umweltverschmidtzung.

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  • Dating 2.0

    chatten_shutterstock_71935402_konrad-bakWie das bei mir oft so ist, wenn etwas verboten, gesellschaftlich verachtet oder von der Mehrheit abgelehnt und gemieden wird, hat diese Debatte um Kontaktbörsen, und wie diese auf Kosten einsamer Herzen einen haufen Cashmash machen, mein Interesse an Singlebörsen geweckt. Singlebörsen waren für mich bisher das Auffangbecken für schwer vermittelbarer Versager, die unfähig sind sich im wahren Leben was klar zu machen, oder irgendwie sonst zum Stich zu kommen. … Dank einer realistischen Selbsteinschätzung wurde mir bei meinen Überlegungen allerdings ziemlich schnell klar, dass ich mich nach meiner Definition irgendwie selbst zu dieser Gruppe von Losern zählen durfte. Das war sicher nicht immer so, aber seit meinem Umzug nach Berlin, hatte wohl selbst ein katholische Pfarrer ein aktiveres Sexualleben als ich. So kam es dann, dass diese harte Erkenntnis meinen Stolz eines Abends frühzeitig ins Bett schickte, um mich bei einer dieser Fickebörsen zu registrieren.

    Nach der Anmeldung fühlte ich mich irgendwie dreckig und mies. Ich hatte das Bedürfnis, mit jemandem über meinen sozialen Abstieg in die Beziehungs-Nieten-Klasse zu reden. Also rief ich meinen Kumpel Marcus an: “ Du… ich habe etwas völlig oberkrass Peinliches gemacht!“, fing ich an zu gestehen. „Wenn du jetzt lachst oder es jemals wem erzählst, werde ich dich verprügeln!“ Drohte ich ihm, in der Überzeugung dieses Detail aus meinem Privatleben wirklich auch für mich behalten zu können. Marcus war auf einiges gefasst und dann fast ein bisschen enttäuscht als er erfuhr, dass ich mich lediglich bei einer Partnerbörse angemeldet hatte – zudem nur eine stinknormale, und nicht wenigstens was Pornöses. Er selbst sei auch auf so einer Seite, beruhigte er mich. Waaaaaaas??? Sollte ich etwa die Einzige sein, die kein schmierigies Cyberdoppelleben führte??? Hatte vielleicht jeder so einen Account, nur redete man nicht öffentlich darüber??? Etwas beruhigt durch die Gewissheit, dass meine Freunde mich durch meine Handlung vermutlich nicht verstoßen werden, widmete ich mich also der Erstellung Profil. Name? Hmmm… ich dachte kurz darüber nach es mit der nötigen Professionalität anzugehen und mich ‚HotnSexy666‘ zu nennen, entschied mich dann aber doch nur für Jessica Schmidt.

    Jedem, der dringend einen schnellen Egoboost braucht, kann ich die Anmeldung auf so einer Seite wärmstens empfehlen. Es dauerte keine Stunde, und mein Mailaccount war zugespamter als nach meinem Auszug aus dem Bigbrother Haus. Ganz offensichtlich war ich in dieser Welt eine geile Alte – und dabei habe ich auf meinem Profilbild nicht mal Titten gezeigt. Hunderte Männer schrieben mir die krassesten, und billigsten Komplimente, die ich bis dahin in meinem Leben gehört hatte. Aber sind wir mal ehrlich: Ein Typ, der bei einer Tussi landen will, schreibt ihr vermutlich ja auch nicht: „Hey, irgendwie ist hier auf der Seite grade nix los, und ich dachte mir, da versuche ich halt bei dir mein Glück. Besser als nix und du siehst immer noch besser aus, als die Dicke mit dem Duckface und den Hängebrüsten. Also, was meinste?“ Mir war schon klar, dass im Land der Blinden selbst der Einäugige im Vergleich ein Adlerauge war. Dementsprechend war dann allerdings auch das Angebot der Herren. Der Singlemarkt steckt in einer noch tieferen Krise als die Weltwirtschaft! Ist echt so! Da ich mir aber seit geraumer Zeit vermehrt anhören muss, dass meine Ansprüche zu hoch wären, wollte ich jetzt nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Ich setze mir das Ziel, mir wenigstens drei dieser Romeos näher anzugucken. Doch selbst das war leichter gesagt als getan, denn von allen Männern war grade mal einer dabei, der tatsächlich klar ging. Letzend Endes rang ich mich dazu durch, Mo, Andi, und Choco ins re-call zu lassen. Man kann ja nur mit dem Arbeiten, was man hat.

    Ja. Wo fange ich an??? … Andi… also … ich muss fairer Weise sagen, dass ich wirklich kein Freund von smalltalk und Scheiße labern bin. Langweilige Geschichten langweilen mich schnell, weil sie eben langweilig sind. Zudem riskieren Männer, die mich ‚Baby‘ nennen ohne mich zu kennen, in Zukunft ohne ihre Schneidezähne auskommen zu müssen. Zugunsten eine gewaltfreien Kommunikation habe ich Andi also schon sehr bald ein schönes Leben gewünscht.

    Mo’s Anfrage wollte ich ursprünglich ungelesen löschen. Männer, die Profilbilder mit freiem Oberkörper haben, sind mir suspekt. Wie wollte er überhaupt Zeit für mich finden, ohne dabei das Fitness-Studio zu verlassen??? Seine Mail war allerdings dann doch überraschend komisch, und brachte inhaltlich alles auf den Punkt, was ich in der letzten Stunde seit meiner Anmeldung erlebt hatte. Humor finde ich bei Männern noch wichtiger als schöne Schuhe, daher war ich bereit zur Not all meine Vorurteile gegen Stiernacken abzulegen. Mo war Türsteher. Quelle surprise! Wäre hätte das bei seinen Bildern gedacht? Er fragte mich, weshalb eine so schöne und witzige Frau noch immer Single ist. Ja, das frage ich mich auch oft. Ich teilte ihm meine Vermutung mit, dass Männer mich vielleicht tatsächlich sehr ansprechend finden – bis ich den Mund aufmache. Ihm schien meine vorlaute Art allerdings sehr zu gefallen, und er verreit mir, dass er mich außerdem für sehr ‚intelegent‘ hielt. … ja. … für ‚intelegent‘ hielt ich ihn auch, und deshalb habe ich dann auch diesen Kontakt abgebrochen. Ich wollte ihn lieber als den Mann in Erinnerung behalten, der er für mich in dem kurzen Moment nach seiner erstem Mail war.Trotz meines Lehramtsstudiums möchte ich mit meinem Gegenüber nicht reden müssen, als besucht er noch immer die Malschule. Intelligenz macht in meinen Augen wirklich sexy, und jeder Mann sollte mindestens ein Buch haben, dass nicht zum Ausmalen gedacht ist. (Und nein liebe Männer, Bücher die ihr zum Stabilisieren von wackelnden Tischen verwendet zählen ebenso wenig wie der Playboy!)

    Ein kleines Highlight war Choco. Auf seinem Profilbild trug er die selbe Carhartt-Jacke, wie ich sie ebenfalls besaß. Eine Basis, auf der ich aufbauen konnte. Im wahren Leben heißt er auch nicht Choco, sondern Steve – ein weiterer Pluspunkt. Seine Mom hatte ihn nach ‚Steve‘ McQueen benannt, was mir sehr gefiel. Überhaupt gefiehlen mir Eltern sehr, deren Kreativität bei der Namensgebung mehr her gab, um auf etwas derart originelles zu kommen wie ‚Jessica Schmidt‘. Ich vermutete außerdem, dass er durch die Herkunft seines Namens sicherlich Verständnis  dafür haben würde, dass ich unser Kind Anakin Skywalker nennen würde. Und Bingo: Das war okay für ihn! Einen weiterer Sympathiepunkt zu seinen Gunsten. Steve beeindruckte zudem mit einem ungeheuren Musikwissen, was mich seine miserablen Rechtschreibung fast vollkommen vergessen ließ. ‚Auch Menschen mit Rechtschreibschwäche führen glückliche Beziehungen‘, dachte ich mir. Im Laufe unserer Unterhaltung kam dann allerdings noch heraus, dass er gar kein Legastheniker sondern Franzose war.

    Mir schien jedenfalls, als hätte ich mit Steve die Nadel im Heuhaufen gefunden, und deshalb löschte ich mein Profil auf der Single- Seite noch am gleichen Abend. Mein Fazit: Kann man sich mal angucken. Vor allem, wenn man eh grade nichts besseres zu tun hat. Wer sein Ego aufbauen möchte, bekommt hier auf jeden Fall die Möglichkeit dazu. Mir wurde dadurch allerdings auch wieder bewusst, weshalb ich auf Partys eigentlich immer so böse gucke, dass sich niemand trauen würde mich anzusprechen, der nicht auf Schläge aus ist. Ich nehme lieber in Kauf, für arrogant gehalten zu werden und dafür meine Ruhe zu haben, als mir den ganzen Abend irgendwelchen Scheiß von irgendwelchen Spackos anzuhören! Im Prinzip ist dieses Verhalten ja fast eine Art natürliche Auslese. Wer meiner Schandschnauze gewachsen ist, wird sich nicht abschrecken lassen. Wer wirklich Interesse hat, wird sich bemühen. Oder um es mal mit den Worten von LL Cool J zu sagen: „If his love is real he’s got to handle competition“.

    Steve gibt es jetzt zwar auch in meinem real life, aber er wird sehr wahrscheinlich nicht der Vater von Anakin Skywalker. Ich habe nunmal eine sehr spezielle Vorstellung von einem Mann, mit dem ich mir eine Beziehung vorstellen könnte, und auch nach dieser Aktion nicht vor, diese noch mal zu überdenken. Ich vermute, was man im wahren Leben nicht findet, findet man auch in keiner Partnerbörse. Da bin ich eben schnücksch! Und nur weil der NIKE nicht erhältlich ist, trage ich doch deshalb nicht gleich Shamp-Schuhe! Also bitte…

  • What’s wrong? I am a happy anarchist, (…) not an angry vandal.

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    Die Prostie-Smilies, die von Fassaden und Gemäuer der Stadt lachen, dürften jedem aus den Strassen bekannt sein. Schadenfreude ist oft die schönste Freude, und vielleicht deshalb oft Thema des Streetartkünstlers „Mein lieber Prost“, der mit seinen Smileys zum Nachdenken und zum Lachen bringt.

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    Eben noch an der Hauswand, jetzt schon in der Urban Spree– Galerie:  Die laufende Ausstellung What’s wrong zeigt noch bis Ende des Monats verschiedene Werke des Künstlers. Nun bietet Sreetart in einer Galerie ja immer auch viel Platz für Grundsatzdiskussionen, trotzdem kann ich die Ausstellung allen Interessierten empfehlen. Neben Altbekanntem zeigt die Show nämlich auch Arbeiten, die über den von ihm gewohnten Style im öffentlichen Raum hinausgehen. Mir war bis gestern zum Beispiel gar nicht bekannt, dass er sich auch mit Adbusting beschäftigt.

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    Neben einer Auswahl an älteren Stücken sowie neue Kunstwerken, und Kooperationen mit anderen Graffiti-Writern, sind auch Parodien wichtiger Gemälde der Kunstgeschichte zu finden. Ob nun Michelangelos Die Erschaffung Adams oder aber Der Schrei des norwegischen Malers Edvard Munch, im Prinzip gibt es keinen Klassiker, der sich nicht durch einen Prostie aufwerten lässt.

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    In letzter Zeit musste sich der fröhliche Anarchist privat vermehrt mit der Frage Auseinandersetzen: „Ist Streetart Kunst oder Vandalismus?“. Für ihn eigentlich ein klarer Fall von Kunst, für die Berliner Behörden leider weniger. Kunst liegt ja immer auch im Auge des Betrachters und nach einer Hausdurchsuchung betrachtet die Justiz den Künstler leider eher als Vandalen. Ich finde das persönlich sehr traurig, und lasse ihm deshalb nochmal den Merchandise-Stand durchgehen, oder den ‚Prost memorabilia shop‘ wie er auch liebevoll genannt wird – denn so ein Rechtsstreit muss halt auch irgendwie finanziert werden. Also ab in die Urban Spree, schaut euch die Ausstellung an, und kauft ein paar Prost Erinnerungsstücke für den guten Zweck.

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  • Covern muß nicht scheiße klingen

    „Das Original ist aber tausendmal besser!“, sagen Leute gerne um zu zeigen das sie das Original kennen, und weil man das eben so sagt. Ähnlich wie bei Filmen. „Du musst aber unbedingt das Buch lesen! Das ist tausendmal besser!“, zeigt nicht nur, dass man lesen kann, sondern ist eben oft auch einfach die Wahrheit.

    Wenn es um die Ästhetik des Auditiven geht, kann ich schon mal zum Klang-Nazi werden, der gerne die totale akustische Säuberung durchsetzen würde! Besonders wahnsinnig macht es mich, wenn schöne Lieder durch Coverversionen kaputt gemacht werden – was leider in 80% aller ‚Neuinterpretationen‘ der Fall ist. Niemals vergesse ich den Tag, an dem Oli P. „Flugzeuge im Bauch“ von Herbert Grönemeyer releaste – es war der Tag an dem ich bereit war, meine Meinung über die Rechtfertigung der Todesstrafe nochmals zu überdenken. Durfte eine solche Zerstörungswut wirklich ungestraft bleiben???

    Nur wenige Künstler haben offenbar die Gabe, das Wesen des Originals zu begreifen und es neu, aber nicht weniger gut, zu interpretieren.

    Da gute Cover selten, und deshalb wertvoll sind, habe ich zehn von ihnen in beliebiger Reihenfolge zusammengetragen. Zehn Songs bei denen in mir nicht das unbändige Gefühl wächst, den Interpreten mit dem Tonband erdrosseln zu wollen:

    Moob Deep sind und bleiben natürlich the head niggas in charge. They run this shit, they set the trend – das ist so! Basically you get the dick, aber dann kam Dillon – und es war okay. Nicht völlig genial, nicht wirklich neu, aber trotzdem okay. Wer so mutig ist, und sich an einen Klassiker wie ‚Survival of the fittest‘ traut (ohne sich dabei auch noch völlig zum Horst zu machen), der hat doch wohl etwas Props für seine Arbeit verdient.

    Die großartige Ellie. Vermutlich gibt es ohnehin keinen Song den man nicht vertrauensvoll in ihre Hände legen könnte, mit der sicheren Gewissheit, dass am Ende alles gut wird. Ohne Worte.

    Die Band Heisskalt ist mein ganz persönliches, musikalisches Überraschungsei. Ich gebe es öffentlich zu: Ich bin ein krasser Fan, und das ist auch gut so! Ein krasser Fan bin ich allerdings auch von Moonbootica, und ihr Song „Der Mond“ ist mir, aufgrund persönlicher Erinnerungen an durchgetanzte Nächte, ganz besonders heilig. Als ich bei der Heisskalt-Version zum ersten Mal auf play drückte, war ich deshalb auf das Schlimmste vorbereitet. Selten habe ich mich so gefreut, dass sich meine Erwartungen nicht erfüllten. Eine vergleichbare Erleichterung fühlte ich zuvor nur, als mein erster  Schwangerschaftstest negativ ausfiel. „Krasser Fan!“, erwähnte ich bereits?!

    U2 war fester Bestandteil der musikalischen Früherziehung meiner Eltern. Ich lernte bereits von klein auf, dass es niemals den falschen Zeitpunkt für einen U2 Song gab. „Sunday Bloody Sunday“ serviert man den Nachbarn am Besten laut – Selten waren meine Eltern und ich uns in etwas so einig.  Noch heute ist diese Hymne einer meiner Lieblingssongs der Melodic-Hardcore Band Ignite.

    Einen Prince Song zu klauen führt viele Künstler zum Schotter. Bei Sinéad war das sicher nicht anders, und danach kam von ihr ja auch nicht mehr viel. Allerdings klaute sie den Song auf eine solch bezaubernde Art und Weise, die mich beinahe vergessen lies, dass er ursprünglich gar nicht von ihr ist. Bereits die ersten Klänge lösen in mir eine Art pawlowschen Heul-Reflex aus. Mir kommen sofort die Tränen. Doch es sind keine Tränen der Wut, wie damals als die No Angels „There must be an Angel“ von Eurythmics schändeten, sondern Tränen der Freude. Für mich ist „Nothing compares 2u“ einer der gelungensten Coverversionen überhaupt. Wer schafft es bitte sonst noch, die Leute denken zu lassen:“ Wer war eigentlich gleich dieser Prince???“

    Obwohl das Original vermutlich der Eisbreaker auf jeder Schülerparty gewesen ist, und wirklich jeder den Refrain mitgrölen kann, kennt Soft Cell heute zu recht keine Sau mehr. Der Song ist aber nicht nur catchy, er ist auch textlich ziemlich groß! Dafür das sich Marilyn Manson diesem Song angenommen hat, wird er vermutlich in den Himmel kommen – ob er das will oder nicht. Er streifte dem Lied seinen unwürdigen Popmantel ab, um ihm in die Stimmung zu hüllen, die seiner würdig ist. Songs über Ex-Partner brauchen Aggression, Hass und Verachtung in der Stimmung, und sollten niemals mit der Laune eines Teletubbies vorgetragen werden! Damit hat Marilyn einen größeren Beitrag zu einer besseren Welt geleistet als die Meisten von uns.

    Nicht im Leben hält ewig, und Beziehungen sind da keine Ausnahme. Bei Outkast klingt diese Endlichkeit allerdings nach einem riesen Spässchen und macht richtig gute Laune. Genau so, nur anders hat auch Sarah „Hey ya!“ gesungen, und damit dem Lied die Depressivität verliehen, die ihm inhaltlich zusteht. Sehr viel weniger lustig, aber Outkast dürften trotzdem stolz auf sie sein!

    Neben der Vorliebe zu Smokey Eyes teilen Robert Smith und Adele offensichtlich auch die Liebe zu guter Musik. Der The Cure –Frontman schrieb das Lied als Liebeserklärung an seine Freundin Mary, welches später zum einzigen Top-Ten-Hit der englischen Band wurde. Obwohl ich persönlich das Original jedem Cover vorziehe, muss man Adele anerkennen, dass sie mit ihrer Version eine Art musikalische Entwicklungshilfe leistete. So gelangt großes Liedgut auch in Gehörgänge, die durch die größten Hits der 80er und 90er und dem Besten von heute, fast völlig verkümmert waren. Für ihren unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen mangelnde Klangästhetik sollte man ihr eigentlich das Bundesverdienstkreuz von Jeanette Biedermann verleihen!

    Über das Glashaus -Projekt vom talentierten Moses P. könnte ich stundenlang nur Gutes sagen. Covern hat Herr Pelham wirklich nicht nötig, aber gereizt hat es ihn offensichtlich trotzdem. Herausgekommen ist ein Stück, dass mich zum ersten Mal vor die Frage stellte: Kann man zwei Dinge exakt gleich lieben? Ich konnte! Müsste ich mich für eine der beiden Versionen entscheiden, ich könnte es nicht! Jede ist auf ihre Art perfekt. Für mich sind die beiden Versionen das Ying und Yang der Coversongs. Die gefühlvollste Stimme der fabelhaften Cassandra Steen verleiht der Glashaus-Interpretation melancholische Weiblichkeit, während mich im Selig-Orignal die Hilflosigkeit und Verzweiflung in der versoffenen Stimme von Herrn Plewka zutiefst berühren.

    Ich habe diesen Song gehört und mich sofort verliebt. Aus persönlichen Gründen wollte ich mir das aber erstmal nicht eingestehen. Doch so sehr ich auch versuchte mich zu entlieben, es wollte mir nicht gelingen. Was auch immer ich mir vormachen wollte, ich musste ehrlich zu mir selbst sein: An diesem Track ist alles so viel besser als beim verstaubten Original der dicken Trude. Der Beat ist tanzbarer, der Song viel zeitgemäßer und die Sängerinnen schöner und dünner und… überhaupt.

  • Die Polizei, mein Freund und Hausbesetzer

    Liebe Berliner Polizei,

    offensichtlich kennen sie auch die A-B-C-Interviewtechnik, und haben (ebenso wie ich) eine Vorliebe, auf unangenehme Fragen mit Thomas Mann artigen Schachtelsätzen zu antworten, immer in der Hoffnung, dass der Gegenüber inhaltlich den Faden verliert noch bevor man zum Punkt kommt. Schön! Aber im ‚Menschen in Trance quatschen‘, haben sie mit mir leider einen Meister gefunden. Das hat wohl auch der nette Beamte sofort bemerkt, als ich begann ihn ins Verhör zu nehmen.

    Bild: Banksy
    Bild: Banksy

    „Wohnen sie auch hier?“, fragte ich den jungen Polizisten, der auf Zehnspitzen auf einem Stuhl stehend durch das Dachfenster unseres Hausflurs schaute. Etwas verdutzt guckte er mich an, bevor er mir die Antwort gab, die ich eigentlich schon wusste. Seit mehreren Monaten lungerten die Cops nämlich schon bei uns im Haus rum, und seit mehreren Monaten ging mir das schon auf den Sack. Seit mehreren Monaten beschäftigte mich die ein oder andere Frage, wie z.B. ob die Videoaufnahmen, welche sie von unserem Fenster aus aufzeichneten, wohl kulturell-künstlerischen Anspruch haben, oder ob es ihnen wohl große Umstände bereiten würde, die Kippenstummel, die sie auf dem Fussboden verteilten, nach Feierabend wieder aufzusammeln.

    Bild: Banksy

    Nachdem ich mit meinen Fragen durch war (und aufgrund der Körpersprache meines Gegenübers habe ich berechtigte Zweifel, dass der Einsatz in meinem Hausflur ganz rechtens ist), machte mich der höfliche Beamte noch darauf aufmerksam, dass ich in einem „kriminell schwer belasteten Bezirk“ wohne. Keine Ahnung, ob er damit jetzt auch noch andeuten wollte, dass es doch eigentlich mein großes Glück sei, dass er jetzt hier für Recht und Ordnung  sorgt?! Jedoch bin ich auch in diesem Punkt wieder nicht ganz einer Meinung mit dem Hüter von Gesetz und Ordnung, denn ich finde wirklich nicht, dass ich in einem ‚kriminell schwer belasteten Bezirk“ wohne!!! Alles Bestens hier! Die Leute sind nett und hilfsbereit. Das gilt übrigens auch für die Dealer, die einen in Ruhe lassen, wenn man nichts kaufen möchte (deren Lebensbedingungen hier, sowie die menschenunwürdige Art und Weise, wie sie vermutlich in dieses Land geschifft wurden, ich übrigens sehr viel krimineller finde, als den Tatbestand, dass sie hippe Szeneberliner mit Kiffe versorgen). Deshalb würde ich es wirklich begrüßen, wenn ihr und die einschlägigen yellow-press-Medien endlich damit aufhören würdet, mir suggerieren zu wollen, wie asozial Kreuzberg ist!

    „Die Polizei dein Freund und Helfer“, soweit zur Theorie. Doch sind wir mal ganz ehrlich: Wie lange ist das her, dass wir wirklich Freunde gewesen sind??? Wann habt ihr uns das letzte Mal geholfen?

    Dabei könnte doch alles so gut zwischen uns laufen! Erinnert ihr euch noch, als ich Anfang Zwanzig war, und mein Geld grade so für einen 2er Golf reichte, aber leider nicht für Bremsen oder Winterreifen. Wem bin ich da hinten drauf gerollt? Euch. Und nachdem ich so bitterlich angefangen habe zu weinen (war aber auch ein scheiß Tag! Unter allen Verkehrsteilnehmern musste ich ausgerechnet euch drauf rollen), da seid ihr so rührend verständnisvoll gewesen, und habt mich fahren lassen. Einfach so… Ich werde euch das nie vergessen! Obwohl ihr für mich, als sehr linkes Mädchen, schon ziemlich früh zur Verkörperung der dunklen Seite der Macht wurdet, war unser gegenseitiger Umgang, und unsere gelegentlichen Zusammentreffen, stets von Respekt und Verständnis geprägt. Auf wie vielen Demos standen wir uns jetzt schon Gegenüber? Ihr musstet jedes Mal lachen, wenn ich euch darauf aufmerksam machte, wie schade es doch ist, dass wir uns immer nur unter diesen Umständen begegnen. Bild: Banksy

    Unser vorbelastetes Verhältnis ist also wirklich nichts persönliches. Trotzdem finde ich, dass die Rolle der Polizei in unserer Gesellschaft vielleicht noch mal überdacht werden sollte! Seit ihr nun für oder gegen das Volk? Steffen, der junge Beamte in meinem Hausflur (ja, ich bin nicht nur gut im Leute zuquatschen, ich bin auch gut darin, Funkverkehr zu belauschen), dachte anfangs ernsthaft mein Problem sei die Lärmbelästigung durch seine Anwesenheit. Aber Steffen, jetzt mal ganz ehrlich, die Dope verkaufenden Afrikaner pinkeln mir vor lauter Angst in den Keller wenn sie sich vor euch verstecken (Ja, die einen stehen im Keller, die anderen im Dachgeschoss. Günther Oettinger würde sagen: „We are all sitting in one boat„), da kommt es auf den Lärm durch deine Anwesenheit auch nicht mehr drauf an. Was mich wirklich beschäftigt ist die Frage: Was ist illegaler? Drogenverkäufer oder Polizisten, die unbefugt in Häusern rumlungern, um Videomaterial zu sammeln, dessen Zulässigkeit vor Gericht ich stark bezweifle? Da sagt doch irgendwie der eine Esel zum anderen Langohr! Solltet ihr nicht mit vorbildlichem Verhalten vorangehen, und so krumme Dinger unterlassen? Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist nicht immer richtig! Jemanden, der von mir ein bestimmtes Verhalten verlangt, ohne die Bereitschaft zu zeigen, mir dieses Verhalten selbst vorleben zu wollen, den kann ich wirklich nicht ernst nehmen! Da bröckelt doch die Integrität!!!  Wenn es um „Legalität“ geht (wie auch immer man diesen Begriff definiert), sollte dann die Polizei nicht mit gutem Beispiel vorangehen?

    Erst heute habe ich in der Berliner Morgenpost gelesen, dass ihr echte Nachwuchssorgen habt. Irgendwie hat keiner so richtig Bock Polizist zu werden, und das sollte euch zu denken geben. Euer Image ist offensichtlich nicht viel besser, als das der Marihuana-Verkäufer im Görli! Wer im Schlachthaus sitzt, sollte also nicht mit Schweinen werfen. Vielleicht denkt ihr in einer ruhigen Minute bitte mal drüber nach.

  • Lebensphilosophie Goofy

    Los, hebt die Hände hoch und lasst die Hände oben!
    Bis unsere Eltern denken „was sind das’n für Idioten?“
    Aber das is keine Phase, das is unser Lifestyle, unser Leben
    Wie wir uns kleiden, geben und reden.

    – Kool Savas (‚Alle schieben Optik‘)

    Slayer

    Wenn es um die Analyse meines Reifeprozesses geht, ist meine Mom ein ziemlich hartnäckiges Scheißerchen. Jeden Sonntag, da ist nämlich ‚Jessie-Mommy-Telefontag‘, stellt sie mir die selbe penetrante Frage: „Wann wirst du wohl endlich erwachsen, Kind?“ Nach 32Jahren, irgendwo zwischen Feierirrsinn und Berufsalltag, kulturellem Aktivismus und exzessiver Clubfreizeit, zwischen Glücksrausch und Totalbsturz, hat sich im Prinzip jeder damit arrangiert, dass es viel ‚erwachsener‘ bei mir wohl nicht wird. Ich weiss das, meine Freunde wissen das, meine Schwestern wissen das, nur bei meiner Mom is’s irgendwie noch immer nicht angekommen. Die Standardantwort auf die nervige Frage meiner Frau Mutter war ein lässiges: „Ich bin doch noch jung!“. Aber die Zeit spielte in dem Punkt leider nicht grade für mich, und irgendwann konterte sie mit: „Nee, biste eben nicht mehr!“ Na herzlichen dank auch!

    Das war der Beginn einer Phase in meinem Leben, in der mich dieses ‚Erwachsen werden‘ tierisch unter Druck setzte. Neben meiner Mom, und diversen Männern die ihre Meinung teilten, hatte ich das Gefühl, dass auch der Rest der Gesellschaft so langsam anfing, gewisse Dinge von mir zu erwarten. Offensichtlich schien sich eine ’normale‘ weibliche Person, in meinem Alter (halloooo??!?! 30 ist das neue 20!), nach Beendigung ihres Langzeitstudiums anders zu verhalten als ich. Auch nicht grade hilfreich war das Bedürfnis meiner Freunde, zu heiraten und sich fortzupflanzen. Nichts gegen dieses Bedürfnis, aber meine Bedürfnisse waren nun mal Seifenblasen, Glitzerschminke und Vodka. Nach einem Besuch beim Frauenarzt, den ich ausgelacht hatte, weil er wissen wollte, wie viele Kinder ich hätte, und der mir daraufhin trocken entgegnete: „Dies ist keine ungewöhnliche Frage an eine Frau in ihrem Alter!“, setzte ich mich dann doch ihn, um mal über mein ‚Peter Pan Syndrom‘ nachzudenken.

    Erwachsen werden. Was zur Hölle ist denn dieses blöde ‚erwachsen‘ eigentlich genau? Und wie kann ich das werden? Was an mir war denn bitte nicht erwachsen? Man ließ mich ins Casino und ich hatte keine Probleme, in den Vereinigten Staaten Alkohol zu kaufen. Lief doch alles top! Wie erwachsen soll’s denn noch werden???

    Ich möchte die Antworten auf diese Fragen an dieser Stelle gerne zur Diskussion freigeben, denn ich kenne sie noch immer nicht. Vielleicht liegt da auch ‚kann nicht‘- in der ‚will nicht‘-Strasse. Alle Überlegungen endeten lediglich in einer Erkenntnis: Erwachsen werden scheint eine Einstellungssache zu sein – man muss es wollen. Diese Einstellung fehlte mir ganz offensichtlich, und die nötige Bereitschaft diese zu entwickeln war bei mir offensichtlich nur rudimentär ausgeprägt ist, bis gar nicht vorhanden.

    Trotzdem war ich eine Zeit lang stets bemüht, Gefallen an diesem ‚erwachsenen Kram‘ zu finden. Doch das einzige, was mir daran wirklich gefiel, waren ‚Erwachsenen Filme‘. Dinge, die allgemein als ‚erwachsen‘ gelten, gelten bei mir allgemein als ‚langweilig‘. Ich kann nichts dafür! Ich kann mich doch nun auch zu nichts zwingen! Erwachsen werden übte auf mich eine ähnliche Anziehungskraft aus wie Harald Glööckler: Egal was andere Leute darüber sagen, auch Koks macht es nicht attraktiver!

    Seitdem es die Krutschens gibt, habe ich aber grundsätzlich schon mal nix mehr gegen heiraten und Kinder kriegen. Wenn Familienleben so sein kann, wie bei meiner skatenden, BMX-fahrenden Kölner- Vorzeigelieblingsfamilie, dann finde ich das durchaus erstrebenswert! Wenn Eheleben bedeutet, auch mal gemeinsam auf einem Kendrick Lamar Konzert abzustürzen, dann will ich das auch! Gerne auch im verbindlichen ‚für immer‘-Tarif! Aber ich will ich eben bei all diesen Dingen ‚I did it my way‘ singen können!

    Das gilt auch für den Job. Wer ernsthaft glaubt, Kleidung, Schuhe, Tattoos, etc. seien aussagekräftige Indikatoren zur Beurteilung der fachliche Kompetenz eines Menschen, der glaubt doch auch die Wettervorhersage der nächsten 10 Tage anhand meiner Intimpiericings erstellen zu können. Also ganz ehrlich, wer ist denn jetzt hier infantil? Oder hat ‚erwachsen sein‘ gar nichts mit intelligentem Denken und Handeln zu tun? Ich will sicher nicht auf die Kacke hauen, aber realistisch gesehen kann ich das nämlich sehr viel besser, als die meisten ‚Erwachsenen‘. Zudem hätte ich noch ein lustiges Potpourri an Lebenserfahrung zu bieten, doch die müssen Erwachsene offensichtlich auch nicht haben. Also was ist es dann? Bildung ist ja ganz sicher auch kein Kriterium des ‚erwachsen seins‘! Im direkten Vergleich mit einem dieser erwachsenen Menschen, ist meine Allgemeinbildung ein absolutes Träumchen. Außerdem kann ich selbst im Vollsuff, unter völliger Abwesenheit meiner geistigen Kräfte, über die anspruchsvollsten Themen diskutieren. Nur weil die Thesen meiner Examensarbeit unter Jägermeistereinfluss an der A.R.M.-Theke entstanden sind, sind sie nicht weniger gut. Wäre diese Welt gerecht, dann dürfte “ trotz 3 Promille noch Verhandlungssicher“ im Lebenslauf unter ‚Zusatzqualifikation‘ genannt werden!!!

    Doch so sehr ich das ‚erwachsen sein‘ auch übte, es wollte nicht so richtig klappen. Wenn mir die Lösung fehlt, scheint mir Flucht oft das einzig richtige Mittel zur Problembewältigung. Die Stadt, oder das Land, fluchtartig zu verlassen ist nicht das verkehrteste. So kommt man wenigstens ein bisschen rum, und sieht was von der Welt. Von der Kleinstadt nach Berlin zu ziehen hielt ich in meinem Fall für eine geniale Idee. Hier gibt es noch Skater in meinem Alter, ich bin ich nicht mehr die Älteste im Club, und rund im die Warschauer Brücke ist niemals die falsche Tages- oder Jahreszeit um ein rosa Hasenkostüm zu tragen. Becks scheint als isotonisches Erfrischungsgetränk bereits vor dem Frühstück gesellschaftlich akzeptiert, und so dachte ich: Hier bin ich Lebenskünstler, hier darf ich sein. Ganz so ‚open minded‘ wie ich dachte ist Berlin aber dann doch nicht, denn in die Schubladen ordnen die Menschen auch hier gerne ein. Allerdings interessieren sich die Menschen wegen dem Großstadtstress gewöhnlich nicht für ihre Mitmenschen. Alle sind schwer damit beschäftigt sind, die sozialen Missstände hier zu ignorieren, und während sie darauf achten, nicht über die Obdachlosen auf der Straße zu stolpern, achtet hier keiner groß auf mich. Ohnehin bin ich hier nicht die einzig Ziellose mit ‚Peter-Pan’Syndrom. Da gibt es ganz andere Patienten in fortgeschrittenerem Stadium! Doch ein paar Extremfälle in meiner Umgebung scheinen für meine Entwicklung  jedoch ganz heilsam zu sein. Ist ja auch wichtig zu sehen, wie man auf keinen Fall enden will.

    Trotzdem werden sich meine Interessen auch in den kommenden 32 Jahren nicht grundsätzlich ändern. Seifenblasen sind ein zeitloser Klassiker, Glitzerschminke hält im faltigen Gesichtchen eh besser, und ich freue mich schon jetzt wie Bolle auf den zuzahlungbefreiten Mischkonsums auf Rezept. Ich werde den Zivildienstleistenden in meinem Altersheim freundlich bitten, meine Air Max schön zu putzen, sobald er das Marihuana gegen meinen grünen Star besorgt hat. Ich werde einen ‚Skateboarding is not a crime‘ – Sticker auf meine Rollator kleben, und das Hörgerät abschalten, um nicht zu mitzubekommen, wenn sich das Personal über die laute Musik beschwert. Dafür werde mir aber die Beschwerden meine Kinder über ihre Kinder umso genauer anhören, und mich innerlich freuen, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.

    Komet Bernhart interessiert sich auch im hohen Alter noch für die Bright
    Komet Bernhart interessiert sich auch im hohen Alter noch für die Bright

    Ja, ich denke, ‚erwachsen werden‘ kann man auf viele Arten, und meine ist offensichtlich eher ‚goofy‘ als ‚regular‘. Seit kurzem ist das auch irgendwie okay für mich. Was nützte es auch das Leben allzu ernst zu nehmen? Es endet ja doch mit dem Tod! Auf meinem Grabstein soll übrigens stehen: Guck’nicht so traurig! Ich würde jetzt auch lieber mit dir am Strand liegen!

    Ich hab’das jetzt 32 Jahre so durchgezogen, und schaffe es sehr wahrscheinlich noch mal solange. Was für Komet Bernhard funktioniert, wird bei mir schon nicht schief gehen. Und falls doch, hatte ich zumindest bis dahin eine verdammt gut Zeit. Erwachsen sein hat nämlich auch unglaublich viele Nachteile: Man darf nicht auf Hüpfburgen, wird nicht mehr ins IKEA-Bälle-Land gelassen, und die Mitgliedschaft im Barbie-Fanclub wird einem noch vor dem 16.Lebensjahr gekündigt. Über die verständnislosen Blicke der Mitmenschen, während man mit dem Bobbycar durch’s MC Drive fährt, wollen wir jetzt gar nicht erst reden. Is’doch nicht schön so was!

    Wenn ihr also das nächste Mal einem Bankmanager begegnet, der zum Beratungsgespräch noch immer sein ‚Fusion‘-Bändchen trägt, und das nicht ganz eurem Bild eines professionellen Erwachsenen entspricht, denkt dran: Erwachsen sein wird vielleicht völlig überbewertet, und er wird es vermutlich trotzdem voll drauf haben!

  • Der Heilige Gral des Shawn Corey Knowles-Carter

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    Allow me to re-introduce hisself: His name is Hov‘. Chief Executive Officer der Plattenfirma Def Jam Recordings, zu dem mittlerweile auch das von ihm gegründete Label Roc-A-Fella Records gehört. Gründer des Modelabes Rocawear, und Macker von niemand geringerem als Mr. bootylicious Beyoncé.

    Wenn er also, in tracks wie Public Service Announcement, von sich behauptet er sei: „… , music biz number one supplier … „, ist das nicht übertrieben auf die Kacke gehauen, sondern eine durchaus realistische Selbsteinschätzung. Er hat mehr Nummer-eins-Alben veröffentlicht als Elvis Presley – einfach nur, weil er es kann.

    In ein paar Tagen kommt sein neues Album: Magna Carta… Holy Grail.

    Bereits auf dem ersten Track wird er von niemand geringem gefeatured als von Justin Timberlake.

    Grail – Album Version (Explicit)

    „Holy Grail“ ist eigentlich ein viel zu krasses Intro, welches schon allein wegen Everybodys Darling Justin, unter aller Garantie auch vom Mainstreampublikum gefeiert werden wird. Neben Justin, der all’die Dinge singt, die wir Frauen so gerne hören, und’nem fetten Beat kommt der Song zudem mit einer Smells Like Teen Spirit-Hommage um die Ecke. Dieser kurze Nirvana-Part geht natürlich ins Ohr, und bleibt auch dem letzten Großraumdiskothekenspasti im Kopf.

    So ein erster Track setzt die Erwartungen an den Rest des Albums hoch. Erwartungen, die in meinem Fall aber leider nicht ganz erfüllt wurden, denn sehr viel wird’s nicht.

    Das Jay Z ein sauber produziertes Album vorlegt, kommt nicht wirklich überraschend. Trotzdem hat man beim Hören, mehr als bei den vorgänger Alben, das Gefühl, das der kommerzieller Erfolg hier mehr als sonst bedacht wurde.  Das ist an sich nicht verwerflich, denn nichtsdestotrotz ist Magna Carta… Holy Grail ein weiterer musikalischer Hammer aus dem Hause Carter. Jedoch weicht die „I don’t care WHAT you think about me“- Attitude hörbar dem Wunsch nach Chartplatzierungen. Die poppigen Einflüsse machen das Album nicht weniger gut, machen es aber auch nicht unbedingt besser als The Black Album – welches damit für mich weiterhin das Beste Jay Z Album aller Zeiten bleibt.

    But only God can judge him, so I’m gone… und ihr macht euch am Besten selbst ein Bild, denn in ein Jay Z Album zu investieren ist grundsätzlich nie verkehrt!

  • Mac ‚Namedropping‘ Miller

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    Ich bin bekanntlich ein Fan von atypischen Kooperationen zwischen Musikern, weil ich eine Vorliebe für Musik habe, die auf jegliche Genregrenzen scheisst. Kein Wunder also, dass ich den Vorboten des neuen Mac Miller Albums Watching Movies With The Sound Off feiere. Der Pittsburgh Independet-Rapper holt sich für sein neustes Album Erfolgsproduzent Diplo mit ins Boot, und liefert mit Goosebumpz schonmal einen Vorgeschmack dessen, was voraussichtlich am 18. Juni in die Läden kommen wird. Ich fand das Ergebnis dieser Zusammenarbeit so nice, dass ich sogar mal wieder einen Blogbeitrag geschrieben habe – und das will was heissen.

    Als anständige Musikjournalistin müsste ich an dieser Stelle noch ein paar dieser typisch aufgeblähten und unnötig blumigen Metaphern einwerfen, damit ihr auch einen Eindruck davon bekommt, wie völlig genial sich die eingängigen Klänge des Schlagzeug mit dem faszinierenden Sound der Trompete verbindet. Wie schlagfertig Mac Miller und Diplo Hand in Hand jedes Geräusch, jede Nuan­cie­rung, jedes kleine Ele­ment plas­tisch und greif­bar klin­gen zu lassen, und so die emo­tio­na­len und musi­ka­li­schen Gren­zen in geballten Bässen vereinen.

    Aber das wirklich Schöne an einem eigenen Blog ist, dass man sich diese ganzen ‚Brokeback Mountain‘-Floskeln auch einfach schenken kann. Ich bin sicher ihr hört auch so, das Mac Miller seinen eigenen, musikalischen Weg geht – ohne Scheuklappen vor den Augen oder einem Blatt vor dem Mund. Der Bonustrack Goosebumpz schraubt die Erwartungen an „Easy Mac“ hoch, den die Presse auch gerne mal als den ’neue Eminem‘ hypt.

    Dank vergangener Zusammenarbeiten mit Talib Kweli, DJ Premier, Pac Div oder Wiz Khalifa kommt in Bezug auf Namedropping schon jetzt kaum jemand an Miller ran. Auch auf Watching Movies With The Sound Off  haut er in Sachen Features wieder derbe auf die Kacke, und so werden u.a. auch ScHoolboy QTyler the Creator oder sogar Jay Electronica zu hören sein. Und so sehr mich Mac Miller auch mit seiner Musik überzeugt, und so sehr ich auch schon gespannt bin, was bei diesen Kooperationen wohl rausgekommen ist, finde ich zu viele Features auch immer irgendwie lame. Zu viele ‚Namen‘ auf einem Album, erwecken bei mir schnell den Gedanken: ‚Na? Dein Name alleine reicht wohl nicht für die gewünschte Medienpräsenz?‘. Versteht mich nicht falsch, aber das sehe ich ähnlich wie bei einer Schlägerei, wer erst seine ganzen Homies holen muss, verliert bei mir zwangsläufig an Respekt. Bei so einem Feuerwerk an Features denke ich daher sofort an Samy Deluxe: „Für andere MCs auf meiner LP rap‘ ich zu lang“. Aber fairer Weise muss man sagen, dass Mac Miller diesen talentfreien MC-Stereotyp bisher nie bedient hat, und in der Vergangenheit bei ihm trotz fetter Features ‚einiges‘ ging.

    Ich kann es jedenfalls nicht erwarten mehr von diesem Projekt zu hören. Bis es soweit ist kann man Mac Miller noch in seiner MTV- Reality Show Mac Miller And The Most Dope Family sehen.

  • Warehouse #001

    Warenhaus

    Irgendwie stehe ich auf Events deren Veranstaltungsort erst kurz vorher genannt wird. Je abwegiger die ganze Nummer, umso besser. Den größten Spaß hatte ich beim Finden einer Party deren Veranstalter mir nur ein Passwort, sowie den ungefähren Aufenthaltsort eines Eiswagens mitgeteilt hat. Ich sollte dem Eisverkäufer das Passwort sagen, der würde mich dann zur Party führen. Hat er auch gemacht! Folgen sollte ich ihm. Kein Ding. Kann ich. „Wortlos“, ergänzte er irgendwann… ja, genau.

    Na, jedenfalls ist Warehouse #1 der Auftakt zu einer Konzeptveranstaltungsreihe in einer off-location. Ein extravagantes Pop-up-Dinner, gefolgt von Kunstausstellungen, über Perfomances – alles in einer tristen Umgebung.

    „Die Aufmerksamkeit soll auf den Inhalten der Events und nicht auf der location liegen“, so die Veranstalter.

    Hinter dem Projekt stehen einige Berlin und London Club-Besitzer, Event Manager, Galeristen, Fashion-Designer und weitere Künstler.

    Alle weiteren Informationen und Hintergründe  rund um das Konzept findet ihr hier: Warehouse001compressed

    Wer, wo, wann und was jetzt eigentlich genau erfahrt ihr wiederum nur beim besten Sender der Stadt – mit der schönsten Redaktion überhaupt: BLN.FM

    bln-fm-logo

  • Sounds von der East Side Gallery

    Erst errichtet man eine Mauer ohne die Einverständnis des Volkes, dann will man sie wieder abbauen – ohne die Einverständnis des Volkes. Berlin ist arm und anscheinend gibt es nichts, was man hier für Geld nicht kaufen kann. Die Gedenkstätte der Berliner Mauer bildet da offensichtlich keine Ausnahme. Wenn nur ein finanzstarker Investor kommt, klappt es offensichtlich auch mit der Baugenehmigung.

    EastHeute haben über 500 Menschen an der East Side Gallery gegen die Bebauung demonstriert und ich war eine von ihnen. Die Erklärung einer Polizisten, dass die Stücke ‚ja erhalten bleiben und eben nur woanders wieder aufgebaut werden‘, tröstet mich nur bedingt. In meinen Augen ist dieses ‚Stück‘ ein wertvolles Relikt unserer Geschichte und sollte nicht verändert werden. Ich laufe auch nicht in den Louvre hänge die Mona-Lisa um, weil sie woanders das Feng-Shui des Raums positiver beeinflusst, und verpasse ihr zum Abschied noch ein Charlie Chaplin-Bärtchen (muss sich ja keiner drüber aufregen. Unter dem Edding-Streifen ist doch alles noch genau so, wie zuvor).East

    Ich vermute, man schafft mit dieser Baugenehmigung einen so ungünstigen Präzedenzfall, dass da unter Umständen bald gar keine Stücke mehr stehen. Jetzt reden wir vielleicht noch von einem Teil, doch dann kommt der nächste Bauherr und wenn sein Vorgänger die Mauer verschieben durfte, warum sollte für ihn ein anderes Recht gelten?

    Das Spreeufer zu bebauen ist schon scheiße genug, und meiner Meinung auch sehr unklug. Grundstücke werden einmalig verkauft, doch der Tourismus stärkt die Einnahmen der Stadt langfristig und nachhaltig. Und wohin laufen die Touris, wenn sie mit dem Brandenburger Tor und dem Alex fertig sind? Richtig: An die East Side Gallery. Die hat aber bald nur noch wenig Schönes! Sollte man sich bei der Planung daher nicht bemühen,wenigstens die Mauer unverändert zu lassen?

    Mieter dieser Immobilie, dürften in dieser Stadt so willkommen sein, wie der aktuelle Bürgermeister. Nach dem BER-Fauxpas wollte der vielleicht ganz sicher gehen, dass er wirklich nicht wieder gewählt wird.

    Zoltan Dominic Grasshoff hat gefilmt, wie ein nachgebildetes Stück der Berliner Mauer gebracht wurde, um das bereits entfernte Originalstück zu ersetzen:

    Der Versuch den vorhandenen Schaden in der Gedenkstätte zu beheben, kam bei der Polizei leider nicht gut an.

    Meinungen zum Baustopp:

    http://soundcloud.com/shortygotgame/sounds-from-friday-morning

    Weitere Informationen zum Thema findet ihr auch auf BLN.FM

    bln-fm-logo

  • Der AXE Effekt

    Alcohol

    „Starker Auftritt, Schmidt! Dafür bekommst du meine volle Anerkennung“, erzählt mir meine Mitbewohnerin. Ich weiss soviel Lob total zu schätzen, aber würde mich gern daran erinnern, womit ich ihn verdient habe.

    Eigentlich wollte ich nicht weg gehen, aber nach einem halben Liter Wodka bin ich erfahrungsgemäß, schon mal offen für die ein oder andere Planänderung. Ich bin dann also doch ausgegangen, und das ich mich nur dunkel bis gar nicht an den gestrigen Abend erinnere, ist sicherlich reiner Selbstschutz. Begonnen hat wohl alles beim Karaoke. Nicht schön, sondern vor allem laut zu singen ist eine große Leidenschaft von mir. Das ist mir nicht peinlich. Das billige Anbaggern des Sängers dieser sympathischen Karaoke-Band allerdings schon. Nun gut, wieder ein Ort weniger, an dem ich mich in nächster Zeit blicken lassen möchte, aber Berlin bietet ja zum Glück noch zwei, drei Ausweichmöglichkeiten.

    Nachdem ich dann mit meinem Walgesang fertig war, hatte ich die schöne Idee, noch kurz im Kater vorbeischauen zu wollen. Weil’s ja ‚gar nicht so weit ist‘, wollte ich auch unbedingt laufen. An der Schillingbrücke verkündete ich dann, zur allgemeinen Überraschung, dass wir jetzt ‚da‘ waren. Wo wir wären, wollte man von mir wissen. „Na, am Kater!“, klärte ich die Unwissenden auf. „Tatsächlich? Wo ist er denn?“. DAS hat mich dann doch auch zutiefst irritiert. Der Kater war weg! Völlig verrückt! Ein ganzer Club, wie vom Erdboden verschluckt. … Gegen die Einwände, dass wir hier falsch sind, war ich absolut resistent. Ich lief die Brücke auf und ab und rekonstruierte, einleuchtend wie genial:“Hier läuft die Spree und dann muss dort der Kater sein!“ Wie oft sollte ich das denn bitte noch erklären?!? Das der jetzt weg war, ist zwar total krass, aber doch wirklich nicht meine Schuld! Das er nicht hier ist, kommt für mich genau so überraschend wie für alle anderen auch.

    Die Möglichkeit, dass der Kater einfach weg ist, machte für mich sehr viel mehr Sinn, als die Möglichkeit, dass der Club einfach eine Strasse weiter ist. … das sind solche Momente, in denen ich vom meiner Genialität selbst begeistert bin! Begeistert bin ich auch von der Engelsgeduld meiner Freunde in den Momenten, in denen ich mich benehme, als wäre ich auf’nem schlechten Keta-Trip. Ich wäre mit mir ja sehr viel weniger geduldig, und hätte mich vermutlich völlig genervt von der Schillingbrücke geschubst.

    Laut Erzählungen muss ich dann wohl ziemlich unvorhergesehen in ein Taxi gesprungen sein. An dieser Stelle möchte ich mich auch in aller Form bei allen Fahrern entschuldigen, die gestern Abend zwischen 22 und 23 Uhr von einer jungen Frau mit dunklen Haaren geprellt wurde. In der Regel gehöre ich zu den zahlenden Fahrgästen. Das ich meine Begleitung allerdings am Strassenrand vergessen hatte, ist mir leider auch erst vor dem Kater aufgefallen. Alleine wollte ich jedoch auch nicht feiern gehen, weshalb ich dann den Heimweg antrat. Das war in meinem Zustand alles andere als leicht für mich, daran erinnere ich mich wohl! Mein Orientierungssinn ist schon nüchtern und bei Tageslicht eine absolute Katastrophe, und es war dunkel und kalt, und ich war voll wie 10 russische Seefahrer. Irgendwo um den Mariannenplatz herum habe ich deshalb die Hoffnung aufgegeben jemals wieder nach Hause zu finden. Ich war völlig überfordert und freundete mich mit dem Gedanke an, dass ich jetzt den Kältetod erleiden würde. Zählt ‚betrunken in der Kälte zu erfrieren‘ in Berlin eigentlich zu den natürlichen Todesursachen? Wie man meine Hinterbliebenen von meinem Schicksal in Kenntnis setzte war mir schon wichtig.

    Irgendwie hab’ich’s dann aber doch nach Hause geschafft – ganz ohne das mir Gliedmaßen oder Extremitäten abgefroren sind. „Und, was machen wir heute Verrücktes?“ will meine Mitbewohnerin wissen. „Ich würd’gerne ich den Kater. Nur mal kurz gucken, ob er noch da is‘. „