umweltverschmidtzung.

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  • Illuströse – Die Kunst der Rahel Süßkind

    Spray God von Rahel SüßkindRahel Süßkind wird eigentlich von allen nur Krissi genannt – oder Russki, weil sie im weit entfernten Georgijewka in Kasachstan geboren wurde.

    Allen Erziehungsempfehlungen zum Trotz ist Krissi der lebende Beweis, dass sich extrem hoher Zeichentrickfilmkonsum durchaus positiv auf die frühkindliche Entwicklung auswirken kann. Inspiriert durch eine Überdosis Kinderfernsehen begann sie früh eigene Cartoons und Geschichten zu malen. In diesen Geschichten hat sich das kleine Süßkind bis ins Erwachsenenleben herumgetrieben und in ihren Zeichnungen oft die eigenen Probleme verarbeitet.

    Durch die Vorliebe ihre Gedanken in Bilder auszudrücken lag es nah das sie Kunstwissenschaften und Philosophie studieren wollte. Wie es sich jedoch für einen Freigeist gehört brach sie dieses Studium an der Uni Kassel schon bald wieder ab, weil sie unbedingt wohin wollte? Richtig: Nach Berlin.

    Doch in Berlin wohnen und Künstler sein ist bekanntlich kein Widerspruch. Sie entschied sich daher für ein Studium in Kommunikationsdesign an der BTK um ihren Traum, Illustratorin zu werden, weiter zu verfolgen. Aus Cartoon entwickelte sich ein klarliniger und detailverliebter Illustrationstil mit hohem Wiedererkennungswert – nicht zuletzt durch ‚Explicit Content‘. Gäbe es einen ‚Parental Adivsory‘ Sticker  auf Zeichnungen, Krissis Bilder hätten ihn verdient. Doch noch ist das ZFK ihr nicht auf den Fersen und so kann sie weiter provokativ und mit viel Sinn für Humor weitermalen.

    Wenn es nicht grad Muschis sind, dann interessiert sich die Hobby-Jüdin, die unter dem Pseudonym Rahel Süßkind malt, auch für an Weltreligionen angelehnte Elemente. Sie zweckentfremdet gerne Menschen, Tiere und Dinge, lässt aus ihnen neue Wesen oder Figuren entstehen, die es so gar nicht geben könnte. Etwas russisches, matroschkahaftes, haben ihre Illustrationen häufig, vor allem bei Frauenfiguren. Ihr trippi Style kommt gut an und so konnte die junge Matruschka schon einiges an Art-Work-Referenzen sammeln. Sowohl Veranstaltungsflyer als auch Jute-Beutel eines bekannten Berliner Clubs hat sie schon gestaltet. Man munkelt sogar das Indie-Barde Milky Chance sie gebeten hat, ihm eine Tattoo- Vorlage für seinen Rücken zu zeichnen.

    Zur Zeit bleibt allerdings nur wenig Zeit zum Tattoos malen, denn Christine arbeitet grade fleißig an ihrem Abschlussprojekt für die BTK. Ein Künstlerbuch mit dem Schwerpunkt Illustration und Editorial soll’s am Ende werden. Muschis gibt’s in diesem Buch leider keine, außer vielleicht sie passen zum Thema: „Die Rolle der Tiere und deren Beziehung zu uns Menschen im gesellschaftlichen Kontext“. Na komm Krissi, diese Abschlussarbeit  schreit förmlich nach zoophilen Anspielungen!

    Das erste Bild für umweltverschmidtzung trägt den Titel Spray God. Die Künstlerin hat diese Zeichnung gewählt, weil sie den subkulturellen Charakter dieses Blogs widerspiegelt. Wir finden’s geil und freuen uns auf noch mehr widerständige Kunst von unserer neuen Illustratorin!

  • UMWELTVERSCHMIDTZUNG-MIXTAPE #4: Barb Nerdy

    1923960_79572490455_399_nDa is’er wieder: Der Mixtape-Mittwoch.Der einzige Mittwoch in der Woche, an dem DJs und Musikliebhaber für mehr umweltverschmidtzung musizieren. Das Prinzip ist einfach: DJs die vielleicht noch nicht jeder kennt, aber jeder kennen sollte, präsentieren einen Mix zu einem Thema.

    In dieser Woche ist der DJ weiblich, denn das umweltverschmidtzung-Mixtape kommt von der großartigen Barb NerdyBarb heisst eigentlich Barbara und sollte sich eigentlich Barb Busy nennen, denn bei so vielen Projekten wie sie am laufen hat, bräuchte ein normaler Menschen einen 48 Stunden Tag.

    Back in the days war Barb Nerdy Resident-DJ im Ultraschall Techno-Club in München. Das sie seither ihren musikalischen Horizont aber nicht nur auf elektronische Tanzmusik beschränkt, davon kann man sich zum Beispiel auf soundcloud oder mixcloud oder hearthis oder eben jeder anderen Internetplattform überzeugen, die es so gibt. Das ist nämlich das beeindruckende an Barb: Kein Social Network ohne sie! Social Media affin wäre für ihre Internetaktivität eine unverschämte Untertreibung. So hat sie zum Beispiel einen wunderschönen Fotostream auf Flickr, der das Herz aller Streetart-Interessierten hochschlagen lässt oder bloggt auf sharingmeanscaring über alles, was ihr grade so in den Sinn kommt.

    Eine ganz besondere Empfehlung ist aber ihr Support your local ghetto -Blog. In regelmäßigen Abständen veranstaltete Barb unter dem Namen eine Partyreihe in Wedding. Dafür hatte sie eine der wohl schönsten Locations des Stadtteils gewählt: Die Panke.

    Hier gibt’s nun eine kleine Kostprobe von ihrem Können. Viel Spaß damit!

  • Snipes BMX Cologne 2014

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    Der weltweit wichtigste BMX-Contest feierte in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Über 500 Fahrer und mehr als 10 000 Zuschauer nahmen an der Geburtstagsausgabe der renommierten Veranstaltung teil. Sowohl Profis als auch Animateure haben sich in den Disziplinen Dirt, Superbowl und Flat gemessen. Auf Elemente wie Halfpipe und Spine wurde in diesem Jahr verzichtet.

    Ronny Engelmann hat für umweltverschmidtzung Fotos vom weltweit ältesten BMX-Freestyle-Event gemacht. Eigentlich interessiert sich Ronny eher für Sureale Fine Art Portraits. Doch für den BMX-Sport lässt der ehemalige Pro-Fahrer die Kunst auch mal Kunst sein und widmet sich der Event-Fotografie.

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    Fotos: Ronny Engelmann

  • Ritual – 30 Years of BMX in the Jugendpark

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    In den frühen 80ern suchten Kölner BMXer nach einem Spot, wo sie fahren konnten. Die Mitarbeiter des Jugendparks waren sofort von der Idee begeistert und stellten einen Platz zur Verfügung, auf dem 1984 das erste BMX-Rennen über Hindernissen aus Holz ausgetragen werden konnte. Im Jahr darauf folgte bereits der erste Freestylecontest. Damals gab es keinen Masterplan und von den BMX-Masters war man weit entfernt. Niemand hatte geahnt das dies die Anfänge einer Contestreihe ist, welche über Jahrzehnte hinweg stattfinden und eine einzigartige Stellung im BMX-Zirkus einnehmen sollte.

    Was als unbedeutendes Rennen mit 50 Teilnehmern begann entwickelte sich über die Jahre zu einer der wichtigsten Veranstaltungen für den BMX-Sport. RITUAL ist eine 60-minütige Dokumentation und eine Sammlung von Erinnerungen, Fotos und Videomaterial aus der ganzen Welt, die die Entwicklung des BMX der letzten dreißig Jahre im Kölner Jugendpark Revue passieren lässt.

    Unter folgendem Link gibt’s den Trailer:

    http://mpora.de/videos/AAdtsa7cbys8/embed

    Außerdem verlosen wir eine DVD der Dokumentation! Einfach bis zum 25. Juli eine Mail mit dem Betreff „BMX Cologne“ an verlosung@umweltverschmidtzung.net.

  • “ Alles begann als ich 1993 die Fantas im Radio hörte“ – Rasputin im Interview

    10444762_1507765036105234_6918534947860991305_nVergangenen Monat veröffentlichte Rap-Veteran Rasputin sein 5-track Album Der Funk Ist Zurück. Er selbst beschreibt den Vorboten von Diamanten und Dreck als: „Gute Laune und herbe Kritik. Etwas für Funk-Liebhaber. Die Musik erklärt sich von selbst“.

    Über die Qualität dieser Musik urteilen dann aber die Musikjournalisten – und dabei kommt der Rapper aus Leipzig ziemlich gut weg. So empfiehlt zum Beispiel der Godfather of Hip-Hop-Journalism Falk Schacht die EP auf seiner Facebook-Seite mit folgenden Worten: „Ras Putin, einer der großen unterschätzten Rapper der 90er Jahre, hat eine neue EP am Start. #Auscheckpflicht“. Ein Hashtag über das man sich als Rapper freuen darf und Grund genug für umweltverschmidtzung den Herren zum Verhör zu laden:

    Was hat dich eigentlich dazu inspiriert Hip-Hop Musik zu machen?

    Ich habe 1993 die Fantas das erste mal im Radio gehört und sofort angefangen deutsche Rap-Texte zu schreiben. Ich hatte schon 1986 mit Breakdance angefangen. Bin aber nie auch nur im Traum darauf gekommen das Rap auf deutsch funktionieren würde. Eure Idole, die sich heute oldschool nennen, haben da noch Ronnies Pop-Show gehört.

    Dein Album heißt „Der Funk ist zurück“. Auch Snoop hat ja ein Funk-Album rausgebracht an dem viele Funk-Legenden mitgearbeitet haben. Wenn du Künstler frei für eine Zusammenarbeit auswählen könntest, welche features würdest du dir wünschen?

    Ich wünsche mir keine Features mehr. Mir ist noch nie eins gerecht geworden.Ich war bisher eigentlich nie mit einem feature so richtig zufrieden. Rapper die ich gerne featuren würde gibt es nicht. Wenn sich eine Zusammenarbeit im kreativen Flash ergibt, mache ich mit jedem Musik.Aber nicht auf Bestellung. Würde gerne mal mit Samy im Studio chillen, aber der ignoriert mich schon seit 20 Jahren aktiv… das kostet doch nur Energie.

    In deinem Song Wing-Tsung bezeichnest du deinen Style als ‚entartete Kunst‘. Wenn deine Kunst entartete ist, wie wertest du den ‚Normalzustand‘ des Hip-Hop heutzutage?

    Ich sage nicht, dass ich für die Szene „entartete Kunst“ mache. Entartete Kunst wurde im dritten Reich alles genannt, was irgendwie Ausdruck hatte.  Heutztage hat man auch Angst vor Ausdruck. Erlaubte Kunst waren Abbildungen von Gegenständen: eine Wiese, ein muskulöser Landwirt, ein Pflug… Die Szene und die Medien funktionieren heute genauso. Man hat Angst vor Kreativität und bildet nur die vorherrschenden Schlagwörter ab. Die Leute wurden bereits so sehr programmiert, daß sie bei echter Kreativität regelrecht wütend werden und unglaublich viel Energie dazu verwenden, um weg zu gucken.

    Wie sehen deine Pläne für die nächste Zeit aus? 

    Ich mache keine Pläne mehr. Ich will glücklich bleiben und noch glücklicher werden. Vielleicht ist das mit Rap gar nicht möglich. Hier hat man es oft mit unbegrenzter Idiotie zu tun und das macht mich krank. Ich will einen Garten pachten und Gemüse anbauen. Das ist mir sogar wichtiger als Platten heraus zu bringen. Doch im Dezember kommt dann trotzdem schon die nächste Platte „Diamanten und Dreck“.

    Seinen persönlichen Lieblingstrack von der Der Funk Ist Zurück EP hat uns Rasputin leider nicht verraten. Im Prinzip war das auch nicht so wichtig, da jedes der fünf Lied ziemlich nice geworden ist. Wir bedanken uns für das Interview und schließen uns der Meinung von Herrn Schacht an: „Checkt das Album ihr motherfunker!“

    Artwork by Flowing Creation (Florian Wohlleben) und Rasputin
    Artwork by Flowing Creation (Florian Wohlleben) und Rasputin
  • umweltverschmidtzung-Mixtape #3: Jon
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    Jon Fischer … gemalt von Jessica Schmidt

    Es ist wieder Mixtape-Mittwoch. Der einzige Mittwoch in der Woche, an dem DJs und Musikliebhaber für mehr umweltverschmidtzung musizieren. Das Prinzip ist einfach: DJs, die vielleicht nicht jeder kennt, aber jeder kennen sollte, präsentieren einen Mix zu einem Thema.

    Das umweltverschmidtzung-Mixtape kommt in dieser Woche von Jon Fischer. In seiner, noch jungen Karriere, hat sich der Mann aus dem Norden als musikalisches Trüffelschwein erwiesen. Mit einem überzeugenden Riecher kramt der Hamburger Jung gezielt die Perlen der Musikwelt aus, wobei man neidlos anerkennen muss: Soviel Geschmack findet man in seiner Generation heutzutage nur noch selten. Das soll hier jetzt auch nicht klingen wie eine Werbung für eine Person auf einer Singlebörse, aber wenn jemand ein Talent hat, dann soll man ihm das ja auch gönnen.

    Musik ist Herr Fischers Leidenschaft und wenn er selbst den Musikbespasser spielt, dann legt er am liebsten Hip-Hop auf.

    Hier gibt’s nun für euch den Mix zum Thema „Sommer-Sonne-Sonnenschein“ und wer mehr  über Jon erfahren will, dem sei sei sein Blog Heavy As Boulders empfohlen.

  • YOU Berlin 2014

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    Am Samstag folgten wir der Einladung des Club of Skates, um uns den COS Cup 2014 auf der YOU anzugucken. Wir hatten das Vergnügen großartige Skater wie Patrick Rogalski oder Andreas Welther fahren zu sehen. Außerdem nutzten wir die Zeit um zu prüfen ob die Leitmesser für Jugendkultur, abgesehen von der Serie der offiziellen Deutschen Meisterschaft im Skateboarden, auch noch interessant für Ü30-Jährige ist. Wir hackten Herzen aus Dachziegeln, stritten mit Teenagern um Chai Latte und feuerten den Nachwuchs beim Breakdance an. Wir haben uns gefreut das Patrick Rogalski an diesem Tag, vollkommen zu Recht, den ersten Platz des Berliner Contests gewonnen hat und kommen zu dem Entschluss: Man ist nie zu alt, um sich jung zu fühlen.

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    Alle Informationen rund um die Messe findet ihr auf der Internetseite der YOU. Tickets ab 8.- €.

    Alle Informationen über die offizielle Deutsche Meisterschaft im Skateboarden, den PlayStation 4 COS Cup  gibt’s ebenfalls auf deren Homepage oder auf der Club of Skaters Facebook-Seite.

    (Fotos: Marcus Bläsing)

     

  • umweltverschmidtzung-Mixtape #2: Jens und der Funk
    Seine ontai Shirts sind 'so Berlin'. Könnt ihr kaufen - wenn ihr auch mal ein bisschen geil aussehen wollt
    Seine ontai Shirts sind ’so Berlin‘. Wer auch mal ein bisschen geil aussehen will, der kann das kaufen. Ist ja auch bald wieder Fashion-Week.

    Da is’er wieder: der Mixtape-Mittwoch. Der einzige Mittwoch in der Woche, an dem DJs und Musikliebhaber für mehr umweltverschmidtzung musizieren. Das Prinzip ist einfach: DJs, die vielleicht nicht jeder kennt, aber jeder kennen sollte, präsentieren einen Mix zu einem Thema.

    Das umweltverschmidtzung- Mixtape #2 kommt diesmal von Allrounder Jens Hohmann. Seit 1992 versorgt er die Tanzflächen der Hauptstadt mit guter Musik – mal als DJ, mal als Veranstalter. Seit diesem Sommer stachelt er die Großstadtkinder dazu an, sich den Park zurückzuerobern und zu den live DJs des OpenAir to go im Grünen zu tanzen. Eine Veranstaltung die jeder gesehen haben sollte, denn anders als bei den üblichen Open Airs bringt jeder seine eigenen Boomboxen, Ghettoblaster oder sonstige Arten mobiler Radios mit, durch die dann die Musik über eine freigegebene Frequenz dröhnt.

    Wenn der Jensemann nicht grade selbst die besten Veranstaltungen der Stadt organisiert, dann informiert er auf The Club Map über Veranstaltungen, die er für ‚gut‘ befindet oder bloggt auf ontai über dieses und jenes. Das er bei all diesen Aktivitäten noch die Zeit findet, die lustigsten Katzenbilder der Welt im Internet zu finden, ist schon beeindruckend. Und nun gibt es vom Master of time-management some ‚pure funky disco shit‘ für euch:

    cvbnm,.

  • Die Folgen des Yolocaust und seine Opfer

    Berlin / Kreuzberg.

    Am frühen Sonntagmorgen ist das Glashaus der Arena noch immer Schauplatz des Exzess der Generation-Yolo. Die ganze Nacht haben diese passiv-agressiven Ketha-Kids viel Liebe zum Detail in ihre aufgesetzt Gangster-Attitude gesteckt. Da wird böse geguckt bis die Augenbrauen verkrampfen und getanzt bis der Swag aus jeder Pore trieft. Jeder dieser kleinen Unsympathen ist Experte in der hohe Kunst der exzessiven Feierei ohne dabei wirklich fröhlich auszusehen. Nichts wäre für das Getto-Image dieser wannabe-Lil’Waynes schädlicher als ein nettes Lächeln oder das geringste Anzeichen von Freundlichkeit. Gerne würden sie sich ein schönes ‚fuck y’all ya‘-Tattoo ins Gesicht oder wenigstens auf die Finger stechen lassen – aber das erlaubt die Mama nicht. Aus lauter Frust über diese Ungerechtigkeit ziehen die selbsternannten Anti-Helden los um sich richtig schön den Arsch zu zusaufen, und wenigstens mal eine Nacht in der Woche ordentlich auf die Kacke zu hauen. Wie ein Ballermannurlaub nur in der eigenen Stadt, denn man gönnt sich ja sonst nichts.

    War die vorangegangene Hipster-Generation noch schwer mit der Individualität beschäftigt, blühen diese kleinen Assis in der Gruppe richtig auf. Es ist das Comeback der Halbstarken, bei denen die Fresse von Gruppenmitglied zu Gruppenmitglied größer wird. Gegenseitig finden sie sich richtig geil, aber sich selbst finden sie am Geilsten. Geilen Typen wie diesen widmeten die Hosen „Hier kommt Alex“, und sie wären  eine Bereicherung für jeden Hooligan-Verein. Ihr Typus war schon in den 30er in Deutschland gern gesehen und weit verbreitet. Gruppendynamik genießen ohne zu wissen, was das eigentlich ist. Hatte die frühere Generation Hipster noch irgendeine Art von Intelligenz, setzen die Opfer des yolocaust alles daran auch die letzte Hirnzelle für immer zu vernichten. Eine Party funzt erst dann, wenn die emotionale Intelligenz ertränkt wurde.

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    Ursprünglich für den Auftritt von Kool Savas gekommen fand ich mich in der Mitte  dieser präpubertären Mittzwanziger, die auf ihren Mischkonsums offensichtlich nicht klar kamen. Von einer Minute auf die andere wurde ich erwachsen. Jahrelang selbst am Peter-Pan-Syndrom erkrankt, wollte ich nichts mit dieser Jugend zu tun haben. Für mich waren diese Kids ‚the definition of wack‘ und ich fragte mich, ob ich mich wohl damals in dem Alter genauso scheiße, peinlich und asozial benommen hatte? Was zur Hölle muss man sich ballern, um sich so zu benehmen? Waren die nüchtern nett? Waren die zwischendrin überhaupt mal nüchtern? Was macht man als Mutter von so einem Arschlochkind??? Dürfen Eltern Kinder, die sich so benehmen, als Organspender nach Rumänien verkaufen? Auch wenn die Leber niemandem nützt, könnten sie vielleicht doch noch das ein oder andere Leben retten… Fragen über Fragen beschäftigten mich, während ich da an der Seite der Tanzfläche stand und den Opfertanz beobachtete.

    Dabei war ich gekommen, um diese Partys zu mögen. Ich wollte ein Fan werden. Nicht wegen der Arschlochkinder, die wollte ich am liebsten einzeln in der Spree ertränken, eher weil ich wild entschlossen war zukünftig an meiner Freundlichkeit zu arbeiten. Wer f***en will sollte freundlich sein, aber außer mir war hier niemand freundlich und ich fragte mich warum?

    Hatte der Yolocaus vielleicht wirklich ernsthafte, psychische Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung  dieser peer-group hinterlassen? Waren das die Opfer eines posttraumatischen Stresssyndroms? Löste das ganze yolo-massephase-babbo-bitch Getue vielleicht wirklich Irritationen in der Identität und in dem Gefühlslebens der kleinen Arschlöcher aus? Waren das hier am Ende gar keine kleinen Arschlöcher  sondern hatten diese armen Seelen nur Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Kontakte? War die Enttäuschung kein ein g-thugs zu sein und niemals einer zu werden zu groß? Waren sie deshalb misstrauisch und feindselig gegenüber ihrer Umwelt? Die etablierte Mittelschicht muss man ja erstmal verkraften. Vielleicht tat ich den kleinen Arschlöchern unrecht und sie waren bloß zutiefst traumarisiert und ihre gewaltbereite Haltung war nur ‚ein stummer Schrei nach Liebe‘- um es mal mit den Worte der Ärzte auszudrücken. Die Fremdscham dieses tief traurige Anblicks trieb mich allerdings selbst fast an den Rande einer Depression. Savas hatte ich verpasst und so gab es keinen Grund für mich zu bleiben.

    Als ich die Getto-Hipster ihrem Schicksal überlies, kam ich auf dem Hof an einem Chauffeur vorbei. Dieser war offensichtlich grade in einen lautstarken Streit mit einer Gruppe halbstarker Arschlöcher verwickelt. Ganz beflügelt von soviel Überzahl hatten die kleinen Assis den Mann dumm von der Seite angepöbelt, der offensichtlich auf einen der Künstler wartete, den die Getto-Hipster kurz zuvor drin noch hart gefeiert hatten. „Ihr dämliches halbstarkes Hipster-Pack fühlt auch in der Gruppe so toll! Ihr zugezogenen Vollidioten“, schimpfte er, und auch wenn ich selbst ein zugezogener Vollidiot war, musste ich ihm recht geben! Ich bewunderte ihn aufrichtig für seine Contenance den kleinen Arschlochkindern nicht einfach eine zu langen. Verdient hatten sie’s, und es wäre vielleicht eine wertvolle Lektion gewesen zukünftig grundloses Pöbeln zu lassen. Natürlich möchte ich nicht eine ganze Generation in eine Schublade stecken, doch wann genau ist dieser ‚return of the Halbstark‘ eigentlich passiert? Und vor allem: Warum???

    Ich war zu dem Entschluss gekommen, dass ich nie so war. Ich habe auch bis zum abkotzen gefeiert – und das meine ich nicht metaphorisch. Ich bin noch immer bekennender Freund des Rock’n Roll Lifestyles. Aber ich bin auch bekennender Freund von Höflichkeit, Nettigkeit und Aufmerksamkeit – wenn man mich lässt. Ich kann saufen wie ein Loch, aber selbst kurz vor der Alkoholvergiftung ordere ich den letzten Drink noch mit einem freundlichen ‚bitte‘. Wenn man mich reizt, dann mache ich zweimal sehr höflich darauf aufmerksam das bitte zu unterlassen. Nach den Konsequenzen sage ich sogar in aller Ruhe:’Entschuldigung, aber ich hatte dich ja gewarnt!‘. Zugegeben, ich trage Abends selbst gerne mein ’no new friends‘-Gesichtchen, aber nicht weil ich auf Krawall gebürstet bin, sondern weil ich nicht angequatscht werden will – silence not violence.

    Ich werde die kleinen Assis vermutlich nie verstehen und so hat es nur eine halbe Stunde auf einer Party gebraucht um den Kontakt zur Jugend für immer zu verlieren. Jetzt ist es offiziell: Ich bin alt! Ab jetzt werde ich viel Zeit damit verbringen, mich über die Jugend heutzutage zu beschweren, über ihren behinderten Musikgeschmack zu lästern, über ihre gefakte Attitude abzurotzen und einen ‚früher war alles besser – auch die Zukunft‘-Spruch nach dem anderen zu droppen. Außerdem werde ich ab sofort auf einen Sitzplatz im Bus bestehen und Jüngere dazu nötigen, für mich aufzustehen. Wollen wir den Chabos doch mal zeigen, wer hier der Babo is‘. Etwas Respekt vorm Alter … ihr biiiitches!

  • Mit Kaffee und Keksen gegen die soziale Isolation

    Plakat_sw_2Hand aufs Herz liebe Großstädter: Wer von euch kennt seine Nachbarn? Habt ihr ein Gesicht zu dem Typen, der am liebsten dann laut Musik hört, wenn ihr schlafen wollt? Ihr kennt vielleicht die Beziehungsprobleme des lautstark streitenden Pärchens in der Wohnung nebenan, doch kennt ihr auch ihre Vornamen? Anonymität ist eine seltsame Sache. Wohnt man auf dem Dorf, findet man sie höchstens auf den Treffen der Alkoholiker. Lebt man in der Stadt, begegnet man ihr bereits im Hausflur. Sich beim Einzug den Nachbarn mit selbstgebackenem Kuchen vorzustellen ist theoretisch eine schöne Idee, wird aber nie praktiziert. Erst wenn der Postbote das Päckchen bei den Nachbarn abgibt fängt man an, die Klingelschilder der fünf Stockwerke  nach einem Namen durchzusuchen, den man zuvor im Leben noch nicht gehört hat.

    IMG_3189_beschnitten(1)Die Initiative auf halber Treppe hat sich zum Ziel gesetzt, der Kommunikation unter den Bewohnern eines Mietshauses etwas auf die Sprünge zu helfen. Die Idee hinter dem Projekt ist einfach: Bei Kaffee und Kuchen im Treppenhaus die nachbarschaftliche Beziehung zu vertiefen und so dem Zusammenleben mehr Qualität zu geben.

    Auf halber Treppe, das sind Caro, Susanne, Simon, Carlotta und Karo. In einem Seminar an der Humboldt-Universität wurden sie vor die Frage gestellte, wie man soziale Probleme wirtschaftlich löst und ein „Kaffee auf halber Treppe“ war ihre Antwort.

    Die erste Veranstaltung haben sie bereits 2012 organisiert. „Damals haben wir noch all unsere Freunde dazu überredet, dass in ihren Mietshäusern auszuprobieren“, erinnert sich Karo. Seither helfen sie allen, die ihre Nachbarn kennenlernen wollen indem sie an einem Wochenendtag für zwei Stunden ein Café im Treppenhaus organisieren. Mit Keksen, Kaffee und Tee locken sie die Nachbarn  in das Treppenhaus, dass sie zuvor gemütlich hergerichtet haben. „Geld für die Grundausstattung haben wir damals von think big gesponsert bekommen. Viel braucht es ja nicht: Kissen, Geschirr, ein paar Kerzen..“, berichtet Susanne.

    Nicht nur bei Mietern kommt das Projekt gut an. Auch Hausbesitzer und Wohngenossenschaften schätzen die Idee, denn ein freundliches Miteinander und eine positive Nachbarschaftsatmosphäre geben der Immobilie einen Wert, der mit Geld nicht aufzuwiegen ist.

    Wem das Konzept gefällt und wer seine Nachbarn ebenfalls kennenlernen möchte, der kann auf halber Treppe auch in seinen Hausflur einladen. Wie genau das funktioniert und was ihr dafür tun müsst erfahrt ihr auf der Internetseite der Initiative. Außerdem kann man das Projekt noch bis zum 15. Juni bei der Quartiermeister- Online-Abstimmung unterstützen und das sollte man auch tun, um mit seiner Stimme die Lebensmittel und die laufenden Kosten für weitere Nachbarschaftstreffen zu sichern.