen Sinn.
Das bedeute aber nicht, dass sich bei Meinungsverschiedenheiten keine Einigung finden lässt. Aktives Zuhören und Nachfragen wie: „Habe ich dich richtig verstanden, du findest dass…“, helfen den Standpunkt des Gegenüber zu verstehen und zu erkennen, worum es inhaltlich geht. Denn Standpunkt des Kommunikationspartner zu kennen ist für eine Einigung wichtig, denn im Gegensatz zu Überzeugungen und Glaubenssätzen sind Standpunkte verhandelbar.
Unsere Glaubenssätze und Überzeugungen bilden unsere Meinung, wenn wir diese nicht einfach von unseren Mitmenschen übernommen haben. Unsere Meinung führt uns zu einem Standpunkt. Veranschaulichung wir den Unterschied zwischen Standpunkt und Meinung an einem Beispiel aus der Politik: Die AfD ist eine Partei, die bewusst die Überzeugungen und Glaubenssätze ihrer Mitglieder bestätigt. Durch diese Form des emotionalen Abholens entsteht eine Wähler-Bindung, welche die Machtposition der AfD stärkt. Versucht man einen potentiellen AfD-Wähler mit Zahlen und Fakten zu bekehren, wird man statt Umdenken sehr wahrscheinlich reaktanzes Verhalten auslösen. Als Reaktanz bezeichnet man den Widerstand, den ein Menschen äußert, wenn man seinen freien Willen einschränkt – eine Form von Trotz. Die bedrohte und eingeschränkte Meinungsfreiheit wird dadurch wiederhergestellt, dass genau das getan wird, was nicht getan werden soll – nämlich AfD wählen. Getreu nach dem Motto: Jetzt erst recht! Dabei ist die AfD gar nicht das eigentliche Problem – sie ist nur der aktuelle Standpunkt der Person und somit verhandelbar. Überzeugungen und Glaubenssätze haben einen zu dem „Standpunkt AfD“ gebracht. Würde man aber durch aktives Zuhören und Fragen herausfinden, worum es der Person inhaltlich geht, könnte man eventuell alternative Standpunkte anbieten. Findet man zum Beispiel in einem Gespräch heraus, dass es der Person um die Angst vor Armut im Alter geht, hätte man vielleicht eine Gemeinsamkeit gefunden und könnte ich andere Parteien mit besseren Konzepten zu diesem Thema anbieten. Oder findet man in einem Gespräch heraus, dass diese Wahl eigentlich nur eine Trotzreaktion gegen ‚die da oben‘ ist, könnte man sie vielleicht dafür begeistern ‚gegen die da oben‘ unter Sonneborn zu pöbeln. Der Standpunkt lässt sich also wechseln ohne Glaubenssätze, Überzeugungen und Meinungen aufgeben zu müssen – der Standpunkt bietet Raum für Veränderung.
Doch auch fernab des politischen Kontext ist es ratsam, sich auf der Suche nach Einigung oder Kompromissen auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren statt Energien in die Ausarbeitung der Unterschiede zu verschwenden, denn letzteres würde nur weiter entzweien. Fakt ist doch: Am Ende des Tages fühlt sich Harmonie besser an als Streit. Darin dürften wir uns einig sein.
Quellen:
Amy Hollyfield „For true disbelievers, the facts are not enough“
Diana I.Tamir/Jason P.Mitchell „Disclosing Information About the Self is Intrinsically Rewarding“
„Warum tust du immer diese merkwürdigen Dinge?“, fragte meine Mutter verständnislos als ich ihr von der geplanten Teilnahme an einem 10 Tage Vipassanā-Meditationskurs erzählte. Sie klang beunruhigt und ich vermutete, dass in ihren Vorstellungen das beitreten einer Sekte Grundvorraussetzung für einen Meditationskurs war. Vermutlich malte sie sich grade aus, wie ich wilde Sexorgien mit einem Guru feierte, bevor wir uns fröhlich in den Freitod stürzten. Ja, wieso tue ich eigentlich diese merkwürdigen Dinge, wenn nicht wegen der Sexorgien? Was bewegt mich dazu, für zehn Tage eine Schweigegelöbnis abzulegen, um 4 Uhr aufzustehen und täglich elf Stunden zu meditieren?
Meditation ist für mich ein wichtiges Werkzeug, das ich für ein gutes Selbstmanagement brauche. Dank Meditation bin ich der Herr meines inneren Dialogs und nicht das Opfer meiner Gedanken. Tatsächlich denke ich nämlich sehr viel. Da ist nicht nur eine Stimme in meinem Kopf, die es zu kontrollieren gilt. Ich führe ganze Podiumsdiskussionen mit mir selbst – und im Hintergrund spielt dazu noch Musik. Ein Kopf, der so laut ist, macht es nicht einfach Körper, Geist und Seele in Einklang zu halten. Deshalb habe ich mir angewöhnt, in regelmäßigen Abständen für Ruhe zu sorgen. Erst durch diese Ruhe habe ich den inneren Frieden und die Ausgeglichenheit, die ich für ein gesundes Selbstbewusstsein brauche. Ein Selbstbewusstsein, welches unabhängig von der Meinung anderer oder der Bestätigung durch außen ist. Die meisten Leute verwechseln Ego und Selbstbewusstsein. Doch das ist ein Denkfehler mit schweren Folgen: Das Ego braucht ständig die Bestätigung von außen und dadurch wird man leicht zu manipulieren – und außerdem sehr unzufrieden, wenn man die gewünschte Bestätigung nicht bekommt. Doch das Selbstbewusstsein ist unabhängig von andren. Unsere Mitmenschen können uns für den großartigsten Menschen halten und uns das auch immer wieder bestätigen, doch das alles ist nichts wert, wenn wir nicht selbst auch so über uns denken. Wer selbst nicht an sich glaubt, der braucht die Bestätigung von Menschen, die an ihn glauben. Ich selbst habe das lange nicht verstanden. Umso wichtiger ist mir heute ein unabhängiges Selbstbewusstsein, welches mir ermöglicht mich und meine Standpunkte immer gut zu vertreten. Doch um seinen Standpunkt gut zu vertreten, muss man ihn kennen und das setzt voraus, sich selbst gut zu kennen. Es gibt nicht viele Möglichkeiten sich selbst gut kennenzulernen, doch Meditation ist eine davon und darum hatte ich mich entschlossen, meine Meditationspraxis in einem 10-Tage Vipassanā-Meditationskurs zu vertiefen.
Vipassanā ist ein Wort aus der mittelindischen Sprache Pali. Es bedeutet so viel wie „die Dinge sehen, wie sie wirklich sind‘. Die Techniken gehört zu den ältesten Meditationsformen Indiens und soll es dem Praktizieren ermöglichen, die Realität so anzunehmen, wie sie ist – ohne das Verlangen, sie so verändern zu wollen, wie man selbst sie haben will. Bisher habe ich mich mit der Realität eher abgefunden. Sie nicht ändern zu wollen resultierte eher aus Resignation als aus Gleichmut, denn ich fand die Realität oft scheisse, wie sie war. Doch ich wollte unbedingt lernen, die Realität zu akzeptieren. Um diesen Wunsch nachzuvollziehen muss man vielleicht wissen, dass ich an mich den Anspruch habe ein Mensch zu sein, der gibt ohne dabei etwas zurück zu erwarten und der immer freundlich bleibt, auch wenn mein Gegenüber eigentlich einen Schlag ins Gesicht verdient hätte. Ich möchte so ein Mensch nicht aus Selbstlosigkeit sein. Ich möchte so ein Mensch sein wegen dem Nutzen für mich! Während Kendrick Lamar droht: „Bitch don’t kill my vibe!“, wollte ich ein Mensch sein, dessen Vibe keine bitch zu killen vermochte. Dieser Wunsch brachte mich nun in die Meditationshalle, in der ich nun mit ca. 150 anderen Teilnehmern die Regeln für die kommenden Tage vorgelesen bekam: Keine Rauschmittel, keinen Sex (was auch schwierig geworden wäre, da Männer und Frauen getrennt untergebracht wurden), nicht stehlen, nicht lügen (wie auch, wenn man nicht reden darf) und nicht töten (stellte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch einfach vor, würde aber in der kommenden Tagen noch Mordgelüste und den Wunsch nach Körperverletzung anderer entwickeln). Wir waren aufgefordert eiserne Disziplin und Unterwürfigkeit zu versprechen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich für beides nicht grade bekannt bin. Am Ende des Vortrags wurde wir daran erinnert, dass wir uns verpflichteten, den Kurs durchzuziehen. Ein Abbruch wurde nicht geduldet. Der Redner erzählte von den hohen Mauern des Zentrums in Indien, weil immer wieder Leute versuchten zu fliehen. Man machte deutlich, dass man uns auch hier nicht das Einverständnis geben würde, einfach so wieder zu gehen. Ich nahm diese Androhung von Freiheitsentzug allerdings mit Humor. Wenn ich gehen wollte, dann würde ich ganz sicher nicht um Erlaubnis fragen. Ich hatte eine lange Liste von Veranstaltungen, VIP & Backstage Areas und Clubs vorzuweisen, bei denen ich rausgeschmissen wurde. Ich war ein absoluter Vollprofi wenn es darum ging eines Geländes verwiesen zu werden. Ich nahm die Drohung also gelassen, denn wenn ich gehen wollte, dann wäre die Leitung eines Meditationszentrums ganz sicher das kleinste Hindernis für mich. Doch, wie die illegalen Besetzer eines Hauses, war ich ja gekommen um zu bleiben.
Tag 1
Um 4 Uhr morgens erklang der Gong und ich war angenehm überrascht von mir, denn ich stand tatsächlich auf. Ich duschte, putzte die Zähne und begab mich in die Meditationshalle. Als Morgenmuffel ist vor 8 Uhr jedoch wirklich nichts mit mir anfangen und selbst vor 10 Uhr sollte man von mir nicht zuviel erwarten. In der Regel bleibe ich bis Mittag wortkarg und ungesellig. Keinen Kaffee trinken zu können, macht das alles nicht unbedingt besser. Es verwunderte mich daher nicht, dass ich bereits kurz vor Meditationsbeginn einnickte. Ich überlegte, ob man wohl bereits am ersten Tag Disziplin von mir erwartete? Doch mein Verstand und ich waren uns schnell einig, dass das pünktliche Aufstehen genug Disziplin für heute war. Ich saß hier und das ohne Kaffee! Wie viel disziplinierter soll’s werden?! Ich beschloss deshalb mich auch nicht gegen den Drang einzuschlafen zu währen und döste fast die ersten zwei Stunden durch. Trotzdem wertete ich den Einstieg als vollen Erfolg: Ich stand um 4 Uhr auf! Ich fand mich super!
Tag 2
Ich gebe zu, dass ich mich anfangs wenig auf mich selbst konzentrierte. Wie auch? Ich war ja sehr damit beschäftig, die anderen Teilnehmer zu mustern. Meditierende werden gerne in die Schublade der Esoteriker gesteckt. Ich selbst stecke sie auch in diese Schublade, weshalb ich mit meiner regelmäßigen Meditationspraxis nicht unbedingt hausieren gehe. Fairer Weise muss ich allerdings sagen, dass ich vom Mix der anwesenden Leute positiv überrascht war. Jede Altersgruppe schien vertreten und keiner der Anwesenden machte auf mich den Eindruck eines weltenverschwörerischen Aluhut-Trägers oder militanten Spiritualisten, die meinen die Welt durchschaut zu haben und deshalb versuchen, ihren Mitmenschen ihre kleingeistigen Ansichten aufzuzwängen. Doch auch wenn man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen soll, erschien mir das auf den ersten Blick alles ’normale‘ Leute. Optisch war die Gruppe eine witzige Mischung aus ‚backpacking Asien‘ und Sportleistungskurs. Aber was soll man bei einem Kurs wie diesem auch bequemes tragen, wenn nicht die Harems- oder Jogginghose?! Diejenigen unter uns, die nicht bereits die Südostasien Route des Lonely Planets gereist sind, werfen den ersten Stein. doch ich hatte selbst kurz in Erwägung gezogen, mein ‚Tubing in Vang Vieng“-Shirt einzupacken.
Tag 3
‚Normal‘ mochten alle Teilnehmer sein, doch ich fand auf keinen Fall alle sympathisch! Durch das Redeverbot bleibt man ja auch in den Pausen sein einziger Gesprächspartner und hat gar nicht die Möglichkeit, die anderen kennenzulernen. Ich bemerkte bereits am dritten Tag, wie sich die Tonalität der Stimme in meinem Kopf änderte. Sie wechselte von genervt zu ironisch und über sarkastisch zu bissigem Zynismus. Mit ihr änderte sich auch die Art und Weise, wie ich von den Anderen dachte. Ich kenne diese Seite an mir. Ich kenne sie sogar sehr gut. Bis Ende 20 konnte man von mir nicht viel mehr als einen dummen Spruch erwarten – da war es auch egal mit wem oder worüber ich sprach. Ich gab mich lieber boshaft als verletzlich. Allerdings glaubte ich diese Art, die ich vor allem als Schutz kultiviert hatte, weitestgehend abgelegt zu haben. Nun kam sie aber wieder zum Vorschein und zwar in ihrer vollen Blüte. Meine innere Stimme kommentierter alles und jeden mit einer schonungslosen Gemeinheit, die mir selbst fast unangenehm war. Bissige Ironie ist wie Fahrrad fahren, man verlernt das nicht – man entscheidet sich nur bewusst dagegen. Es ist nichts Verkehrtes daran, einen unnötigen Spruch auch mal runterzuschlucken – ganz besonders, wenn man andere damit verletzt. Gegen eine Handvoll Teilnehmerinnen hatte ich jedoch eine Abneigung entwickelt und diese Personen kommentierte ich nun mit jenen dummen und unnötigen Sprüchen als hätte ich mich seit der Pubertät nie weiterentwickelt. Ich erwischte mich sogar dabei, wie ich in meinen Gedanken eine von ihnen mit meiner Teekanne verprügelte, nur weil sie ihre Teekanne nicht schnell genug auffüllte. Besonders schlecht fühlte ich mich aber als ich mich bei der Frage ertappte, ob es übertrieben wäre meiner Sitznachbarin in der Meditationshalle einfach die Nase anzubeißen. Ich fand sie eigentlich ganz nett, sie war jedoch stark erkältet und putzte sich ständig die Nase. Das nervte mich derart, dass ich den ‚MikeTyson‘ ernsthaft als Lösung in Erwägung zog. Ich fühlte mich wie ein sehr, sehr schlechter Mensch!
Der Abendvortrag, in dem täglich ganz allgemein über die Phasen referiert wurde, in denen wir uns planmäßig befinden müsste, beruhigte mich jedoch ein wenig. „Sie haben sich heute vielleicht vor sich selbst erschrocken und Seiten an sich entdeckt, die sich von sich noch nicht kennen. Das ist gut! Es zeigt, dass sie den Prozess planmäßig durchlaufen. Nun kommt alles in ihnen hoch, was sie unterdrücken wollten!“, erklärte der Lehrer. Ich fragte mich, was wohl bei in den anderen derzeit hochkam und versuchte in den Gesichtern der Teilnehmer ihren emotionalen Zustand zu lesen. Ich teilte mir mein Zimmer mit zwei weiteren Frauen und zumindest die Blonde sah aus, als wäre sie ebenfalls in Stimmung für eine gepflegte Kneipenschlägerei.
Tag 4
„Nun kommt alles in ihnen hoch, was sie unterdrücken wollten“, diese Worte klangen noch immer in meinen Ohren. Obwohl die Aggressivität langsam abflacht, wollte da scheinbar so einiges in mir hoch. Heute wich die Gewalt allerdings der Erotik. Obwohl Männer und Frauen getrennt untergebracht wurden, war ich extrem in Flirtlaune. In der Meditationshalle schaute ich nach den männlichen Teilnehmern und überlegte, wie groß wohl meine Chancen wären, die Begleitperson eines Rollstuhlfahrers in der Pause klarzumachen. Ich überlegte, ob es das Liebesleben einfacher macht, wenn man einen Yogi-Jungen dated, der total mit sich und der Welt im reinen ist? Dabei bemerkte ich, dass ich selbst auffallend häufig bei den unreifen Szenejungs mit Egoproblemen landete, statt bei dem tiefenentspannten Surfer, den ich mir als perfekten Partner vorstellte. Da man sich unterbewusst schnell von Menschen angezogen fühlt, die etwas kompensieren, was man sich selbst nicht geben kann, war es für mich nachvollziehbar, weshalb mich die Fraktion des mangelnden Selbstbewusstseins für mich interessierte. Aber was wollte ich von ihnen? Obwohl ich einen Mann suchte, der meine Fabelhaft zu schätzen wusste und mit dem ich die Welt erobern und das Leben genießen konnte, wählte ich mit beeindruckender Zielsicherheit die Sorte Mann, der seine Unzufriedenheit an mir auslassen und mir das Leben schwer machen würde. Nix mit Welt erobern. Erstmal konnte ich beim besten Willen wirklich keinen tieferen Sinn dahinter finden, dann kam mir aber der Gedanke, dass diese Männer wie ein Art Personaltrainer für mich sind. Ich wollte, dass niemand meinen ‚Vibe killen‘ kann und das Universum schickte mir die perfekten Männer um das zu üben. Wie war das gleich? Man soll sich gut überlegen was man sich wünscht, denn es könnte Wirklichkeit werden???
Vor lauter Männerthemen vergaß ich sogar fast meine Schmerzen. Durch das Sitzen tat mein ganzer Körper höllisch weh und ich war nicht sicher, wie ich das ohne Morphium bis zum zehnten Tag aushalten sollte. Schnell lenkte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Männer und so begann ich das zu tun was ich immer tat, wenn ich in dieser Position auf dem Boden kniete: Ich dachte an Sex. Für den Rest des Kurses hatte ich unfassbar guten Geschlechtsverkehr, der mich alle Schmerzen vergessen ließ – zumindest in meiner Phantasie.
Tag 5
Der fünfte Tag war wirklich nicht einfach für mich. Ich hasste alles und jeden. Ganz besonders hasste ich das dämliche gechante von S.N. Geonka, welches zu den Hauptmeditationen eingespielt wurde. Der Mann war nicht in der Lage auch nur einen beschissenen Ton zu treffen! Außerdem mochte ich seine Stimme nicht. Ich mochte auch die Art wie er die Silben betonte nicht. Jeder einzelne Ton, den der indische Großmeister von sich gab, trieb mir die Hassfalten ins Gesicht. Wollten die mich verarschen? Wie soll man unter diesen Umständen in Ruhe meditieren? Ich unternahm erfolglose Versuche mir einzureden ich sei auf einem experimentellen Indi-Rap-Konzert in der Berghain Kantine, doch das machte es nicht besser. Was Musik angeht bin ich sehr sensibel und ein regelrechter Geschmacksnazi. Dieser Gesang klang für mich wie der von Eddie Murphie im Film ‚Auf der Suche nach dem goldenen Kind‘ – nur hieran war nichts witzig und ich konnte dem Gejaule nicht entfliehen.
Ich hatte einen richtigen Durchhänger und ich war so wütend auf mich selbst. In meinem Kopf war es merklich ruhiger geworden, dennoch blieb eine Stimme und diese schimpfte wütend: „Ein Meditationskurs? Ganz tolle Idee Jessica! Was wäre denn an einem Surfurlaub so verkehrt gewesen??? Meer, Sonne, Surfer… Aber nein, du wählst die Variante wo man um 4 Uhr aufstehen muss um dann elf Stunden in einer Halle mit geschlossenen Augen auf einem scheiss Kissen zu sitzen… völlig genial! Danke für nichts!“ Tatsächlich wäre ich sehr gerne nach Hause gefahren und dass das Wetter schlecht war, machte alles nur noch schlimmer. Ich merkte einmal mehr, wie extrem abhängig meine Laune vom Wetter war. Wir hatten nur zwei Stunden Pause am Tag und die verbachte ich mit einem Spaziergang in der Sonne. Das war mein Tageshighlight. Was sollte ich auch sonst machen? Doch heute regnete es und ich musste mir etwas anderes einfallen lassen. Ich stellte mich also an das Fenster und starrte auf den Hof. Ich fühlte mich wie meine Oma. Die hat auch immer aus dem Fenster gestarrt. Fehlte nur noch das Kissen, welches sie unter die Arme legte, damit kein Druck auf den Unterarmen sie davon abhalten konnte, den ganzen Tag dumm aus dem Fenster zu starren. Sie könnte ja was wichtiges verpassen. Ich überlegte ob meine Oma wohl auch aus dem Fenster gestarrt hatte, weil ihr einfach nichts besseren einfiel, womit sie ihre Zeit hätte gestalten können… Neben ‚aus dem Fenster starren‘ zählten aber auch ‚Fingernägel puhlen‘ und ‚Haare kämmen‘ zu meinen top Freizeitbeschäftigungen bei schlechtem Wetter. Haare kämmen bereitete mir wirklich große Freude! Wahrscheinlich hatte ich in 35 Jahren noch nie so oft meine Haare gekämmt wie in dieser Zeit. Haare kämmen gab mir das Gefühl etwas wirklich sinnvolles mit meiner Freizeit anzufangen. … es war so erbärmlich. Ich wollte nur nach Hause!
Tag 6
So langsam begann ich mein Schicksal anzunehmen und mit der Akzeptanz stieg meine Laune. Ich bekam an diesem Tag die Lektion, dass ‚annehmen‘ wirklich der Schlüssel für Veränderung ist. Am Morgen tat mir mein ganzer Körper noch unfassbar weh. Meine Beine. Mein Po. Meine Knie. Mein ganzer Rücken. Alles schmerzte und der Schmerzen zogen sich hoch bis zum Nacken und den Ohren. Durch das Schweigen konnte ich jedoch keinem von meinem Leid erzählen und mittlerweile kotzte mich mein ‚mir tut alles weh‘-Gejammer selbst an. Just in dem Moment als ich zu mir selbst sagte:“Hör gefälligst auf zu jammern und scheiss drauf! Dir tut alles weh – und?? Es wird dir auch noch bis zum letzten Tag weh tun! Find dich damit ab! Ist jetzt halt so“, hörten die Schmerzen auf. Einfach so. In dem Moment als ich aufhörte mich zu wehren, änderte sich alles. Ich war völlig beeindruckt.
Langsam begannen sich auch meine Sinne zu schärfen. Der Hörsinn machte den Anfang. Durch die Stille und das konzentrierte meditieren nahm ich jedes Geräusch sehr laut war. Doch auch die anderen Sinne erschienen viel ausgeprägter. Mehr als mein Geschmackssinn faszinierte mich meine Fähigkeit zu fühlen. Dadurch, dass ich nicht mit den anderen Teilnehmern reden konnte, achtete ich sehr auf ihre Ausstrahlung. Ob ich jemanden als sympathisch oder unsympathisch bewertete basierte allein auf der ‚zwischenmenschlichen Chemie‘. Nun begann ich die Nähe der Leute viel stärker zu fühlen. Selbst wenn ich mit dem Rücken zu ihnen stand und sie nicht sehen oder hören konnte, konnte ich sie ‚fühlen‘. Als großer Superheldenfan freute mich über diese gesteigerte Sinneswahrnehmung wie ein kleines Kind, denn es war für mich wie ‚Superheldenkräfte entwickeln‘. „Muah Jessica ernsthaft?“, versuchte die Stimme der Vernunft mir meine Freude zu verderben. „Ist jetzt schon ein bisschen viel Enthusiasmus nur weil du vielleicht etwas besser reichen kannst und so!“. Aber ich fand mich sehr superheldenhaft und überhaupt fand ich alles super. Ich war sehr glücklich und zufrieden und dachte: „Das Leben ist wirklich schön! Und im Grunde ist alles perfekt, wie es ist. Ich würde es grade nicht anders haben wollen!“. „Oha!“, meldete sich die Vernunft mit einem sarkastischen Unterton: „Na, dann sind wir ja mal gespannt wie lange du alles so perfekt findest, wenn wir hier nicht mehr im Eso-Camp feststecken!“ Schon verrückt was die Vernunft für ein dummes Arschloch ist! Kein Wunder das die, die zu oft auf sie hören, ein unzufriedenes Leben in der lauwarmer Mittelmäßigkeit führen.
Tag 7
Ich habe seit jeher große Freunde am Experimentieren mit Bewusstseins- und Sinneszuständen. Wie ich das in meiner Jugend herstellte, möchte ich an dieser Stelle nicht näher erörtern. Mit Meditation hatte das alles aber nicht viel zu tun. Ich hatte also Referenzerfahrungen, die sehr viel intensiver waren als das, was ich grade erlebte. Trotzdem war ich überwältigt zu sehen, wozu ich bzw. mein Körper von ganz alleine fähig waren.
Besonders fasziniert war ich davon, die Ausstrahlung oder Energien anderer Menschen deutlicher wahrzunehmen. Mir fiel auf, dass ich besonders Menschen die ich mochte, intensiver fühlen konnte. Ebenfalls nahm ich Menschen verstärkt wahr, gegen die ich eine Abneigung hegte. Die Ausstrahlung der Teilnehmerinnen, deren gegenüber ich neutral eingestellt war, nahm ich dagegen auch weniger stark wahr. Die unterschiedlichen Ausprägungen wurden mir beim Spaziergang bewusst. Das Spazierengehen war nur auf einem abgegrenzten Gelände erlaubt, weshalb wir wie die Knastis bei Hofgang immer unsere Runden auf dem Feld drehten. Dieser Rundgang führte durch ein kleines Stück Wald und ich wusste, weil ich es fühlte, dass eine Teilnehmerin in diesem Wald sein musste. Obwohl ich sie nicht sehen konnte, konnte ich ihre Anwesenheit doch fühlen – dabei betrug die Entfernung sicher 500m.
Tag 8
In der Meditation machte ich Fortschritte. Ich konnte schmerzfrei locker eine Stunde sitzen ohne mich zu bewegen und konzentriert und fokussiert meditieren. Durch meine regelmäßige Praxis hatte ich auch nach den Meditationen immer öfter Sekunden von ’no mind‘ in denen kurz Stille in meinem Kopf herrschte. Stille im Kopf ist leider nicht einfach zu halten. Jedes Mal wenn ich sie bemerkte, dachte ich:“Geil! Ruhe… ach nee… doch nicht. Jetzt hast du wieder gequatscht…“
Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, fand ich das Phänomen die Anwesenheit anderer Menschen trotz Distanz fühlen zu können interessanter als das Meditieren an sich. Wo hat man denn auch sonst die Gelegenheit die ‚Chemie zwischen zwei Menschen‘ so ungestört zu untersuchen? Fakt war, dass ich die Unsympathen auch milen gegen den Wind spürte. Noch bevor ich einen von ihnen sah beobachtete ich wie Gedanken in mir aufkommen wie: „Na toll. Gleich kommt wieder das Tränengesicht…“. Eine Weile später kam das Tränengesicht dann auch wirklich. Das Tränengesicht war eine Frau in der Mitte ihrer Fünfziger. Ich hatte sie noch keinen Tag lachen sehen. Ständig guckte sie als ob Jesus ihr sein Leiden direkt vererbt hätte und als würde sie nun die Last der Menschheit auf ihren Schultern tragen. Ich versuchte meine Abneigung unter Kontrolle zu halten, denn zweifellos hat jeder ein Päckchen zu tragen, von dem man nichts weiss, daher sollte man Verurteilungen möglichst vermeiden. Doch es fiel mir wirklich schwer. Ich versuchte Verständnis aufzubringen, doch am Ende dachte es jedes Mal wieder:“… es ist bestimmt alles nicht so einfach im Leben, aber so dumm zu gucken macht sicher nichts besser!“. Ich versuchte herauszufinden, weshalb sie mir so unsympathisch war. Es war ihre ganze Körpersprache – alles in ihr sagte ‚Opfer‘. Sie ging gebückt, guckte traurig, schnaufte oft leidvoll und stand immer planlos im Weg rum. Mit Menschen, die so bereitwillig ihre Opferrolle annahmen ohne den Versuch zu unternehmen etwas zu ändern, hatte ich tatsächlich Probleme. Meine Mutter zeigte gelegentlich ähnliche Wesenszüge und wir geraten jedes Mal böse aneinander! Das Leben ist sicher nicht immer leicht und dann hat man auch alles Recht der Welt drüber zu klagen. Auf das Klagen sollte dann aber auch ein Versuch kommen, etwas zu verändern. Leider belassen es die meisten Menschen nur beim Klagen. Sie klagen und gehen mir damit auf die Nerven!
Ich mochte das nicht! Tatsächlich unterstelle ich den meisten dieser Menschen, dass sie gar nichts an ihrer Situation ändern wollen. Sie wollen eigentlich nur jammern. Wäre alles in Ordnung, dann hätten sie keinen Grund zu jammern. Jammern bedeutet aber Aufmerksamkeit und wie Kinder schreien sie danach, damit man sich um sie kümmert. Das Gute in ihrem Leben nehmen sie kaum wahr. Ich habe das bei meiner Mutter getestet, denn bei unseren wöchentlichen Telefonaten war sie nur am jammern: Job scheiße, Kollegen scheiße, sie war immer krank, genau wie unsere Nachbarn… nur Gejammer. Und jede Woche das Gleiche. Nach einer Stunde Telefonat wurde ich selbst ganz depressiv. Ich fragte sie deshalb, ob sie denn auch versucht hätte mal was zu ändern? Doch das hatte sie nicht. Dafür hatte sie viele Ausreden weshalb sie nichts ändern konnte und es deshalb auch gar nicht erst versuchen müsste… Unzufrieden zu sein und darauf zu warten, dass sich die Welt von alleine nach den Vorstellungen ändert während man selbst dafür keinen Finger dafür krümmt, ist eine so saudämliche Strategie das ich mit solchen Menschen auch kein Mitleid haben kann. Meine Mom war da keine Ausnahme und deshalb sagte ich ihr irgendwann, dass ich zukünftig nur noch mit ihr telefonieren möchte, wenn sie auch etwas Gutes zu berichten kann. Sie meldete sich daraufhin viele Wochen nicht.
Leidende Menschen ohne den Willen zur Veränderung sind für andere Menschen sehr belastend und Tränengesicht sah aus wie eine Last – und deshalb mochte ich sie nicht! So! … und um es gleich klarzustellen: Das war total dumm und arrogant von mir! Denn es war Tränengesicht die mir die Lektion erteilte niemals das Urteil, das man über eine Person gefällt hat als ‚in Stein gemeißelt‘ anzusehen. Wenn man schon so überheblich ist zu urteilen, dann sollte man immer offen dafür bleiben, seine Ansichten zu korrigieren.
Am letzten Tag, wenn wir wieder reden dürften, würde sich Tränengesicht beim Essen neben mich setzen und mich fragen, weshalb ich einen solchen Kurs mitmachte. Ich würde es ihr leicht genervt erklären und sie aus Anstand, nicht aus Interesse, dasselbe fragen. Sie würde mir dann verraten, dass sie sehr unzufrieden mit sich und ihrem Leben ist und bereits einiges ausprobiert hatte, um diese Unzufriedenheit zu überwinden. Sie würde mir weiter gestehen, dass sie mit dieser Unzufriedenheit auch ihre Familie nervt, weshalb ihr Sohn ihr nun zu diesem Kurs geraten hatte. Sie würde mir auch verraten, dass sie ganz sicher niemanden nerven oder belasten wollte und ihr diese Technik überraschend gut geholfen hatte mit sich klar zu kommen. Sie war voller Hoffnung durch sie auch im Alltag die Balance zu halten. Ich würde großen Respekt vor ihrer Bereitschaft haben an sich zu arbeiten und mich sehr schäbig fühlen, dass ich ihr unterstellt hatte, nicht über diese Bereitschaft zu verfügen. Ich wäre zudem sehr gerührt, dass sie diese sehr privaten Gründe mit mir geteilt hatte. Ich würde ihr aufrichtig dankbar für die Lektion sein, welche sie mir unwissentlich erteilte. Anschließend würde ich sehr lange darüber nachdenken wie es ist, sich wie eine dämliche Kuh zu verhalten und sich dabei keiner Schuld bewusst zu sein. Und ich würde mich fragen welche Wahlergebnisse wohl die AfD erzielen würde, wäre der Mensch nicht zu solch tiefer, dummen und grundlosen Abneigung fähig. … es verdeutlichte mir aber auch, dass sich kein Mensch absichtlich wie ein Idiot verhält. Man weiss es leider nicht besser. Man ‚kann nicht anders‘. Das ist natürlich keine Entschuldigung, aber es ist die Ursache …
Tag 9
Am vorletzten Tag wurde mir bewusst, dass die Zeit der Stille nun bald vorbei ist und mir gefiel das ganz und gar nicht! Wieso gibt es wohl den Ausdruck ‚unangenehmes Schweigen‘? Nichts am Schweigen ist anzunagendem! Ganz im Gegenteil, denn gemeinsam schweigen zu können gehört zu den tiefsten Arten der Verbundenheit. Ich will nicht wissen, wie viele Taxifahrer sich täglich wünschten, dass ihre Fahrgäste einfach nur die Fresse hielten statt uninteressante Geschichten zu erzählen, nur damit es nicht ‚ruhig‘ im Auto ist. Vielleicht ist Ruhe dem Fahrer lieber als zum 1000Mal zu erzählen, wie lange er noch arbeiten muss, wie es als Taxifahrer so ist und ob er gut verdient… und vielleicht interessiert er sich auch kein Stück für die ganzen Geschichten, die er sich bei jeder Fahr anhören muss. Wäre es nicht so unhöflich, dann würde er vermutlich über Kopfhörer Musik hören, nur um einer weiteren Geschichte eines Fahrgastes zu entkomme. Im Prinzip ist reden wie kotzen. Wenn man sich selbst auskotzt mag das erleichternd sein, doch für denjenigen der angekotzt werden ist das alles sehr unschön. Tatsächlich öffnen wir nur selten den Mund um wichtige Informationen weiterzugeben oder um Worte des Dankes, des Lobes, der Anerkennung oder der Wertschätzung zu äußern. Viel zu oft ist das Ziel einer Kommunikation Aufmerksamkeit zu bekommen. Hierbei unterscheide ich im wesentlichen zwei Typen: Menschen mit kleinem Ego und Menschen mit großem Ego. Letztere reden ständig darüber, wie toll und wichtig sie sind. Sie erzählen dir, was sie alles haben und was sie alles können und wen sie alles kennen – nur für den Fall das du es nicht selbst schon bemerkt hast. Die Menschen mit kleinem Ego sind dagegen die Leidenden (hier unterscheide ich Menschen mit der Bereitschaft etwas an ihrer Situation zu ändern und denen, die einfach nur leiden und bemitleidet werden wollen), bei denen läuft immer alles scheiße, jeder ist gemein und die Welt im allgemeinen sehr ungerecht. Kleine Egos haben auch die Tratschtanten, die sind aber zu stolz das zuzugeben und lenken lieber mit den Geschichten anderer von sich ab. Ist ja auch viel einfach über andere zu reden, statt vor der eigenen Türe zu kehren. Doch unterm Strich wollen alle drei Typen nur eins: Aufmerksamkeit. So gesehen ist es fast tragisch, dass kaum jemand aktiv zuhört – selbst die Tratschtanten hören nur, was sie hören wollen.
Sokrates hatte einst drei Punkte formuliert, über die es sich nachzudenken lohnt bevor man seinen Mund öffnet:
Sind wir uns sicher, dass es wahr ist, was wir sagen wollen?
Sind unsere Worte von Güte geprägt?
Ist es notwendig, dass wir sie aussprechen?
Sokrates fehlt mir! Mir fehlen auch Leute wie Willemsens, Bowie oder Lemmy… das Jahr ist noch jung und doch sind viele großen Geister und Querdenker von uns gegangen. Die nachfolgende Generation hat geistig nicht viel im Angebot um entstehende Lücken zu füllen. Für die Minderheit, die gewillt ist sich auch über Netflix hinaus zu bilden, finde ich Angebote wie den Vipassanā-Kurs deshalb wichtig und wertvoll. Nur wer sich selbst kennt, kann eigenständig denken und ist keine Last für sich und andere.
Tag 10
Nach der Morgenmeditation des letzten Tages wurde es ernst: Wir durften wieder reden. Auf dem Weg von der Meditationshalle zu den Unterkünften hörte ich bereits das Stimmengewirr im Hof und bemerkte sofort, dass ich mich nicht bereit für die Realität fühlte. Es war ein ähnliches Gefühl, wie wenn man nach einem Wochenende im Berghain plötzlich wieder bei Tageslicht auf der Straße steht und nun den Heimweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln antreten will: Man fühlt sich irgendwie durch und ist überfordert mit diesem Zuviel an Realität. Obwohl man weiss, dass man ihn früher oder später antreten muss, erscheint Heimweg unendlich weit und die Herausforderung viel zu groß sie zu meistern. Auch jetzt fühlte ich mich nicht bereit für den Heimweg. Ich entschloss mich daher zu einem Spaziergang als Flucht. Schnell holte ich meine Jacke aus dem Zimmer. Überall waren Menschen und sie redeten extrem laut, jedenfalls empfand ich es als extrem und laut. Als ich das Haus unauffällig durch den Hintereingang verlassen wollte kam mir plötzlich ein Mann entgegen. Er grüßte freundlich, doch ich nickte nur kurz zurück. Er überholte mich um mir die Türe zum Garten aufzuhalten. Ich lächelte und sagte: „Danke“. Dies war mein erstes Wort nach 10 Tagen des Schweigens. Ich war ganz glücklich darüber, denn es gibt blödere erste Worte als „danke“.
Abschließend bleibt zu sagen, dass ein 10-Tage Vipassanā-Meditationskurs kein Kindergeburtstag ist. Die Erfahrung ist nicht ’schön‘ und sie macht obendrein keinen Spaß. Es ist auch kein Urlaub, auch wenn man sich im Anschluss sehr erholt fühlt. Vielmehr ist der Kurs eine einzigartige Gelegenheit um in sich zu gehen und um wertvolle Erkenntnisse über sich selbst und das Leben zu gewinnen. Das Meditationszentrum ist ein ‚Lazarett im mentalen Krieg‘, um mir die perfekt geflügelten Worten des Rappers Curse zu leihen. Ein Zufluchtsort, weil es in der Hektik des Alltags weder die Ruhe noch den Raum gibt, um den Kopf völlig zu resetten und den Geist auszubalancieren. Teilweise habe ich mich wirklich durch das Programm gequält, doch ich weiss, ich werde es wieder tun.
Weitere Informationen über die Vipassanā-Technik und zum Kursangebot www.dvara.dhamma.org
Heute ist Weltfrauentag. Das ist Grund zur großen Freude und Anlass genug für das Superlative Magazine aus Hamburg mal wieder einen Text zu schreiben:
Emanzipieren. Komisches Wort. Laut Duden bedeutet es:!
a. sich aus einer die eigenen Entfaltung hemmenden Abhängigkeit lösen, sich selbstständig, unabhängig machen, Gleichstellung erlangen!
b. sich lösen, befreien!
c!. (selten) jemanden aus einer Abhängigkeit lösen, selbstständig, unabhängig machen!
Beim Lesen der Definition musste ich kurz lachen, denn plötzlich kam mir der Gedanke: “Emanzipation is’wie Denken. Jedem steht es frei es zu tun, doch niemand möchte gebrauch davon machen…“. Plötzlich fiel mir auf, dass mein Gedankengang vielleicht gar nicht so blöd war. I!st die Vorraussetzung für Emanzipation nicht emanzipiertes Denken?!
Ursprünglich sollte dieser Text hier ein Appell an die Frauen werden. Eine Hommage an die weibliche Emanzipation. Pünktlich zum Weltfrauentag wollte ich die Welt wissen lassen, weshalb die Emanzipation der Frau, auch in einer Gesellschaft in der man es scheinbar nur als leicht bekleidete Polyesterschlampe zu etwas bringt, wichtig und richtig ist. Aller Negativ-Beispiele, wie Alice Schwarzer, zum Trotz wollte ich beweisen, dass Emanzipation auch sexy sein kann. Doch dann blieb ich an meiner Theorie über das ‚emanzipierte Denken‘ hängen und deshalb werde ich darauf verzichten die Emanzipation nur aus der Perspektive einer Frau zu betrachten. Lieber möchte ich geschlechterübergreifend und in Stéphane Hessel-mäßiger Manier dazu aufrufen: E!manzipiert euch – in eurem Denken! !
Denken ist der Ursprung allen Handelns. Zumindest sollte das so sein – auch wenn ein paar völlig geniale Vertreter unserer Spezies scheinbar in der Lage sind zu handeln, ohne vorher auch nur eine Sekunde gedacht zu haben. Doch egal wie kleingeistig ein Gedankengang auch ist, nach Hermes Trismegistos ist er die Grundlage von Materie bzw. ‚allem was ist’. Oder um es mit Marc Aurels Worten auszudrücken: „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab!“!
Gucken wir uns diese ‚Beschaffenheit‘ doch mal genauer an: Durchschnittlich 60 000 Gedanken gehen einem Menschen pro Tag durch den Kopf. Ca. 72 % davon sind flüchtige und unbedeutende Gedanken, 25% destruktive Gedankengänge und grade mal ca. 3 % sind aufbauende Gedanken, die dir und anderen nutzen. Zudem kommt der Fakt dass das, was du grade denkst, fast identisch ist mit dem, was du gestern gedacht hast. Wie Mantras beten wir deshalb jeden Tag immer wieder idiotischen Denkmuster wie:“Ich habe keine Zeit!“ oder „Ich muss mich mehr anstrengen!“ oder „Ich muss es schaffen!“… Tatsächlich sind die meisten dieser nervigen Gedanken nicht mal unsere eigenen. Von klein auf haben wir nämlich die Gedankengänge und Glaubenssätze unserer Eltern und Großeltern und die unseres sozialen Umfelds aufgesogen wie Muttermilch. Na, erinnerst du dich an Sätze wie: „Im Leben kriegst du nichts geschenkt, da muss du dich schon anstrengen!“, „ein richtiger Mann verdient die Brötchen und ernährt seine Familie. Die Frau bleibt zu Hause und passt auf die Kinder auf“, „die Macht liegt bei den Anderen, ich kann in der Welt nichts verändern“? Man kommt nicht als Mensch auf die Welt, der denkt: “Die Ausländer nehmen mir die Arbeit weg.“ Eigenständiges, kritisches und emanzipiertes Denken wurde uns tatsächlich nicht in die Wiege gelegt.!
Was denkt es den ganzen Tag in dir? Es macht viel Sinn das genauer zu beobachten. Natürlich kann es sein, dass du tatsächlich genau das magst, was deine Freunde und deine Familie, deine Verwandten und Bekannte mögen. Rein zufällig. Genau das Gleiche. Die selbe Musik, die selben Bücher, den selben Modestil und diese witzigen, neuen Folgen vom Dschungelcamp. Vielleicht ist es wirklich reiner Zufall, dass man sich so einig war wie nie, wer GNTM gewinnen sollte, während der politische Konsens gemeinsam nach rechts abtriftet. Jeder hat eine Palette an scheinbar individuellen und erschreckend dogmatische Glaubenssätzen, was ‚richtig‘ und ‚falsch‘ oder was ‚gut’ und ‚böse’ ist. Gegen ‚die Anderen‘ emanzipieren wir uns schnell, dabei wäre es nicht weniger wichtig zu prüfen, ob die eigenen Reihen der persönliche Entfaltung nicht gelegentlich im Weg stehen. Emanzipation fängt bei uns selbst an. Um mich zu emanzipieren muss ich wissen, wer ich bin – sonst trage ich bloss die Ideologie eines anderen in die Welt. !
Es kann sein, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere. Doch wem ist am letzten Arbeitstag denn tatsächlich ein ‚Ausländer‘ über den Weg gelaufen der Sachen sagte wie:“Ätsch bätsch, ich
krieg’deinen Job!“? Es sind also nicht mal Erfahrungswerte und trotzdem denken wir diese unwahren Gedanken, die wir irgendwo aufschnappen.!
Die Emanzipation der Frau ist ein weiteres schönes Beispiel! Hätte man mir nicht gesagt, dass ich eine Emanze bin, ich hätte es nicht mal bemerkt. In meinen Beziehungen stehe ich auf die klassische Rollenverteilung und auch sonst hat meine Vorstellung einer emanzipierten Frau wenig mit dem zu tun, was weitläufig als Emanzipation verstanden wird. Wenn Alice Schwarzer eine Emanze ist, dann will ich keine sein! Und auch ohne sie hat das Wort im Laufe der Zeit eine eher negativ geprägte Konnotation bekommen.!
Emanzipiertes denken und handeln setzt ein gewisses Maß an Selbstreflektion voraus. Ich muss meinen Standpunkt kennen um ihn anderen gegenüber vertreten zu können – und seinen Standpunkt zu vertreten wird auch nicht erst dann notwenig, wenn ich zu einer unterdrückten Minderheit gehöre.!
Wie ich bereits zuvor erwähnte beginnt die Emanzipation für mich im Geist. Doch oft nehmen wir uns viel zu wenig Zeit zur Selbstreflektion und bemerken deshalb gar nicht erst, dass die Meinung die ich vertrete, gar nicht meine ist. Dass das Leben, das ich führe, mich vielleicht gar nicht mehr erfüllt. Das die Verbindungen, die ich im Laufe der Jahre eingegangen bin, heute gar nicht mehr zu zu mir passen. Sei es die Freundin, deren Brötchen ich verdienen soll, obwohl ich finde das sie ihren faulen Arsch ruhig selbst zur Arbeit schwingen könnte. Oder der Freund, für den ich wiederwillig koche, obwohl mein Arbeitstag lang war und er genauso gut weiss wie ich, wie der Herd funktioniert. Eltern, die sagen man sollte endlich heiraten oder man hätte nie heiraten dürfen. Die Liste der Menschen, die täglich versuchen und zu sagen, was wir tun oder lassen haben ist lang! Oft sind wir von all dem Input so verwirrt, bis wir selber gar nicht mehr wissen, was wir eigentlich wollen. Und von dem Einfluss der Medien fangen wir besser gar nicht erst an… Deine M!einung bilden viele, nur du selbst trägst leider wenig zu Meinungsbildung bei! Emanzipier dich!!
Was ich sonst noch über das emanzipieren und die Emanzipation an sich denke, das habe ich den Kolleginnen von der Waterkant in einem Interview verraten.
in deinem Beitrag ‚Gib dir Kugel‘ auf Zeit online stellst du die zweifelhafte Behauptung auf, dass der Rapper Haftbefehl der ‚deutsche Dichter der Stunde‘ sei. Eine geniale Erkenntnis, die einem in der Form doch eigentlich nur im Vollrausch und unter Einfluss psychoaktiver Substanzen kommen kann. Da du deine schwachsinnigen Behauptungen und unsortierten Gedankengänge jedoch inhaltlich leider nicht belegst, hätte ich noch die ein oder andere Nachfrage um dein ‚beautiful mind‘ besser begreifen zu können.
Darf man deinen Ausführungen glauben (und ich persönlich rate jedem dazu ab), stellt der ‚rappende Verseschmied‘ die zeitgenössische Dichtung vor eine Herausforderung. Aha. Damit aus diesem Absatz mehr als nur ein Blabla ohne Aussage wird, wäre es hilfreich wenn du dies etwas konkretisieren könntest. Was bedeutet denn ‚zeitgenössische Dichtung‘ eigentlich für dich? Ist ja wichtig die Definitionen im Vorfeld zu klären. Jemand, für den Haftbefehl ernsthaft ein Quell sprachlicher Innovation ist, definiert zeitgenössische Dichtung vermutlich anders als ich. Jemand, der Haftbefehl ernsthaft für einen Quell sprachlicher Innovation hält, hat sich vielleicht nie wirklich mit zeitgenössischer Dichtung auseinandergesetzt.
Zudem würde es mich brennend interessieren, vor welche Herausforderung genau die zeitgenössische Dichtung jetzt gestellt ist? Ihre Reimschemata weniger anspruchsvoll zu gestalten? Stil und Tonalität soweit runterzubrechen zu brechen bis ein Text klingt als sei er die Hausaufgabe für den ‚Deutsch als zweite Fremdsprache‘-Kurs?
Auch im Weiteren stellst du nichts als leere Behauptungen auf, die du allenfalls mit billigen Verallgemeinerungen stützt. ‚Die Platte wurde von der Hip-Hop-Gemeinde erwartet wie eine Epiphanie‘. Deine Mutter hat diese Platte vielleicht erwartet, aber ich ganz sicher nicht – und auch sonst niemand den ich kenne! In meinen Augen ist Haftbefehl für den Deutschrap das, was Harald Glööckner für die Modewelt ist: Jemand, der das Glück hat einen großen Marktanteil bedienen zu können, bestehend aus Menschen, denen jeder Sinn für Ästhetik fehlt. Das ist auch okay und es sei ihm gegönnt, aber hör doch bitte damit auf Genialität in etwas hineinzuinterpretieren, wo einfach keine ist! Zu allem Überfluss ziehst du dann auch noch Foucault mit rein. Was hast du dir denn dabei gedacht? Etwas name-dropping in der Hoffnung intelligent zu wirken? Erläutere doch lieber näher, worüber er hätte juchzten sollen. Also ich weiss ja nicht, welche Reclam-Zusammenfassung seiner Werke du da nicht verstanden hast, aber falls du dich allen ernstes auf seine Machtanalytik beziehst: Lies es noch mal, damit du es in Zukunft vielleicht in einen halbwegs stimmigen Kontext setzen kannst! Ebenso wenig, wie du Foucault verstanden hast, scheinst du zeitgenössische Dichtung verstanden zu haben, sonst würden dich Penis-Reime nicht so in Entzückung versetzten. Jetzt mal unter uns Danny-Boy: Kennst du überhaupt irgendein Stück zeitgenössischer Dichtung. Kennst du überhaupt einen Dichter??? Ich bin mir da nicht so sicher. Jedenfalls scheint dein Fachwissen nicht auszureichen um inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Überhaupt scheinst du fehlenden Inhalt mit leeren Phrasen und ein paar Fremdwörtern kompensieren zu wollen, was dich wie ein schwachsinniger Dummschwätzer wirken lässt. Doch zumindest diese Tatsache lässt mich verstehen, weshalb Haftbefehl für dich talentiert erscheint. Gemessen an deinem Talent für Sprache ist Hafti vielleicht wirklich ein Genie. Talent ist ja ein sehr relativer Begriff und immer auch eine Frage des Bezugssystems. Auch deine persönliche Talent-Deffinition würde mich interessieren. Worin genau hat er denn deiner Meinung nach Talent? Ob man seinen Style mag ist sicher Geschmacksfrage, aber Rap-technisch ist faktisch doch viel Platz nach oben. Für mich besteht sein Talent darin, mit möglichst wenig Rap-Talent möglichst viel Patte zu machen. Nach meiner Definition ist er vielleicht kein Rap-Genie, aber dafür kann er die ökonomischen Grundsätze sehr gut in der Praxis anwenden. Das sei ihm von Herzen gegönnt und ich würdige das als ein absolutes Talent. Zudem bin mir fast sicher, dass er für seinen Erfolg hart gearbeitet hat und dieser somit verdient ist. Meinetwegen soll doch auch jeder die Musik hören, die ihm gefällt. Ich will hier nicht Geschmackspolizei spielen – du scheinbar schon, wenn du Kritik an Haftbefehls Musik als Pädagogenhermeneutik abtust.
Dabei will ich gleich zugeben, dass mein Problem mit ihm tatsächlich pädagogischer Natur ist, denn ich finde es schlicht falsch diese Art von Vorbild vorzuleben. Er vertritt ein Image, das meiner Meinung nach weder gehypt oder nachgeahmt werden sollte. Mag sein, dass die Rolle, die er verkörpert tatsächlich authentisch ist und sein Image seiner Persönlichkeit entspricht. Das Image von Kim Jong-Il spiegelte sicher auch seine Persönlichkeit wieder und auch in diesem Fall war ich zu abgelenkt von meinen eigenen Werten, als das ich ihn für seine Authentizität hätte feiern können. Asoziales Verhalten muss doch nicht noch mit Erfolg belohnt werden. Das könnte dazu animieren diesen Persönlichkeitstyp nachzuahmen und die Pöbel-Proll-Attitude wäre unter den Jugendlichen schnell weiter verbreitet als der NIKE Air Max. Wäre er ein sympathischer Typ, der scheiß Musik macht, dann hätte mich der ganze Hype um seine Person nicht im geringsten gestört. Doch seine Musik ist allenfalls Durchschnitt und alles, wofür er steht, ist in meinen Augen so wertvoll wie das Essen bei MC Donalds und ethisch-moralisch so korrekt wie ein Einkauf bei Primack.
Aber hey Daniel, ich erklär’s die mal mit den Worten von Jan Delay: „Mach wie du meinst, und fühl dich frei. Sauftour’n, Rumhur’n, Prügelei. Ey alles cool, mach wie du willst. Geh lügen, betrügen, lies BILD..“
Einen abschließenden Satz möchte ich an dieser Stelle noch an die Verantwortlichen der Zeit online richten: Werden die Texte ihrer Autoren vor Veröffentlichung gegengelesen? Ihre Bemühungen, sich an den Themen der Zeit zu orientieren, verdienen ganz bestimmt Würdigung, doch scheinbar mangelt es in ihrem Haus an Personal, welches sich mit solchen Inhalten differenzierter auseinandersetzten kann. Oder kommt es dem traffic ihrer Seite zugute, wenn ein Daniel wieauchimmerHaas der deutschen Literatur ein Problem unterstellt?
It’s late in the evening. She’s wondering what clothes to wear. She puts on her make up. And brushes her long blonde hair.And then she asks me, „Do I look alright?“ And I say, „Yes, you look wonderful tonight“
– Eric Clapton
Die Feiertage stehen vor der Türe und was uns als die besinnlichste Zeit des Jahres verkauft wird, fühlt sich in der Realität oft an wie die ultimative Geduldsprobe. Bis wir in gemütlicher Runde mit unseren Liebsten unterm Baum sitzen, hetzten wir von einer Weihnachtsfeier zur Nächsten und versuchen die Aggression, die sich während des endlosen Wartens in übertrieben langen Kassenschlangen aufgestaut hat, in Glühwein zu ertränken. Der Weihnachtsmarkt wird zum traumatischen Erlebnis, denn das Gequetsche und Gedränge durch dichte Menschenmassen kann ähnliche posttraumatische Belastungsstörungen auslösen wie der Vietnam-Krieg.
Doch all dem treten wir todesmutig entgegen, nur damit wir bis zum Heiligen Abend auch alle Präsente für die Lieben zusammen haben. Beim Abarbeiten der Wunschlisten machen wir keine Gefangenen, nur unsere eigenen Besorgungen kommen währenddessen oft zu kurz. Wer zieht schon freiwillig aufs Schlachtfeld, wenn er nicht muss? Nur in welcher Garderobe sollen wir unterm Weihnachtsbaum strahlen, wenn sich unser Körper weigert sich auch nur an einer weiteren Kasse anzustellen? MyOnbelle ist der Erlöser und für die Festtage ein wahrer Segen.
Mit Onbelle gelingt der perfekte Auftritt bei jeder Weihnachtsfeier ohne vorher den letzten Nerv beim Klamottenshoppen riskiert zu haben. Das Konzept des Start-Up ermöglicht jeder Kundin den Zugang zu einem unendlichen Kleiderschrank bequem von der Couch aus. Für einen monatlichen Fixpreis gibt’s ein Paket mit einem Outfit (wahlweise inklusive passender Accessoires) und sobald man dieses zurückschickt, bekommt man ein neues Paket – mit neuer Bekleidung. Das klingt toll und das ist es auch, denn der Onlineversand spart Zeit, schont Nerven und ermöglicht es einem trotzdem zu jeder Party mit einem neuen Style zu beeindrucken.
Doch Onbelle schützt nicht nur das Nervenkostüm. Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft und wer kennt sie nicht, die Fehlgriffe von Kleidungsstücken, die wir ein- bis keinmal getragen haben?! Da haben wir dieses sündhaft teure Kleid gekauft, doch welche Tagen im Jahr bieten sonst noch Gelegenheit sich in so einen Glitzerfummel zu werfen? Beschwipst von zuviel Glüh-Kirsch hielten wir den geschmacklosen Rentierpullover noch für das genialste Kleidungsstück zum Familienessen, doch nach dem Treffen mit Oma verschwand der Pulli für immer in den tiefen unseres Kleiderschranks…
Durch Onbelle lassen sich diese Affektkäufe vermeiden. Ziel des Unternehmens ist es auch, mehr Bewusstsein für derartiges Kaufverhalten zu schaffen und so für mehr Nachhaltigkeit in der Modewelt zu sorgen. Eine rundum gute Idee – nicht nur zur stressigsten Zeit des Jahres!
Kendrick Jeru Davis, besser bekannt als Jeru the Damaja, tritt zum ersten Mal Anfang der 90er Jahre ins Rampenlicht. Seit Gang Starrs I’m the man ist der Mann eine feste Größe des underground Hip-Hops. Früher rappte er noch über Beats und Scretches von DJ Premier, doch heute Abend wird er zur 45. Party Arty– Ausgabe im Prince Charles über die Electrobeats von Robosonic flowen. Das klingt erstmal ’spannend‘ und deshalb sollte man es auf keinen Fall verpassen.
Der Rest des Line-Ups klingt nicht weniger vielversprechend, denn neben einem Gastauftritt des australischen MCs Remi stehen zum Beispiel auch großartige DJs wie Matze und Johannes, besser bekannt als Mat.Joe, hinter den Decks.
Aber es wird natürlich nicht nur exzessiv gefeiert, denn Party Arty Kage hat vier seiner Lieblingskünstler aus dem Art Village des diesjährigen Berlin Festivals dazu verpflichtet Film- und Fotokunst, sowie Tanz und Installationen zu präsentieren.
Einer dieser Künstler ist zum Beispiel Tobias Dostal. Seine Faszination für Kinematographie spiegelt sich auch in seinen Installationen wieder. Kinematographie ist ein Ausdruck, der in den Frühzeiten des Films entstanden ist und die ganze Apparatetechnik bezeichnet, die zum Aufzeichnen und Wiedergeben von fotografischen Bewegtbildern verwendet wird. Dostal baut diese Apparaturen um und ermöglicht dem Zuschauer dadurch eine ganz eigene Form von kino.
Das alles und noch viel mehr, heute Abend im Prince Charles.