umweltverschmidtzung.

create to cultivate and inspire

  • Ms. Hill got skills

    Müsste ich ein Vorbild nennen, so wäre es sicher the one and only Lauryn Hill. Ich erinnere mich noch, wie ich damals The Score in einem Plattenladen in London fand und seither hat Ms. Hill sicherlich das Bild einer Frau geprägt, die ich mal werden wollte. Nun hat sie wieder eine neue Single draußen, welche am Vorabend ihrer Entlassung aus dem Gefängnis veröffentlicht wurde. Und so ist des Einen Leid, des Anderen Glück, denn das sie wegen Steuerhinterziehung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, gehörte vermutlich nicht zu den schönsten Momenten in ihrem Leben. Doch das sie deshalb noch nicht mit der Musik aufhören konnte, gehörte zu den besten Nachrichten in meinem Leben.

    Letters From Exile is material written from a certain space, in a certain place“, umschreibt sie die Inspriationsquelle und Ursprungsort ihrer neuen Werke diplomatisch. Ihre aktuellen Tracks haben sich klanglich weit von The Miseducation of Lauryn Hill entfernt und sind wesentlich lauter, wütender und aggressiver. Auch inhaltlich geht sie nicht mehr in ihre gewohnte Tiefe, und so klingt es tatsächlich als müsse sie sich ‚auskotzen‘. Aber das ist okay für mich, solange sie nur ihre Gedankengänge mit mir teilt.

  • Alter Schwede!

    Ich gebe es nur sehr ungern zu, doch mein neuer Mitbewohner ist ein noch krasserer Musiknerd als ich es bin. Nachdem sich mein Ego damit abgefunden hatte, dass ich vielleicht doch nicht der Evel Knievel der Musikwissenschaften bin, erkannte ich allerdings hier meine Chance: Endlich kann ich von einem Meister lernen. Neben meinen Wissenslücken über schwedische Verwertungsgesellschaften, irischen Undergroundpunks und die Entwicklung von Death Metal-Bands seit den 80ern, habe ich auch ein bisschen was über die aktuelle Musikszene in Stockholm lernen können. Eine neue Entdeckung von der ich sicher bin, dass sie in Deutschland mindestens genauso gut ankommt wie Köttbullar, ist Mapei:

    https://soundcloud.com/mapei/dont-wait

    Die schwedische Newcomerin aus der Downtown Records – Familie (Santigold, Cold War Kids, Gnarls Barkley) kehrt nach einer Pause mit einem neuen Album zurück. Don’t Wait wird offiziell am 5. November veröffentlicht, und klingt weniger Hip-Hop-lastig als ihre alten Stücke. Auf ihrem aktuellen Track kommt die Sängerin aus Stockholm daher vergleichsweise entspannt rüber. Mit scheuem Schlagzeug und Finger Snaps erinnert die Melodie des Songs stellenweise leicht an Lykke Li’s Dance, Dance, Dance. Zudem war Minimalismus bei der digitalen Bearbeitung der Vocals offensichtlich kein Leitprinzip, so dass gesanglich eine Brise Karin Elisabeth Dreijer Andersson mit schwingt. Dennoch hat das, gemeinsam mit Magnus Lidehall produzierte, Stück eindeutig Hitpotential ohne dabei abgeschmackt zu klingen.

  • STROKE 2013: Linus Ma
    pictures©by Linus Ma.
    pictures©by Linus Ma.

    Analog ist für Linus Ma ist die einzig wahre Art zu photographieren. Eigentlich arbeitet er in einem angesagten Berliner Club, aber seit fast einem Jahr widmet er sich immer mehr der Fotokunst. Die Bilder, die er mit seiner Analog-Kamera schießt, sind ausnahmslos Momentaufnahmen in schwarz-weiß.

    Die Grundlagen hat er von einem Freund beigebracht bekommen, und das Model auf den beiden Bildern ist sein Kumpel Clemens. „Als er auf der Bread & Butter gearbeitet hat, ist mir aufgefallen das er im Anzug richtig gut aussieht. Ich hatte diese Idee zu den Fotos bereits im Kopf und habe ihn dann gefragt, ob er das Model sein will. Wir standen dann vor dem Tacheles und ich habe die Frau, die man auf dem Bild links neben ihm sieht, schon von weitem kommen sehen. Jetzt musste ich nur noch warten, um den perfekten Moment zu erwischen. Nach dem Shooting wäre meine Kamera beinahe von einer Zigeunerin geklaut wurden. Das wäre ziemlich scheisse gewesen! Nicht nur wegen der Kamera, sondern weil eben dieses Bild drauf war“, erzählte er mir heute. Allerdings wäre das scheisse gewesen! Dank viraler Verbreitung gingen diese Bilder nämlich in Rekordzeit um die Welt. Nach soviel positivem Feedback sollte sich Linus fragen, ob es nicht an der Zeit ist der Club-Welt ade zu sagen, um zu gucken was die Welt der Kunst für ihn zu bieten hat. Ich bin jedenfalls von seinem Debüt mehr als begeistert und schon sehr gespannt, was von ihm in Zukunft noch kommen wird.

    Linus Ma lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten kann man auf seiner Seite www.linus-ma.com sehen, oder aber noch bis Sonntag auf der Stroke.

    Linus Ma
    Linus Ma

    Die gezeigten Fotos könnt ihr als Poster A1 (60x85cm) zum Preis von 20,- €, oder als Druck hinter Arcyl/Glass (50x75cm) zum Preis von 1 400€ auf der STROKE erwerben.

  • Clash of Titans: Noam Chomsky vs. Michel Foucault

    Im Jahr 1971, auf dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges, trafen sich Noam Chomsky und Michel Foucault um im holländischen Fernsehen über eine grundsätzliche Frage zu diskutieren: Gibt es so etwas wie eine angeborene menschliche Natur? Oder werden wir allein durch die Kraft der kulturellen und sozialen Institutionen um uns herum geprägt? Die Denker beantwortet diese Fragen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, so dass der Zuschauer eine ziemlich knappe Einführung in ihre grundlegenden Theorien und ihr jeweiliges Weltbild erhält.

    Selbst 42 Jahre später ist dieser Kampf der beiden geistigen Titanen noch von inhaltlicher Relevanz, und deshalb lohnt es sich diese Debatte auf YouTube (in Teilen oder in ihrer Gesamtheit) anzugucken. Die beiden ersten Clips zeigen die Highlights mit Untertiteln. Im unteren Clip könnt ihr die ganze Debatte von Anfang bis Ende, jedoch ohne Untertitel, ansehen.

  • Anti – Hero Skateboards

    Dank Tony Hawk weiß auch der letzte Computerspiele-Nerd, mit welcher Tastenkombination man einen Kick-Flip steht. Trotzdem gibt es neben dem Tony tatsächlich noch andere Fahrer, die sich mit dem Sport zwar keinen goldenen Arsch verdient haben, deren Geschichte aber trotzdem erzählenswerte ist.

    AndyRoy

    Andy Roy gibt es schon seit den 1980er Jahren und aus seinem Leben gibt es einiges zu berichten. Andy hat zwar keine Stiftung gegründet,  die „Kindern und Jugendlichen in Krisengebieten Hoffnung auf vier Rollen“ bringt, doch dafür teilt er bereitwillig die dunklsten Geheimnisse seines Lebens.

    „I grew up with punk rock and drinking and causing trouble and going on roadtrips. I was getting in fights and trying to get black eyes and getting my teeth knocked out.“

    Nach seinem Rausschmiss bei Santa Cruz wurde Roy Mitglied des Anti Hero-Teams. Anti-Hero schien die perfekte Skateboard Firma für ihn zu sein, denn es war kein Bullshit Corporate Unternehmen, dem es nur um Kohle ging. Hier drehte sich wirklich alles nur um’s Skateboarding – und Bier trinken. Den Jungs war es ziemlich egal ob sie in irgendwelchen Magazinen abgelichtet wurden, oder ob sie die coolsten Skatevideos produzierten. Bei Anti-Hero war der Name Programm, und die Firma und ihre Fahrer wurden zu einer einzigen Gegenreaktion auf die Mainstream-Skater.

    Andy_Roy

    Hätte soweit also alles ziemlich gut für Andy laufen können, hätte er nicht eines Tages weniger Bock auf skaten, dafür aber mehr Bock auf junken gehabt hätte. Schließlich nahm Andy Roy die falsche Abzweigung im Leben, wurde drogenabhängig, flog aus dem Team und wanderte schon ziemlich bald in den Knast. Dort verbrachte er dann zwei Jahre, und um mal das Positive an der Sache zu sehen: Danach war er zumindest clean.

    Nach seiner Entlassung begann er Kindern das Skateboardfahren  beizubringen und ihnen das Lebensgefühl zu erklären, welches er mit diesem Sport verbindet. Anti Hero war ziemlich erfreut über seine positive Entwicklung, und nahm ihn als Special Guest wieder mit auf Tour. Mittlerweile ist er Vater und hat sein Leben im Griff.

    Andy ist einer dieser Anti-Heroes, deren Geschichten bis zum tiefsten Punkt im Leben gehen, die meiner Meinung nach aber in unserer Gesellschaft nicht genug gewürdigt werden. Sie sind eben nicht die geeignete Vorbilder, wie es richtige Superhelden sind. Doch gäbe es die Andys nicht, wer würde uns dann zeigen, dass man auch nach dem tiefsten Fall wieder seinen Weg an die Spitze finden kann?

  • Let’s take it back to the old school

    Wäre die Entstehungsgeschichte des labels Zoo York ein Buch, wäre Von Zerstörung und Neuanfang ein passender Titel. Aber gute Dinge entstehen in der Regel nicht über Nacht, und manchmal muss man den Karren gegen die Wand fahren, um seine Lektion zu lernen. Nach jedem Ende kommt aber zum Glück ein Neuanfang – und dieser ist oft viel besser, als alles bisher da gewesene. So, oder so ähnlich, war das damals auch bei der Zoo York Company.

    Nachdem das ursprüngliche Unternehmen in Folge eines kostspieligen juristischen Kampfs um Markenverletzungen gezwungen war zu schließen, gründeten Rodney Smith gemeinsam mit Eli Gesner und Adam Schatz im Jahr 1993 Zoo York. Es war die erste East Coast Skateboard Firma, die in ihren Kollektionen die Einflüsse der Graffiti- und Hip-Hop-Kultur erfolgreich zusammenbrachte.

    Das Zoo York Mixtape aus dem Jahr 1997 ist ein Dokumente der Anfangszeit der Marke, und zeigt fast eine komplette Stunde feinstes Skate Footage von Teammitgliedern wie Harold Hunter, Peter Bici und Jeff Pang. Damit das Ganze nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch noch gut klingt, hat man das Video mit Freestyle-Aufnahmen von Busta Rhymes, Fat Joe, Ghostface Killah und Method Man unterlegt. Gefällt? Gefällt!

    Zoo York  auf der BRIGHT · Tradeshow 2013
    Zoo York auf der BRIGHT · Tradeshow 2013
  • Skateboarding is not a crime – Ai Weiwei

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    Der chinesische Aktivist und Konzeptkünstler Ai Weiwei ist ein Meister der Umbenennung und Umdeutung, weshalb die Stärke seiner Kunst besonders im sozialen Kommentar liegt. Alles was er tut, ist mit Bedeutung.

    Nun hat Weiwei, der zuletzt internationale Aufmerksamkeit in Bezug auf seine unrechtmäßige Inhaftierung erhielt, für Sk8Room drei verschiedene Board-Entwürfe designt. Die Bretter sind ab jetzt für ungefähr $ 300USD erhältlich. Jedes Deck ist von Hand nummeriert, signiert und auf eine Auflage von 150 Stück limitiert.

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  • Es gibt sie wirklich. Menschen, die ich aufrichtig bewundere: Aaron Rose

    Oft werde ich mit dem Vorwurf der Misantrophie konfrontiert, und oft finde ich das ungerecht. Ich mag Menschen! Manchmal… nur eben nicht immer. Und ganz sicher nicht alle. Um ganz ehrlich zu sein ist die Anzahl der menschlichen Exemplare die ich schätze, tatsächlich überschaubar. Doch das ist nun wirklich nicht meine Schuld, sondern eher die Schuld meiner Mitmenschen, die mir selten einen Grund geben sie zu mögen. Eine Zeit lang habe ich aufrichtig versucht Mittel und Wege zu finden, mehr Sympathie für die Mehrheit dieser Spezies zu entwickeln – mit mäßigem Erfolg. Die Frage ist doch nicht, was kann ich tun um die Menschen zu mögen, sondern vielmehr: Was können Menschen tun, damit ich sie würdigen kann? Anerkennung, in welcher Form auch immer, gibt es von mir eben nicht einfach geschenkt. ‚Mögen‘ tut man nicht einfach so. Für ‚mögen‘ gibt es Gründe. Neben Charaktereigenschaften schätze ich viele Menschen vor allem auch wegen ihrer Arbeit, und deshalb werde ich auf meinem Blog nun jede Woche Menschen vorstellen, deren Arbeiten mein Leben bereichern.

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    Den Anfang mache ich mit jemandem, dessen neustes Werk New York La La La mir heute den Tag versüßt hat, und den ich für seine Arbeit sehr schätze. Der Künstler Aaron Rose ist für mich ein Vorreiter der Modern Urban Art Bewegung. Zehn Jahre war er Inhaber und Direktor der Alleged Gallery in New York, und hat zudem die Ausstellung Beautiful Losers: Contempory Art & Street Culture ko-kuratiert. Beautiful Losers ist, neben einem Begriff in meinem aktiven Sprachschatz, in erster Linie ein  Projekt welches bis 2009 weltweit als Wanderausstellung zu sehen war, und im gleichnamigen Film dokumentiert wurde.

    Laut Aaron Roses ist das Leben nicht mehr ist als ein Verzeichnis aus Symbolen: „Wir sind immer und überall auf der Suche nach Symbolen, die uns dabei helfen sollen, den Sinn unserer Existenz zu begreifen. Vom Weltlichen bis hin zum Mystischen, Symbole sind Totems, die das Chaos strukturieren und dazu beitragen uns als Stamm zu defnieren“.

    Und wie kein Zweiter setzt er in seinen Arbeiten diese Symbolik ein, um das Lebensgefühl einer ganzen Generation zu transportieren, wie man in diesem Spot für Levis deutlich sehen kann:

    In seinem neusten Werk New York La La La, das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit André Saraiva, zeigt uns Rose mit Hilfe dieser Symbolik die schönen Seiten von New York. Dazu nimmt er die Pro-Skater Jerry Hsu, Austyn Gillette und Josh Harmony und steckt sie in überteuerte Anzügen von Dior, Yves Saint Laurent und Prada. Dazu steckt er noch ein paar hübsche Models in Reizwäsche, und fertig ist das neuste Meisterwerk: New York La La La.

    http://www.nowness.com/day/2013/9/25/3359/new-york-la-la-la

    http://bcove.me/ii5oq7vzhttp://vimeo.com/45932991

  • „Hast du was gegen meine Mutter gesagt???“
    Foto: "Ratte" von Christiane Eisler
    Foto: „Ratte“ von Christiane Eisler

    „… ey, weisst du? Du kannst mir meinen Schwanz lutschen! … du alte SPD Wählerin!“, beendete der Typ mit der jugendlichen Problemhaut seinen Monolog. „Heißen die SPD? Neee… heißen die nüsch‘ … NPD heißen die doch??? … diese, diese… du weisst schon… SPD oder NPD oder wie jetzt???“, fingen seine Kumpels an zu diskutieren. „Angesichts soviel Dummheit ist jedenfalls nicht die SPD schuld, dass ich nicht in Stimmung für Oralsex bin. Ihr seid die Evel Knievel der Politikwissenschaften, oder was?“ fragte ich und musste lachen.

    Eigentlich wollte ich doch nur schnell eine Freundin zu Bahn bringen, als ich auf die Kreuzberger Ausgabe der Daltons traf. Die Nachwuchsgangster hatte die geniale Idee, sich unbedingt neben mich setzten zu wollen – obwohl jeder beschissene Sitzplatz in diesem scheiß U-Bahnhof frei war. Menschen, die wie ich mit einer extrem niedrigen Geduldsgrenze geboren wurden, wissen das man sich in solchen Situationen vom Leben verarscht fühlt! Zu meiner großen Freude fingen sie auch gleich mit der Kontaktaufnahme an. ‚Ignorieren. Einfach ignorieren. Du kannst das! Ommmmm…‘, versuchte mich meine innere Stimme zu beruhigen. Ich bin eigentlich echt ein friedliches Ding, aber grade wollte ich denen nur ganz Namaste-mäßig eine reinhauen. Ich weiss, so was sollte man nie öffentlich zugeben, um sich das ‚Gewalt ist keine Lösung‘-Geschwafel seiner Mitmenschen zu ersparen. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass Schläge oft mehr sagt als tausend Worte. Aber entgegen meiner Erfahrung versuchte ich es mit der ‚reden‘-Variante: „Mache ich den Eindruck als hätte ich Bock mit euch zu reden? Wenn das so ausgesehen haben soll, tut’s mir leid! Is’nämlich nich’so!“ Doch nun wollten sie erst recht reden. Alle. Auf einmal. „Okay, okay. Jungs. Stopp!“ unterbrach ich sie, während ich mich über mich selbst ärgerte, dass ich nicht doch gleich die Gewalt-Variante gewählt hatte. „Hört bitte auf mich vollzuquatschen! Ihr seid vermutlich zu besoffen um es zu bemerken, aber ich bin alt! Sehr alt! Ich könnte locker eure Mutti sein! So was wollt ihr doch nicht abbaggern?!“ Ich fand’ich hatte das grade irre freundlich rübergebracht… Sie fanden das allerdings nicht und wollten wissen, weshalb ich nicht mit ihnen reden wollte. ‚Weil ihr Spastis seid‘, habe ich gedacht, aber gesagt habe ich: „Ich bin echt kein Freund von Menschen. Und außerdem unterhalte ich mich nicht gern! Liegt nicht an euch…“ Total diplomatisch, und total uneffektiv. Hat die nicht eine Minute davon abgehalten, mich weiter dumm von der Seite anzuquatschen! „Jungs, was muss ich noch tun damit meine Nachricht ankommt? Würden Handpuppen helfen? Ein kleines Schattenspiel? Soll ich meine Botschaft tanzen??? Ich bin KEEEEIN Menschenfreund! Ich will eure Namen nicht wissen, und ich will euch meinen nicht sagen!!! Ihr seid unlustig und dumm, und ich will einfach nur das ihr euch verpisst!!!“ Ups, verpisst hatte sich zumindest schonmal meine Diplomatie.

    Ich mag keine Menschen, aber Wohlfühlbereiche, die mag ich sehr! Leider verhalte ich mich oft unberechenbar, wenn jemand meine Grenzen überschreitet. Schläge sind da weniger Vorsatz, als vielmehr Affekt. Da der Kleine in seinem jugendlichen Leichtsinn jetzt auch noch ständig näher kam, fragte ich mich, ob es wohl als Notwehr durchgehen würde, wenn ich ihn jetzt mit bloßen Händen erwürgte…

    Meine Geduld ist nunmal ein sehr zartes Pflänzchen, und wenn ich etwas wirklich nicht leiden kann, dann von fremden Menschen angepackt zu werden! Sehr viel weniger freundlich teilte ich Getto-Casanova daher mit, dass wenn er mich noch mal anpackt, ich ihm das Nasenbein brechen würde. Eine Warnung, die er von einer Frau offensichtlich nicht oft hörte, und so saß ich nun da und musste mir anhören, dass ich ruhig zu sein hätte wenn er spricht, und mich als ‚alte SPD-Wählerin‘ beschimpfen lassen. Ob die SPD wusste, das sie das Zeug dazu hatte, es auf der Liste der coolsten Schimpfwörter nach ganz vorne zu schaffen? Hurensöhne,  Opfer oder Bastarde wären Geschichte. Bald würde Bushido über SPD-Wähler rappen, die er solange in den Arsch fickt, bis sie wissen wer der Babo ist. Der Gedanke gefiel mir, und irgendwie hatte das alles ja auch ganz viel Situationskomik. Trotzdem dankte ich dem Herren für meine Weisheit, nicht Lehrerin geworden zu sein. Eine Klasse mit 20 solcher Kloppis steigert nicht grade die Lebensfreude.

    ‚Say it, don’t spray it‘,  dachte ich mir, wartete aber ruhig, bis er seinen feuchten Vortrag beendet hatte. Dann bedankte ich mich für das top Angebot, seinen Puller lutschen zu dürfen, stellte aber klar, dass mein Mund vermutlich selbst dann nicht in die Nähe seines Pimmels kommen würde, wenn er das letzte Essbare auf diesem Planeten wäre. Zugegeben, kein Mann mag doofe Sprüche über seinen Puller, von daher hätte ich wissen müssen, dass er jetzt erst richtig loslegen würde.

    So langsam wurde mir die ganze Nummer aber einfach zu dumm. Hätte ich Bock auf so was gehabt, dann wäre ich Lehrerin geworden, oder Streetworkerin, oder Thekentante auf einer Muschi-Kreuzberg-Party… Ich gebe zu, dass ich gelegentlich eine Art habe, die nicht unbedingt zur Deeskalation beiträgt. „Alter, so kannst du vielleicht mit deiner Muddi reden. Aber jetzt halt die Fresse, nimm deine Freund und verpiss dich! Du Penner!“, blaffte ich ihn an. „Hast du was gegen meine Mutter gesagt??“, drehte er jetzt völlig ab. „Niemand sagt etwas gegen meine Mutter!“, schrie er, während er sich die Jacke auszog. Mit schiefem Kopf guckte ich ihn an und überlegte… Was macht man denn jetzt in so einer Situation mit so’nem kleinen Prolo-Yolo-Jungen??? Klar, es wäre nicht das Verkehrtest ihm jetzt so richtig eine zu langen. Jemand, der sich so in der Öffentlichkeit aufführt, hatte in seinem Leben vermutlich sowieso viel zu wenig Schläge bekommen. Doch wenn ich dabei das letzte bisschen graue Masse verletzen würde, was er sich noch nicht weggesoffen hatte??? Der Typ war doch bereits das totale Opfer… und so richtig auf mich los gehen wollte die kleine Großfresse wohl doch nicht auf mich. Unentschlossen guckte ich zu seinen Kumpels. Ein paar Mädels im Alter meiner kleinen Schwester waren auch dabei. Alle guckten mich an.

    Ich holte tief Luft und begann: „Also…“, den Blick in die Richtung der Mädels gewandt. „… ich fang’mal mit den Damen an. Ich kann echt nicht verstehen, weshalb ihr mit solchen Assis durch die Gegend zieht! Ich werde seinen Schwanz nicht lutschen, und von euch sollte das auch keiner tun! Überhaupt wäre es wichtig, dass Erbgut wie seins ausstirbt! Habt ihr das verstanden? Was auch immer passiert: Er darf sich niemals fortpflanzen!!! Okay?!“ Keine Reaktion. Egal, manchmal dauert es ja eine Weile bis die Information vom Hirn verarbeitet wird, weshalb ich schonmal mit den Jungs weitermachte: „Was genau is’euer Problem? Ich soll Respekt haben? Ihr benehmt euch aber selbst nicht unbedingt, als wäre euch Respekt wichtig! … und ob ihr das Wort schreiben könnt frage ich jetzt besser nicht…“

    Noch immer saß ich ganz ruhig auf meiner Bank, der Terror-Kindergarten vor mir. Mein Besuch saß verlegen neben mir, nicht das er ähnliche Szene von mir nicht schon gewohnt war, doch mittlerweile hatte ich die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden der U-Banhstation.

    „So, und jetzt zu dir Hase:“ fuhr ich fort. „Du willst dich also mit mir schlagen? Sehe ich das richtig? Das können wir von mir aus nämlich machen. Aber wenn ich das tun muss, dann schlage ich dich nicht wie ein Mädchen!“ Es war mir wichtig das im Vorfeld zu klären, denn meine Mama hat früher immer gesagt, dass ich Schlägerrein nicht anfangen, aber mich ruhig wehren darf. Sollte hinterher keiner behaupten, ich hätte ihn nicht gewarnt. „Deine Mom wird dich jedenfalls danach die Tage erstmal nicht wieder erkennen – ganz egal, was ich über sie gesagt haben soll! Deinen Freunden musst du erzählen, dass du die Prügel von einem Mädchen kassiert hast! Das hier wird noch viel peinlicher für dich enden, als es jetzt schon ist!“

    Ein Kumpel kam plötzlich hinter Akne-Rambo hervor. „Ich möchte mich für ihn entschuldigen! Tut mir echt leid, dass sie so’n Stress hatten!“ … Das kam überraschend! …wow. So was  weckt dann doch die Pädagogin in mir, und ich bedankte mich bei dem jungen Mann für die Entschuldigung und sein reifes Verhalten. Das Pickelchen stand allerdings noch immer wortlos vor mir. „Komm jetzt Alter… Is’okay“, meinten seine Freunde als die Bahn einfuhr. „Ey Mann“, begann er. „“s tut mir auch echt leid und so… aber niemand sagt was gegen meine Mutter. Das is’doch Familie un’so…“ Irgendwie konnte ich das total nachvollziehen. „Schon okay“, entgegnete ich ihm (immer noch nicht ganz sicher, was ich eigentlich gegen seine Mutter gesagt habe). Die Türen der Bahn öffneten sich, und während er einstieg guckte er nochmal über die Schulter zurück und meinte: „Sie sind’ne krasse Frau, wissen sie das?“ Ja, das hörte ich gelegentlich und war mir jedes Mal unsicher, ob das was Gutes oder Schlechtes ist…

    Zu Hause angekommen hatte ich eine Mail im Postfach, in der mir das Thema meines nächsten NLP-Seminars mitgeteilt wurde: Konfliktmanagement. Vielleicht sollte ich mich damit wirklich noch mal näher auseinander setzen.

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    In der Schule versuchten die Lehrer oft vergeblich unsere Freude an der bildenden Kunst zu wecken. Was für Viele bis heute auf der rein hypothetischen Ebene geblieben ist, erklärte Peter Rudl kurz und einleuchtend: „Die Kunst ist der natürliche Feind der Normalität“. Mit dieser Definition liefert der deutsche Aphoristiker auch gleich eine plausible Erklärung, weshalb sich die Kunst in der Hauptstadt so großer Beliebtheit erfreut. Doch der Kultur-Mensch lebt ja nicht von Kunst allein – er will sich auch mal amüsieren, und an dieser Stelle kommt oft Party Arty– Kage ins Spiel. Jan Kage, alias Yaneq, hat nicht nur einen Plan von Kunst, sondern beherrscht zudem noch die Kunst Partys zu machen. Ein Kombination mit dem ihm gelang, worin viele Pädagogen kläglich versagten: Er weckte selbst bei denjenigen wieder Kunst- und Kulturinteresse, die ihre Freude daran irgendwo zwischen Kandinsky- Referaten und Stillleben-malen während ihrer Schulzeit verloren hatten.

    Gemeinsam mit Till Samer, Betreiber der Friedrichshainer Galerie BOX32, und mit Unterstützung von Tobi Grause, dem Besitzer des Clubs  M.I.K.Z , kommt Yaneq nun mit einem neuen Projekt um die Ecke: contURBANaries. Klingt schon ziemlich geil, und das wird es sicher auch, denn hinter dem Namen verbirgt sich eine neue kuratierte Messe für Contemporary & Fine Urban Arts, die vom 19. bis zum 22. September in der Revaler Strasse stattfindet.

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    Die Veranstaltung gibt der international populären Berliner urban Art-Szene eine Plattform. Künstler, Galeristen, Verleger und Aktive präsentieren sich auf der kuratierter Messe.
    Auf 2500 m2 finden sich Berlin Originals und deren internationale Freunde ein. Hier präsentieren sich die Macher selbst, und die Künstler und Aktivisten stehen im Vordergrund – so, wie es sein sollte.

    Aber Party Arty wäre nicht Party Arty, wenn das Ganze ’nur‘ eine Kunstmesse wäre. ContURBANaries ist ein Festival mit Parties an den Abenden, soziales Forum mit Workshops zum Mitmachen, Treffpunkt zum Austauschen und Kennerlernen, einem Kino mit internationalen Filmpro- duktionen und einem Poetry Slam. Zusätzlich werden Soulfood-Stände geboten, die von ausgesuchten Berliner Restaurants betrieben werden. Und es gibt auch einen Spielgarten für Kids, mit Workshops zum Schablonen- Schneiden und eine Wand zum Malen.

    Das klingt so gut, dass man es auf keinen Fall verpassen sollte!

    Viele weitere Infos rund um das Projekt findet ihr auf der contURBANaries– Seite, und für alle social-network-dependents gibt es selbstverständlich auch eine facebook-Veranstaltung.

    Contemporary & Fine Urban Arts Berlin Messe, Festival, Workshops, Parties, Revaler Strasse 99 in 10245 Berlin- Friedrichshain, Eintritt: 5.- €.

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